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Von Rudolf Stumberger
23.06.2011

Ein Ort des Massenmordes

Gedenken an die Erschießung sowjetischer Kriegsgefangener nahe Dachau

Oben: Rabbiner Steven Langas beim Totengebet / unten: der Hinric
Rabbiner Steven Langas beim Totengebet

Einige mit Gras überwachsene Erdhügel, eine seltsame Betonwand. Nichts erinnert an diesem sommerlichen Tag an das Grauen, das hier vor 70 Jahren begann – wären da nicht ein Gedenkstein und Informationstafeln. Der »SS-Schießplatz Hebertshausen« war in den Jahren 1941 bis 1942 einer der zentralen Exekutionsorte für sowjetische Kriegsgefangene im deutschen Reichsgebiet. Hier ermordeten SS-Einheiten des Konzentrationslagers Dachau etwa 4500 sowjetische Gefangene. Gestern fand auf dem Schießplatz ein Gedenkakt anlässlich der Bestattung von sterblichen Überresten der Kriegsgefangenen statt. »Die heutige Bestattung soll ein Zeichen gegen das Vergessen sein«, so Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, in ihrer Ansprache.

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Der Hinrichtungsort nach der Befreiung.

Bei dem Gedenkakt erinnerten auch die Konsulare von Russland, Belarus und der Ukraine mit Kranzniederlegungen an die Opfer. Vertreter der Religionsgemeinschaften sprachen Totengebete zum Gedenken an die unbekannten Ermordeten. Anschließend wurden Knochenfragmente beerdigt, die Archäologen im Jahre 2001 bei Grabungen auf dem ehemaligen Schießplatz gefunden hatten. Diese Schädelteile wurden durch rechtsmedizinische Untersuchungen eindeutig als die menschlichen Überreste der Opfer identifiziert.

Jahrzehnte war er dem bewussten Vergessen und Verdrängen anheimgefallen, der Schießplatz der SS in Hebertshausen nahe Dachau. Heute liegt das Gelände zwischen S-Bahn-Trasse und einer schmucken Einfamilienhaus-Siedlung. Einige Informationstafeln auf dem Gelände klären über die Hintergründe auf. So hatte der Feldzug gegen Russland, der vor 70 Jahren am 22. Juni begann, auch die »Vernichtung der bolschewistischen Kommissare und der kommunistischen Intelligenz« zum Ziel. Dazu wurden die sowjetischen Kriegsgefangenen völkerrechtswidrig der SS unterstellt. In den Einsatzbefehlen Nr. 8 und Nr. 9 vom Juli 1941 für die Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei wird die Absicht der NS-Führung deutlich. So heißt es im »Einsatzbefehl Nr. 8«, das Ziel sei die »politische Überprüfung aller Lagerinsassen und weitere Behandlung«. Alle bedeutenden Funktionäre des sowjetischen Staates und der Partei, alle maßgebenden Parteifunktionäre der Kommunistischen Partei, alle Volkskommissare, ehemaligen Polit-Kommissare in der Roten Armee, alle Intelligenzler und alle Juden sollten ausfindig gemacht werden. Was nach der Aussonderung als »weitere Behandlung« geschehen sollte, stand im »Einsatzbefehl Nr. 9«: Danach sollte die Exekutionen »unauffällig im nächsten Konzentrationslager« durchgeführt werden.

Die Massenexekutionen in Hebertshausen begannen im September 1941, nachdem die »Aussonderung« angelaufen war, die auf Denunziation und Folter basierte. Sowjetische Kriegsgefangene aus den Lagern Hammelburg in der Rhön, Nürnberg-Langwasser, Memmingen im Allgäu, Moosburg und aus Stuttgart wurden in das KZ Dachau verbracht, von ihnen hat keiner überlebt. Die ersten Massenerschießungen fanden im KZ selbst statt, später wurden aus Geheimhaltungsgründen die Exekutionen auf den eineinhalb Kilometer entfernten Übungsschießplatz bei Hebertshausen verlegt. Die Erschießungen erfolgten auf eine besonders brutale Art, bei der die Köpfe der Gefangenen durch mehrere Projektile auseinandergerissen wurden.

Nach dem Krieg wurde das Gelände von den amerikanischen Truppen übernommen. In den 50er Jahren ging es an den Freistaat Bayern über und wurde vom Finanzministerium verwaltet. »Dessen Absicht war es anscheinend, den Gedenkort und damit auch die Geschehnisse an diesem Ort in Vergessenheit geraten zu lassen«, so die bayerische Landeszentrale für politische Bildung. Der Platz verwilderte und wurde schließlich als Wildbienenbiotop unter Naturschutz gestellt. Erst 1997 gelang es einer Gruppe engagierter Bürger, diese staatliche Politik des Vergessens und Verdrängens aufzuhalten.

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