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Von Sabine Wygas
11.07.2011

»Zu viele Barrieren im System«

Umweltpsychologin Ellen Matthies über Klimawandel und Gewohnheiten

Wie beeinflusst der Klimawandel unser Handeln? Unter welchen Bedingungen sind wir bereit, unsere Gewohnheiten zu ändern? Ellen Matthies, Umweltpsychologin an der Ruhr-Universität Bochum, sucht Antworten.

»Angesichts steigender Energiepreise müssten sich viele deutsche Haushalte kostensparende solarthermische Anlagen zulegen, tun sie aber nicht«, sagt die 49-Jährige. »Menschen handeln nicht absichtlich umweltschädlich, ihr Verhalten ist vielmehr ein Produkt aus unterschiedlich motivierten Aktionen.« Finanzielle Anreize sind nur ein Aspekt. Auch Bequemlichkeit, gesellschaftliche Akzeptanz oder geschmackliche Vorlieben spielen eine Rolle. »Manchmal verhindern banale Dinge, dass sich Leute eine Solaranlage auf das Dach setzen, etwa weil es nicht schön aussieht oder weil ihr Installateur das für übertrieben hält.« Nur wenige haben ausreichendes Wissen, um umweltrelevante Entscheidungen treffen zu können.

Daher sind adäquate Informationen ein wichtiger Schlüssel für Veränderung. Das ist häufig schwierig: »Viele Förderangebote sind so komplex, dass die Leute sie nicht verstehen.« Und viele Informationen kommen nicht an der richtigen Stelle an; etwa dass ein bestimmter Fahrstil Benzin spart. Ellen Matthies: »Es gibt zu viele Barrieren im System.« Die auszuräumen, sei Aufgabe der Politik. Denn nur wer ausreichend informiert ist, entwickelt ein ökologisches Bewusstsein. »Damit sind auch Restriktion und Verzicht besser durchsetzbar.« In Schulen und Bildungsprojekten könnten Menschen die Informationen bekommen, die sie für umweltschonende Entscheidungen brauchen.

»Wichtig sind Rückmeldesysteme, die Verbrauchern sofort zeigen, dass sie Energie sparen, wenn sie sich anders verhalten«, sagt die Wissenschaftlerin. Ein Beispiel ist der individuelle CO2-Fußabdruck, den man im Internet erstellen kann. Er gibt Auskunft über den persönlichen Verbrauch und zugleich darüber, wie Kohlendioxid reduziert werden kann. »Veränderungen sind nicht immer möglich, denn der Mensch neigt dazu, auf dem Status quo zu beharren, vor allem bei Handlungen, die er oft wiederholt, etwa Autofahren oder langes Duschen«, berichtet die Psychologin. Verhaltensweisen, die weniger automatisiert sind, lassen sich dagegen leichter ändern. Das kann schon die Anschaffung einer energiesparenden Waschmaschine sein. »Diese Erfolge können dann größere Veränderungen anstoßen.«

Doch der Klimawandel sei in seiner Bedeutung nicht für jeden unmittelbar erfahrbar – auch wenn Wetterextreme wie Brände in Russland oder Überschwemmungen in Australien oder Pakistan gehäuft auftauchen und in den Medien sehr präsent sind.

Klimaschutz müsse vor allem auf der Ebene internationaler Abkommen stattfinden. »Leider sind Treffen wie der Klimagipfel in Kopenhagen geprägt von einer komplexen Gemengelage politischer Notwendigkeiten der teilnehmenden Staaten«, sagt Matthies. »Und deshalb kann trotz dramatischer Problematik ein Klimagipfel scheitern.« Psychologische Untersuchungen zeigen, dass es in solchen Situationen gut ist, wenn Einzelne vorangehen und Klimaschutz beispielhaft betreiben. »Das wirkt sich langfristig positiv auf das Handeln aller Akteure aus.«

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