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Hans-Gerd Öfinger 24.06.2011 / Gewerkschaftliches

Wo sind die Deutschen

»Wo sind die Deutschen?«, fragten sich Gewerkschafter aus Benelux und Frankreich bei der Demo des Europäischen Gewerkschaftsbunds (EGB) am Dienstag in Luxemburg gegen Sparhaushalte und Angriffe auf Sozialstaat und Arbeitnehmerrechte.

Weshalb aus den DGB-Gewerkschaften keine 200 mitmarschierten, konnten Kollegen aus den westlichen Nachbarländern schwer begreifen. Denn der Weg aus den Ballungsräumen Rhein-Ruhr und Rhein-Main ist nicht länger als der aus Brüssel oder Antwerpen. Auch Ferienbeginn und Terminnot erklären nicht alles. Schließlich zeigt die starke Präsenz von Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste an deutschen Flughäfen, dass eine Mobilisierung gegen Lohn- und Sozialdumping auf dem Altar der Liberalisierung und Privatisierung möglich und nötig ist.

Während sich manche hierzulande in der trügerischen Sicherheit wiegen, dass der »robuste Aufschwung« nicht zu stoppen sei, protestierten ausgerechnet belgische Gewerkschafter in Luxemburg sichtbar gegen deutsche Hungerlöhne und warnten zu Recht vor »deutschen Zuständen« in Belgien. Aus der Sicht der skandinavischen und Beneluxländer ist Deutschland längst Niedriglohnland.

Mit dem Fehlen einer starken deutschen Delegation wurde die Chance verpasst, ein klares Zeichen gegen die überall aufkeimende nationalistische Hetze zu setzen und den internationalen Zusammenhalt der Arbeiterbewegung zu stärken. Wir dürfen nicht zulassen, dass Regierungen und EU angeblich in unserem Namen die Ausplünderung Südeuropas zum Nutzen der Großbanken durchpeitschen und die Gewerkschaften in die Knie zwingen. Und dass dies auch noch mit Märchen über angeblich »faule Griechen und Spanier« gerechtfertigt wird.

Der EGB muss sich endlich von der Rolle eines Papiertigers verabschieden und sich mehr einfallen lassen als eine Demo fernab vom Europaparlament ausgerechnet am Tag nach der EU-Finanzministerkonferenz. Höfliche Diplomatie und die Illusion, die Herrschenden und Regierenden vielleicht doch noch zur Vernunft zu bringen und das Schlimmste abzuwenden, sind fehl am Platze. Wir sollten nicht um ein Stück Brot betteln. Wir wollen die ganze Bäckerei!

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • Rotspoon, 23. Jun 2011 19:56

    Die Deutschen sind in Deutschland, klare Sache

    Die einen arbeiten wie verrückt für wenig Geld und die anderen, die Dauerarbeitslosen, können sich Lustreisen nach Brüssel nicht erlauben

    • Permalink

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