Von Mark Wolter, Frankfurt am Main
30.06.2011

Warnung vor mehr Gegenwehr

Die deutschen Fußballerinnen treffen heute in Frankfurt am Main auf Afrikameister Nigeria und wollen den zweiten Vorrundensieg

Es war ein bisschen wie die Ruhe vor Sturm. Gemütlich und unbemerkt schlenderte Birgit Prinz, die Spielführerin der deutschen Fußballerinnen, gestern Vormittag über den leer gefegten Messeplatz vor der Frankfurter Festhalle zurück ins Teamhotel. Auch die Kolleginnen waren zwischenzeitlich ausgeflogen, um sich vor dem morgigen zweiten Gruppenspiel gegen Nigeria ein bisschen abzulenken. Torhüterin Nadine Angerer und Fatmire Bajramaj besuchten sogar kurz die Fanmeile am Main, bevor sich nachmittags wieder alles um die Vorbereitung auf den Weltranglisten-27. drehte, den man zuletzt vor sieben Monaten noch 8:0 besiegt hatte.

»Dieses Spiel wird kein Vergleich. So wie damals werden sie sich nicht noch mal präsentieren«, sagte Bundestrainerin Silvia Neid vor der letzten Trainingseinheit am Abend und warnte vor deutlich mehr Gegenwehr. »Sie haben sich weiterentwickelt, sind sehr athletisch, pfeilschnell, technisch versiert und robust in den Zweikämpfen«, meinte Neid. »Das letzte Testspiel kann man gleich mal aus dem Kopf streichen«, relativierte auch Mittelfeldspielerin Kim Kulig. Damals seien die Nigerianerinnen müde vom kontinentalen Cup gewesen und hätten bei Schneeregen fürchterlich gefroren. »Das hier ist eine WM. Nigeria wird uns schon alles abverlangen.«

Der achtmalige Afrikameister und WM-Dauergast will sich mit der Rolle des Außenseiters jedenfalls nicht zufrieden geben. »Für uns ist es noch nicht vorbei. Die deutsche Mannschaft ist gut, aber das heißt nicht, dass sie nicht besiegt werden kann«, sagte Trainerin Eucharia Uche, und auch der eigens für die WM verpflichtete deutsche Co-Trainer Thomas Obliers kündigte an, dass die Spielerinnen »mit neuem Selbstvertrauen in das Spiel gegen werden«. Der 43-Jährige, der bis April noch Trainer des Bundesligisten SC Bad Neuenahr war, hat das DFB-Team ganz genau beobachtet und die »Super Falcons« eingestellt. »Ich habe sieben Spielerinnen aus dem deutschen Kader schon selbst trainiert und weiß, was sie können«, sagte Obliers.

Weniger genau kennen die deutschen Fußballerinnen ihre Gegenspielerinnen, auch wenn sie im Frankfurter Hotel schon seit Dienstag Tür an Tür wohnen und sich wie gestern am Eingang über den Weg liefen. »Wir teilen uns ja nicht die Zimmer und essen auch getrennt«, erklärte Torfrau Angerer, die heute ihr 100. Länderspiel bestreitet. Birgit Prinz, die schon zum 214. Mal aufläuft, kann die Nigerianerinnen auch nicht recht einschätzen. »Sie sind sehr unorthodox. Da kann man mal ganz gut aussehen, aber genauso auch mal verlieren.«

Eine Niederlage kommt für die Titelverteidigerinnen heute aber nicht infrage. »Unser Ziel ist es, den zweiten Sieg einzufahren«, stellte Silvia Neid klar. Die Bundestrainerin vertraut bei diesem Vorhaben der gleichen Anfangself wie beim 2:1-Auftakterfolg gegen Kanada. Neben Prinz soll vorne wieder Celia Okoyino da Mbabi für Wirbel sorgen. Das habe sich bewährt – auch wenn Birgit Prinz seit jenem 8:0 gegen Nigeria nicht mehr für die Nationalelf getroffen hat. »Wir wollen besser spielen als gegen Kanada und die Torchancen kosequent nutzen«, versprach Neid ein stürmisches Spiel.

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