In diesem Buch – »Alles auf den Prüfstand! Texte zur DDR-Geschichte im ›Neuen Deutschland‹« – setzen sich Mitglieder und Sympathisanten der LINKEN mit der Geschichte des Staatssozialismus im 20. Jahrhundert auseinander – ein Buch, das zur rechten Zeit kommt. Denn mit ihrem Grundsatzprogramm will DIE LINKE den Entwurf für eine demokratische und sozialistische Gesellschaft im 21. Jahrhundert vorlegen, und das kann sie nur, wenn sie die Geschichte und vor allem die Irrtümer des Sozialismus im vergangenen Säculum aufarbeitet.
Überzeugte Sozialisten müssen sich immer wieder der Frage stellen, warum im Namen einer großartigen Menschheitsidee eine Gesellschaft, in der die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist, so viele Verbrechen begangen wurden. Dabei muss sie aufzeigen, dass das Streben nach Gleichheit nicht notwendig zur Zerstörung der Freiheit führt, sondern dass Gleichheit und Freiheit einander bedingen.
In dieser Auseinandersetzung darf DIE LINKE den aufrechten Gang nicht verlieren. Das gilt im Besonderen für die Aufarbeitung des Stalinismus, deren Notwendigkeit den aus dem Westen kommenden Mitgliedern der Partei nur noch schwer zur vermitteln ist. In dieser Diskussion ist es – wie in allen anderen Grundsatzdebatten – notwendig zu klären, was man unter »Stalinismus als System« versteht.
Aufschlussreich ist dazu die Rede des leider zu früh verstorbenen Philosophen Michael Schumann auf dem außerordentlichen Parteitag der SED/PDS am 16. Dezember 1989. Er sagt im Gegensatz zu vielen anderen, die sich zu Wort melden, klar und unmissverständlich, was er unter »Stalinismus als System« versteht. Schumann geht es um die Fehlentwicklung der gesamten Gesellschaft im Staatssozialismus, nicht um die innere Struktur einer Partei.
Manche vordergründige Auseinandersetzung in der Partei DIE LINKE, der vorgeworfen wird, der Stalinismus komme bei ihr durch die Hintertür, verwechselt die Analyse der Gesellschaft des Staatssozialismus mit der befürchteten Fehlentwicklung einer kleineren Partei im parlamentarischen Regierungssystem. Wenn man Schumanns Beschreibung des »Stalinismus als System« nachliest, wird das deutlich.
Michael Schumann zählte damals folgende Strukturelemente des Systems auf:
Die Konzentration der Macht in den Händen eines arroganten Alleinherrschers.
Diese Vorstellung hat die Führungen der sozialistischen Staaten zum Vorbild. In den heutigen Industriestaaten ist sie allein schon deshalb überholt, weil Obama, Sarkozy oder Merkel am Gängelband der Großbanken ihre Ohnmacht soeben täglich erfahren.
Die Steuerung der Wirtschaft durch eine Kommandozentrale der es an Verständnis für elementare Bedürfnisse der produktiven und sozialen Bereiche der Gesellschaft und für die Lebensqualität der Bevölkerung fehlt.
Diese Beschreibung trifft aktuell am ehesten auf die Finanzindustrie zu, die im heutigen Kapitalismus die Wirtschaft steuert. Die Antwort der LINKEN auf eine solche gefährliche Machtzusammenballung ist die Überführung des Bankensektors in öffentliches Eigentum und die Demokratisierung der Wirtschaft vor allem durch Belegschaftseigentum.
Die Reglementierung und bürokratische Zentralisation von Kultur, Wissenschaft und Bildung, die kritische Geister außer Landes treibt.
Im Föderalismus der Bundesrepublik ist die Zentralisation von Kultur eher eine abwegige Vorstellung, und kritische Geister werden in den westlichen Industriestaaten nicht außer Landes getrieben, sondern – sofern sie systemkritisch sind – systematisch von der Macht ferngehalten.
Die poltische Entmündigung der Bürger und die Kriminalisierung Andersdenkender.
In einer kapitalistischen Wirtschaft, in der Herr und Knecht einander gegenüberstehen, ist die politische Entmündigung strukturell bedingt. Die Kriminalisierung Andersdenkender wurde in der alten Bundesrepublik durch den Radikalenerlass praktiziert und wird heute in der Beobachtung der LINKEN durch den Verfassungsschutz sichtbar. Für die Verfolgung rassistischer Hetze, beispielsweise in der NPD, brauchen wir keinen Verfassungsschutz. Dafür sind die Strafgerichte zuständig. Aufgabe der LINKEN ist es heute, die Verfassung vor den Verfassungsschützern zu schützen. Sie muss darauf hinwirken, dass in der Bundesrepublik die Praxis von Polizeistaaten, konkurrierende Parteien geheimdienstlich beobachten zu lassen, beendet wird.
