|
Karikatur: Christiane Pfohlmann
|
Der NATO ist an der Universität Tübingen, die sich erst vor wenigen Monaten in einer Zivilklausel gegen das Militärische ausgesprochen hat, ein Coup gelungen. Der Chef der jährlichen NATO-»Sicherheitskonferenz« Wolfgang Ischinger ist am Institut für Politikwissenschaft zum Honorarprofessor ernannt worden. Das wurde nach klammheimlicher Vorarbeit durch Ankündigung von dessen Antrittsvorlesung bekannt. Mitte Juli soll es in Zusammenarbeit mit dem Institut im Seminar »Internationale Krisendiplomatie« über »Krisen der deutschen Außenpolitik in den letzten zwei Jahrzehnten« zur Sache gehen.
Das ist ein provokativer Verstoß gegen den komplett gegenteiligen Senatsbeschluss vom Dezember 2009 für die Präambel der Uni-Grundordnung: »Lehre, Forschung und Studium an der Universität sollen friedlichen Zwecken dienen, das Zusammenleben der Völker bereichern und im Bewusstsein der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen erfolgen.« Die Zivilklausel ist seit Herbst 2010 rechtskräftig, die damalige konservativ-liberale baden-württembergische Landesregierung hatte allerdings rasch erklärt, dass der Präambel zur Grundordnung keine Verbindlichkeit zukomme.
Der Universität ist
die Haltung der Studierenden, die die Forderung nach der Zivilklausel
2009 eingebracht hatten, sehr wohl bekannt. Im April 2010 kam es wegen
des Verstoßes gegen die neue Zivilklausel zu massiven Protesten gegen
ein Seminar der Bundeswehr-Dozentin Monika Lanik über »Ethnologie und
Militär« sowie gegen den Auftritt von Wolfgang Ischinger im Rahmen
einer Podiumsdiskussion an der Uni. Die Uni-Leitung hat sich auf die
Seite von NATO und Bundeswehr geschlagen, legt die Zivilklausel bewusst
als zivilmilitärische Klausel aus und hat damit eine neue Dimension der
inneren Militarisierung der Hochschulen eröffnet.
Der Autor ist Beiratsmitglied NaturwissenschaftlerInnen-Initiative für Frieden und Zukunftsfähigkeit
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Sind Frauen die besseren Politiker?
Preis: 120,00 €
Preis: 120,00 €
Werbung:
Werbung: