Ein »massiver Schrecken« habe ihn erfasst, als er von seiner Berufung zum Berliner Erzbischof erfahren habe, erklärte Rainer Maria Woelki im Interview. Da steht er nicht alleine – fuhr mit seiner überraschenden Ernennung durch Papst Benedikt doch weiten Teilen der Stadt ein gehöriger Schrecken in die Glieder. Denn Woelki, Ziehsohn des ultrakonservativen Kardinals Meisner, bewegt sich selbst innerhalb der katholischen Kirche am rechten Rand. Der vor allem für seine Attacken gegen Homosexuelle berüchtigte Meisner erhielt vom Grünen Volker Beck einst das Prädikat »Hassprediger«. Dass Woelki mit den verbalen Abgründen seines bis heute Vertrauten gebrochen hätte, gab er bislang nicht zu erkennen. Zudem lässt die Promotion Woelkis an der Opus-Dei-Universität vom Heiligen Kreuz in Rom keinen besonders fortschrittlichen Geist vermuten.
So devot Woelki auch (noch) auftreten mag – ihn nach Berlin zu schicken ist eine Provokation, ein Affront für die säkulare Hauptstadt, ein Seitenhieb auf den homosexuellen Bürgermeister. Die Personalie ist auch angesichts des für seine Ökumenen- und Asyl-Arbeit geschätzten Vorgängers Georg Sterzinsky ein bedauerlicher Rückschritt. Die Christen haben laut Woelki »ganz klar« einen »Weltauftrag«, der aus »unserer Gottesperspektive« erfüllt werden müsse. Das klingt wie eine Drohung.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Sind Frauen die besseren Politiker?
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