Susann Witt-Stahl
25.06.2011
Personalie

Sandmann

Jörg Singer ist Bürgermeister der Hochseeinsel Helgoland

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Auf seiner Insel und in einigen Medien wird er als »Architekt der Wiedervereinigung« bezeichnet. Auch wenn er keine Mauer zum Fallen bringen wird: Der seit Januar amtierende Bürgermeister von Helgoland, Jörg Singer, könnte Geschichte schreiben und dem geflügelten Wort »Sieh zu, dass du Land gewinnst« zu einer neuen Bedeutung verhelfen. Der 44-jährige parteilose Unternehmensberater, der sich bei der Wahl im vergangenen September knapp gegen die LINKE-Kandidatin Felicitas Weck durchsetzen konnte, hat nämlich einen Plan: Mit einer rund 100 Millionen Euro teuren Sandaufschüttung sollen 1,7 Quadratkilometer Land wiedergewonnen und die Inselfläche glatt verdoppelt werden.

Was von seinen Kritikern als »Dubai in der Nordsee« bespöttelt wird, hat einen Hintergrund: Vor 290 Jahren wurde die heute vorgelagerte Badedüne durch eine Sturmflut von der Hauptinsel abgetrennt – Territorium, das aus Sicht der Aufschüttungs-Befürworter benötigt wird, um Helgoland für Gäste und Bewohner (beide Zahlen sind dramatisch rückläufig) und nicht zuletzt für Investoren attraktiv zu machen. »Für mich ist die Inselwelt wieder in Ordnung, wenn wir bei Besuchern so angesagt sind wie bei den Robben. Diese Gäste haben uns mit jährlich an die 100 Geburten als Paradies entdeckt«, so Singer bei seinem Amtsantritt.

Der gebürtige Konstanzer hatte auf der einzigen Hochseeinsel Deutschlands seine Jugend verbracht. Nach Schule und Studium zog es ihn die USA. Dort arbeitete er als Wirtschaftsingenieur. Später übernahm er eine Führungsposition bei der Lufthansa. Seit 2002 ist er selbstständig. »Als unser Sohn 2006 geboren wurde, entstand erstmals die Idee, wieder nach Helgoland zu gehen«, so Singer. 2010 war es dann so weit, als der Sitz seiner Firma auf den roten Felsen verlegt wurde.

Seitdem wirbt Singer mit seinem Motto »Mehr möglich machen« für das Großprojekt Inselerweiterung, das bereits seit neun Jahren kontrovers diskutiert wird. Viele der 1200 Bewohner befürchten eine Gentrifizierung Helgolands inklusive eines rapiden Preisanstiegs. Am Sonntag müssen sie nun entscheiden: romantische Abgeschiedenheit, wie der Dichter Hoffmann von Fallersleben sie in seinen »Helgoländer Liedern« beschrieb, oder Sylt 2.0?

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