Die Verwandlung der Medienlandschaft in eine trostlose Informationswüste und eine widerliche Hofberichterstattung.
Hier denkt hoffentlich niemand in der LINKEN an das »Neue Deutschland« oder die »junge Welt«, sondern an die Pressekonzentration und die Hofberichterstattung der Springer-Presse. Immer mehr ist die Pressefreiheit in der BRD die Freiheit einiger weniger reicher Leute, ihre Meinung zu verbreiten.
Die Ausgrenzung der Parteibasis aus allen innerparteilichen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen.
Das ist eine Krankheit aller Parteien. DIE LINKE denkt dabei nicht nur an die SED, sondern auch an die AGENDA 2010 oder auch an Hartz IV. Die 2007 neu gegründete Partei hat aus den schlechten Erfahrungen in Ost und West gelernt. Richtungsentscheidungen müssen einem Mitgliederentscheid unterworfen werden.
*
Michael Schumanns Definition des »Stalinismus als System« zeigt, dass die Selbstverpflichtung einer kleineren Partei, im parlamentarischen Regierungssystem eine solche Gesellschaftsordnung nicht mehr anzustreben, eher auf Verständnislosigkeit stoßen dürfte. Die Rede vom Dezember 1989 markierte historisch den unwiderruflichen Bruch der SED/PDS mit einem System, das von der Bevölkerung der DDR nicht mehr ertragen wurde.
Das von Gesine Lötzsch herausgegebene Buch mit Beiträgen zum Thema im ND ist eine Fundgrube für alle, die an der historischen Aufarbeitung der Geschichte des Staatssozialismus in Deutschland interessiert sind. Es kann zum gegenseitigen Verständnis der Mitglieder der Linkspartei in Ost- und Westdeutschland beitragen. Es zeigt, wie ungerechtfertigt die Propaganda der neoliberalen Parteien und ihrer Helfer ist, wenn sie behaupten, DIE LINKE habe ihre Vergangenheit nicht aufgearbeitet.
der linken Organisationen, die einen Systemwechsel mit Änderung der Eigentumsverhältnisse anstreben, dient sie z.B. bei der NPD nicht deren Zersetzung und Paralysierung, sondern der Steuerung. Da offener Faschismus systemimmanent ist und als letztes Mittel zur Sicherung der Macht- und Eigentumsverhältnisse dienen kann, wird er auf kleiner Stufe am Köcheln gehalten. Der "freundliche Faschismus" wird ja bereits praktiziert...
Auf diesem sonderbaren Sonderparteitag im Dezember 89 hielt Michael Schumann eine sonderbare Rede. Hier rechnete ein ML-Hochschulkader vom alten Schrot und Korn "schonungslos" mit dem ja noch bestehenden, also "real existierenden Sozialismus" ab, brandmarkte ihn als System des Stalinismus und daraus hervor stieg - wie Phönix aus der Asche - eine neue Parteiführung der alten Parte empor, die unter brausendem Beifall des ahnungslosen Teils der Versammlung den Demokratischen Sozialismus kreierte.
Der Schumann-Rede lauschte ich mit Unbehagen, weil plötzlich ein Schlagwort, das auch ein Totschlagargument des politischen Gegners war, zur totalen Selbstreinigung der neuen Führung benutzt wurde.
Nach 21 Jahren präsentiert uns Oskar Lafontaine im föjetong des ND nun die grundstürzende Erkenntnis: Nicht die Partei, sondern das System....
Munter perlen Dir die Worte aus der Feder, aber eines ist gewiß: Geschichte kann mensch nicht "aufarbeiten" - eine Partei kann das erst recht nicht. Aus der Geschichte kann mensch möglicherweise lernen, aber auch das ist mehr als fraglich.
"Geschichte" - nicht das Geschehene - eignet sich aber hervorragend als Steinbruch für wieder einstürzende Neubauten. Der neue Programmentwurf der LINKEN ist dafür ein leuchtender Beweis
wurde meines Wissens doch Anfang der 60-ziger Jahre bei uns ad acta gelegt, nachdem wir Stalins Geburtstag statt Weihnachten feiern sollten.
Natürlich war man immer von vielen guten Freunden umgeben, die uns die Richtung wiesen. Aber ob die Linken überhaupt noch wissen, was es heißt
in so einem System zu überleben , ist zu bezweifeln.
sollte der Mensch zuallererst seine eigene Geschichte 1:1 darstellen, so wie sie war und zunächst ohne Wertung, bevor er anfängt, daraus Schlüsse zu ziehen.
Aber nicht einmal dazu ist er in der Lage.
Ich seh ihn als Methode.
... ist hier online nachzulesen:
www.rosalux.de/cms/fileadmin/rls_uploads/pdfs/texte12_01.pdf
S. 33-56
Danke sehr!
Berndchen.
und das mit klaren, verständlichen Worten in klaren, verständlichen Sätzen - das versteht Lafontaine immer wieder wie kaum ein anderer in der PDL. Keine beflissen herumeiernden Dampfplaudereien à la Gysi, keine opportunistischen Anbiedereien an die herrschende political correctness à la Liebich, Lederer & friends, kein peinliches Hecheln nach lukrativen Fleischtöpfen am Mitregierungs-Katzentisch.
Das muß hier angesichts der notorischen Lafo-Nörgler in der PDL, insbesondere unter den sogenannten Reformern, auch mal gesagt werden.
... es sollte eigentlich heißen, "insbesondere >aber nicht nur< unter den sogenannten Reformern"
Der "freundliche Faschismus" wird ja bereits praktiziert...
verstehe ich nicht
Zitat: "Die Antwort der LINKEN auf eine solche gefährliche Machtzusammenballung ist die Überführung des Bankensektors in öffentliches Eigentum und die Demokratisierung der Wirtschaft vor allem durch Belegschaftseigentum."
die meisten Finanzinstitute waren schon vor der Krise staatlich ;-)
und die Wirtschaft ist zumeist inhabergeführt (Marx nannte das verächtlich: Kleinbürgertum)... der Witz dabei ist, dass dort 75% aller Angestellten beschäftigt sind.... zum Vergleich die DAX-Unternehmen beschäftigen 7% ...
aber so ist das mit den LInken: sie konnten noch nie rechnen, das fing mit Marx an und hört bei Castro auf... wobei stimmt ja gar nicht: die Chinesen habens gelernt
Mein Gott, das ist ja furchtbar, aber jetzt hat St. Lafo mir die Augen geöffnet: Wir leben ja längst im Stalinismus. Alle wesentlichen Merkmal des Stalinismus finden sich schon längst in der BRD, nur die unwesentlichen (Gulag, Vertreibung, Zwangsumsiedlung, Erschießung Andersdenkender, Wahlfälschung usw.) fehlen noch. 20 Millionen verschleppte, verhungerte und bestialisch ermordete Menschen sind ja Petitessen.im Vergleich zu den brutalen Vernichtungsstrategien des internationalen Finanzkapitalismus in der BRD. Ich votiere für ein Parteiausschlussverfahren gegen Lafontaine wegen Verharmlosung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Konzentrationslager, „..Vertreibung, Zwangsumsiedlung, Erschießung Andersdenkender, Wahlfälschung..“ sind doch keine Merkmale, die ausschließlich im Stalinismus ihre Blüten trieben. Sie sind auch nicht auf Systeme beschränkt, die sie das Mäntelchen eines Marxismus überstreiften, um ihre Cliquen oder Tyrannen-Diktatur zu verteidigen.
Ist bei Ihnen die Geschichte der Sklaverei irgendwie abhanden gekommen oder haben Sie noch nie
was darüber vernommen?
Ich wohne nahe der niederländischen Grenze, und bin mir bewusst, wie diese Verbrechen für massenhaft großbürgerliche Fassaden an der Nordsee und Kanalküste schafften, den „Wohlstand“ ganzer Nationen.
Bedenken Sie: Diese Wohlstandsdenkmäler, oft mit Massenmorden zusammengerafft, finden Sie von der Südküste Portugals, bis rauf nach Schottland.
Diese Verbrechen auf dem afrikanischen, amerikanischen, oder dem indischen Subkontinent, aber auch andernorts sind gigantisch, aber offenbar schon seit Jahrhunderten gern verschwiegen.
Es sind aber Massenerscheinungen des Kolonialismus und damit auch eine des Kapitalismus. Deren Ausprägung auf deutschem Boden muss nicht erklärt werden.
Und ich denke, sie können sich unter diesen Gesichtspunkten auch das gegenwärtige Weltgeschehen anschauen.
Lafontaine vertritt doch lediglich die Auffassung, nicht die Struktur einer Partei, sondern die einer Gesellschaft entscheidet mit darüber, ob sich so etwas wiederholen könnte.
Was will man sich da denn für einen Vorwurf zusammenbasteln?
Deswegen legt dann auch der Fliesenlegermeister aus Dülmen und nicht die Deutsche Bank aus Bankfurt dem Schäuble mal ein paar Gesetzentwürfe zum Abzeichnen auf den Tisch?
die Deutsche Bank hat zusammen mit der Postbank (die ihr zur Hälfte gehört, die andere Hälfte gehört der Deutschen Post, die zu 30% staatlich ist) in D einen Marktanteil von 15 %; die Sparkassen (defacto staatlich, 250 000 Beschäftigte) einen von 25%, die Volksbanken liegen bei 15%
... der Schäuble wird beeindruckt sein
der Konzern hat sicherlich Macht, aber nicht so viel wie 4 Mill. Freiberufler die eben auch 4 Mill Wählerstimmen sind...
er ist ein System das zwangsläufig zustande kommt, wenn man die Berufsfreiheit hier besser die Gewerbefreiheit aufhebt.... wenn man dem Menschen das Recht nimmt seine ökonomische Zukunft selbst in die Hand zu nehmen...
„ Berufsfreiheit“ „Gewerbefreiheit“
Dann waren die mittelalterlichen freien Reichsstädte also auf dem Weg sich über kurz oder lang in stalinistische Systeme zu verwandeln?
Und dann erst das mit der Leibeigenschaft.......
Dann haben die Briten mit dem Verbot gewisse Produkte in Indien weiterhin entstehen zu lassen oder bestimmte Fähigkeiten erlernen zu können ein stalinistisches System entwickelt?
Wie sieht es mit Lehrmittelfreiheit, Studienbeschränkungen etc. aus?
Stalinismusgefahren?
„..Recht nimmt seine ökonomische Zukunft selbst in die Hand zu nehmen..“
Vom Gazastreifen, dem Westjordanland mit Ostjerusalem wag ich ja gar nicht in diesem Zusammenhang zu schreiben.
Verstehen sie unter dem "Recht nehmen" für die eigene ökonomische Zukunft auch die Enteignung von Großgrundbesitz etc.?
Das alles ist mir ohnehin zu „neoliberal“, also zu kurz gedacht – Geschichte lehrt etwas Anderes.
Eine Suchmaschine könnte helfen, so man sie benutzt...
ich erkenne mehr und mehr ein Muster in den Foren des ND: man bleibt diffus in seinen Aussagen... und wenn man mal nachfragt kommt einfach nichts...
mal abgesehen davon, was ist es für ein Faschismus, der es zuläßt, dass man sich in einem öffentlichen Raum über ihn ausläßt ?
Faschismus steht heute überall drauf, der Begriff wird inflationär verwendet, aber der Begriff wiegt angesichts der vielen Opfer sehr schwer.
Deshalb ist ein Vergleich mit dem jetzigen System unerträglich.
„..der Konzern hat sicherlich Macht, aber nicht so viel wie 4 Mill. Freiberufler die eben auch 4 Mill Wählerstimmen sind..“
Ach, wo findet man diese Waage, die eine solche Bestimmung zulässt und wer hat die geeicht?
Übrigens: Früher war mal die Rede von der Deutschland-AG. Da gab es auch Literatur, wer alles bei wem beteiligt war.
Nun, so ein Freiberufler, wenn er denn wirklich hart arbeiten muss, hat in der Regel gar keine Zeit sich mit dem Zeitgeschehen zu beschäftigen, zumal wenn er auch noch Familie hat – wird also dem Schäuble kaum Gesetzestextentwürfe vorlegen.
Aber mittlerweile hab ich auch den Überblick verloren, was aus den Akteuren der Deutschland-AG so geworden ist und wer heute alles mit wem zusammenhängt. Dem sollten Sie ruhig mal nachgehen, wenn sie Zeit haben.
Ich selbst muss immer erst nach Wikipedia oder so schauen, um zu wissen, was aus den alten Bekannten von früher geworden ist, die sich jetzt für ihre Firmen so seltsame Kunstnamen haben einfallen lassen, so dass man gar nicht mehr weiß, was aus den Akteuren der IG-Farben geworden ist.
Und da hab ich noch nicht mal Zeit, den Michael Schumann durchzulesen...
aber das beeindruckt den Schäuble bestimmt nicht!
Meinungsfreiheit ist für den meisten Menschen ein wichtiges Recht. Das interessante daran ist, dass es keinen einzigen Staat gibt, indem es dieses Recht gibt und gleichzeitig eine Einschränkung der Gewerbefreiheit... ein Zufall ? ich denke eher nicht: die Nazis haben sich den Kammerzwang ausgedacht um die Juden aus der Wirtschaft zu drängen und die Sozialisten alle Länder haben halt die Unternehmer enteignet... ohne diese Maßnahmen hätten sie eine politische Gleichschaltung nicht schaffen können. Restriktive Systeme wollen keine eigenständig arbeitenden Menschen. In den freien Reichsstädten herrschten die Zünfte. Und diese Gebilde waren ebenfalls sehr einschränkend und innovationsfeindlich. Eine freie Meinung war auch dort eher schädlich. Leibeigenschaft und Gewerbefreiheit vertragen sich natürlich nicht. Und richtig, vielleicht haben die Briten in Indien keinen Stalinismus entwickelt, aber es war ein Unterdrückungsapparat...was meine These ja bestätigt.
Unter "Recht nehmen" verstehe ich einfach die Möglichkeit eines jeden Menschen allein oder in einer Gruppe zu sagen: ich mache jetzt mein eigenes Ding, ich trete raus aus der Matrix einer Verwaltung oder eines Konzerns und produziere etwas was andere Menschen für nützlich erachten... nicht mehr... das der Mensch selbständig etwas herstellt ist für mich ein Menschenrecht. Marx hat in dieser Möglichkeit die Grundlage zur Ausbeutung der Menschen erkennen wollen. Er irrt an dieser Stelle, er konnte es allerdings damals auch nicht besser wissen, die heutigen Linken schon.
Im übrigen ist die Gewerbefreiheit nur ein Prinzip (zwar ein wichtiges) und noch kein System. Es funktioniert in freien Finnland wie im ristriktiven China, aber es ist in einem freien Land immer! vorhanden.
PS: neoliberal bedeutet im übrigen, dass der Staat über der Wirtschaft steht; an dieser Stelle sollte man wissen, dass Attac einige Forderungen erhebt, die die Neoliberalen schon vor 75 Jahren hatten...aber naja da gehts mir wie den Kommunisten
letztlich wollen alle nur gewählt werden... aus den verschiedensten Gründen...
und ja Konzerne haben Einfluß, aber am Ende des Tages werden die AKWs abgeschaltet (weil man sich nicht gegen 80% stellen kann)... und BASF kriegt seinen Genmais hier nicht unter.... und der Bau eines lächerlichen Bahnhofs ist ein Riesenproblem... und warum ist das so ? weil ein Konzernboß auch bloß eine Stimme hat... er ist wichtig für die Politiker solanger er Jobs schafft, aber ansonsten ? weil man vielleicht später einen Job bekommt ? Aber der Rest geht zur Wahl ! und weil das so ist macht Frau Merkel eine Riesenkehrtwende... sie hat Angst nicht gewählt zu werden... und wo ist da die Macht der Konzerne ?
und was den Freiberufler angeht... natürlich hat der auch seine Standesvertretung... und dann geht er alle Jahre zu Wahl und gut ist. Und wenn er das Gefühl hat, das er unfair behandelt wird, dann wählt er entsprechend.
Nein nein... Konzerne und Politik, das klingt immer nach Verschwörung.
Die Dax-Unternehmen beschäftigen 7% der Bevölkerung der Fliesenleger und seine Kumpels vom Mittelstand 75%.... die Zahlen sagen alles...
Verzeihung, ich kann auch gern etwas ausführlicher:
Der "freundliche Faschismus" braucht keine Brachialgewalt mit Millionen Opfern. Jene offen-gewalttätige Spielart des Faschismus ist zu ineffektiv, da sie u.a. die Massen verstört und Widerstand hervorruft, zudem hält sie nicht allzulange vor.
Beim "freundlichen Faschismus" geht es eher darum, durch langfristige Einflussnahme und Manipulation große Menschengruppen (die Mehrheit) dazu zu bringen, sich den Interessen der Minderheit unterzuordnen.
Das reicht vom Aufbau verführerischer Trugbilder (Beispiel: die grundlegenden Lebensinteressen der Bevölkerung - auch Grundbedarf genannt - würden in privaten Händen tausendmal effektiver bewirtschaftet als in Staatsobhut - das nennt sich Neoliberalismus und wird seit mindestens 30 Jahren in die Gehirne eingeträufelt), über Massenverblödungsevents -suchen Sie sich einfach eines aus den letzten fünf Jahren aus! Mir fällt grad das Werbeplakat aus der Bushaltestelle vor meinem Haus ein: "Flieg zum Konzert von Lady Gaga und hol Dir eine Tüte mit ihren Ramsch" -oder so-. Die Diskussionsforen von Zeitungen gehören ebenfalls dazu, denn sie ändern nichts, sie kratzen nicht mal am Lack, sind verbale Aggressionsableitung, mehr nicht. Der Bogen geht hin bis zu 9/11, dem Paukenschlag für eine "Zeitenwende", womit man ein ganzes Staatsvolk (und die westliche Welt) kriegsreif und empfänglich für die totale Überwachung machen wollte (ok, leider gab es bei 9/11 ein paar Opfer, ließ sich offenbar nicht vermeiden).
Will sagen, Sie dürfen alles tun, alles sagen, alles denken, was die Macht- und Wirtschaftverhältnisse nicht anrührt und das Personal der wirklich Mächtigen in Ruhe "regieren" lässt und kriegen dazu ein einnehmendes Lächeln und einen warmen Händedruck, manchmal sogar ein Werbegeschenk.
Den Begriff "freundlicher Faschismus", den ich äußerst treffend finde, las ich in einem Essay von Reinhold Wagnleitner (suche nach "Demokratie Reinhold Wagnleitner" bei Google).
also abgesehen davon, dass ein Ami den Begriff "Freundlichen Faschismus" prägt und aus meiner Sicht offensichtich aus Marketinggründen. Gibt es hier ein grundlegendes Problem: Faschismus bedeutet vor allem Gleichschaltung... es gab aber noch nie eine Gesellschaft in der das Individum soviele Entfaltungs- und Ausweichmöglichkeiten hatte wie heute. Es gab noch nie so viele Möglichkeiten sich effektiv zu organisieren, Informationen weiter zu geben usw. und noch dazu technisch so versiert, dass selbst Geheimdienste keine Chance haben...
Faschismus ist ein harter, besetzer Begriff; man sollte ihn nicht irgendwie verwässern und Spielarten entwickeln.
was witzig ist: der Autor redet viel von Microsoft... der Firma spielt faktisch keine Rolle mehr.
Aber was mich wirklich immer wieder nervt: wenn selbst Gelehrte sich nicht die Mühe machen mal nachzuschauen was Neoliberalismus wirklich ist, wer ihn geprägt hat und woher er kommt. Ist nicht schwer muß man nur mal bei Wikipedia nachschauen. Was ich verraten kann: attac hat viele Programmpunkte der Neoliberalen übernommen.
Aber noch ein Wort zu den Verblödungsevents: der Markt ist eine große Abstimmungsmaschine: wenn niemand Bild kauft, wenn niemand zu McDoof geht... dann gibt es diese Firmen in drei Monaten nicht mehr. Und wenn wir demokratisch sein wollen und möchten, dass die Bevölkerung die Regierungen wählt, dann müssen wir auch den ganzen Mist der da konsumiert akzeptieren. Jeder hat die freie Wahl !!
aber eine Frage noch: Zitat "ok, leider gab es bei 9/11 ein paar Opfer, ließ sich offenbar nicht vermeiden" wie meinen Sie das: mit dem nicht vermeiden ?
Bingo! Jeder Ihrer Sätze bestätigt meine Auffassung.
Warum soll i c h jetzt nach Neoliberalismus googeln, wo Sie es mir doch bestimmt auch ausführlich erläutern können...
Zu Ihrer Frage: dies ist sarkastisch gemeint.
Bingo! Jeder Ihrer Sätze bestätigt meine Auffassung.
Warum soll i c h jetzt nach Neoliberalismus googeln, wo Sie es mir doch bestimmt auch ausführlich erläutern können...
Zu Ihrer Frage: dies ist sarkastisch gemeint.
Sie haben mich mißverstanden... bitte nicht googeln. Wenn Sie am Neoliberalismus interessiert sind und ganz einfach mal die Mainstreammeinungen hinterfragen wollen, dann gehen Sie zur Wikipedia. Dort haben Sie den Vorteil gegensätzlicher Darstellungsweisen und auch entsprechende Quellen zu finden.
NEIN. Bitte erklären SIE mir IHRE Auffassung von Neoliberalismus.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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