23.06.2011

Neue Tapete?

Kommentar von Jürgen Amendt

Wirkliche, nachhaltige Veränderungen können in einer Demokratie nur die durchsetzen, die zu den eisernen Bewahrern des Bisherigen gehören. Das zeigte sich beim Atomausstieg, den erst eine CDU-Kanzlerin und AKW-Befürworterin wirklich gegenüber der Industrie und der Atomlobby durchboxte. Und so wird es wirkliche, nachhaltige Veränderungen im Bildungssystem erst dann geben, wenn sie von der Union kommen.

Doch Veränderungen brauchen Zeit. Die Hauptschule, jene Resterampe für die im Schulsystem Aussortierten, hat sich längst überlebt, ihre Abschaffung ist daher nur konsequent. Das wissen selbst Unionspolitiker, doch trauten sie sich bislang nicht, diese Position offensiv zu vertreten. Zu groß war und ist der Widerstand konservativer Parteikreise gegen eine solche Schulreform. Jetzt will zumindest die CDU alte Zöpfe abschneiden und sich vom dreigliedrigen Schulsystem absetzen. Willkommen in der Wirklichkeit, möchte man der CDU zurufen.

Doch auch hier gilt: Ideologien sind mächtig, und so hat die CSU aus Bayern dargelegt, dass sie von solcherlei Modernisierung nichts hält. Wie sagte ein bekannter deutscher Politiker einmal: Nur weil der Nachbar seine Wohnung neu tapeziert habe, sei man nicht verpflichtet, die eigene Wohnung auch neu zu tapezieren.

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