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Von Barbara Lochbihler 15.07.2011 / Europa
Brüsseler Spitzen

Wettrüsten gegen die Menschenrechte

Die Ausfuhr von 200 deutschen Leopard-Panzern an Saudi-Arabien ist ein fatales Signal an die im Umbruch befindliche arabische Welt. Berlin weigert sich zwar, die Ausfuhr offiziell zu bestätigen – aber allein die Tatsache, dass über eine derartige Lieferung nachgedacht wird, beweist, dass die Bundesregierung nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Seit Wochen müssen wir mit ansehen, wie Diktatoren in Libyen und Syrien – die jahrelang auch aus Europa militärisch unterstützt wurden – brutal gegen die eigene Bevölkerung vorgehen. Und was macht die Regierung? Sie erwägt die Ausfuhr von Panzern an Saudi-Arabien.
Bild 1
Die Autorin ist Menschenrechtspolitische Sprecherin der GRÜNEN/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament.

Dabei sind die wenigen Argumente, die die Befürworter des Deals ins Feld führen, völlig gehaltlos. Besonders verquer ist die Meinung, eine weitere Aufrüstung des ohnehin übermilitarisierten Saudi-Arabiens sei zur Stabilisierung des Mittleren Ostens und als Gegenpol zu Iran notwendig. Das Gegenteil ist der Fall. Mit jedem Panzer, den wir nach Saudi-Arabien liefern, unterstützen wir jene Kräfte in der Region, die eine massive Aufrüstung und möglicherweise sogar eine militärische Nutzung der Nukleartechnik fordern.

Die geplante Lieferung verletzt außerdem die von der rot-grünen Koalition eingeführten Rüstungsexport-Richtlinien. Die besagen in Absatz 2, der Beachtung der Menschenrechte im Bestimmungsland müsse besonderes Gewicht beigemessen werden.

Saudi-Arabien zählt jedoch zu den fünf Staaten, in denen Homosexualität noch mit dem Tode bestraft wird. Migranten arbeiten und leben unter unmenschlichen Bedingungen. Frauen dürfen nicht einmal Auto fahren, geschweige denn gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Folter, regelmäßig auch mit Todesfolge, ist an der Tagesordnung. Und körperliche Strafen gegen Minderjährige gehören ebenso zum Repertoire der Strafverfolgung wie Enthauptungen, bei denen der Leichnam anschließend öffentlich gekreuzigt wird.

Auch gegen Absatz 3 der Richtlinien verstößt die geplante Lieferung. So besteht – gerade angesichts der derzeitigen Umwälzungen in der arabischen Welt – nicht nur die Gefahr, dass deutsche Panzer in Saudi-Arabien zur internen Repression genutzt werden könnten. Die brutale Einmischung in einen internen Konflikt in Jemen im Jahre 2009 sowie die erst kürzlich beobachtete Niederschlagung friedlicher Proteste im benachbarten Bahrain stellen außerdem eine klare Verwicklung des Landes in äußere Konflikte dar. In beiden Fällen sind laut deutschen Richtlinien Rüstungslieferungen verboten. Die Bundesregierung scheint dies aber ebenso wenig zu interessieren wie die katastrophale Menschenrechtslage.

Wem dient also das geplante Geschäft? Nicht der Sicherheit in der Region. Auch nicht der Sicherheit Deutschlands. Und erst recht nicht der in den Sonntagsreden der Regierung hoch gelobten arabischen Demokratiebewegung. Bleibt die deutsche Wirtschaft, beziehungsweise ein einziges deutsches Rüstungsunternehmen, das der schwarz-gelben Koalition wichtiger zu sein scheint als universelle Menschenrechte.

Um derart skandalöse Geschäfte künftig zu vermeiden, müssen die auf Freiwilligkeit basierenden Richtlinien in ein verbindliches Gesetz umgewandelt werden. Ferner dürfen nur die wichtigsten Elemente hinter verschlossenen Türen verhandelt werden, spätestens die Beschlüsse gehören veröffentlicht – umgehend und nicht erst im Jahresbericht, wenn es für jede Reaktion zu spät ist. Zuerst aber muss die Bundesregierung von der Lieferung an Saudi-Arabien Abstand nehmen.

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4 Kommentare zu diesem Artikel

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  • IMP, 14. Jul 2011 22:18

    Iran dreimal so stark

    Saudi-Arabien befuerchtet, dass der Iran zugunsten der schiitischen Minderheiten in Bahrain und Saudi-Arabien eines Tages auch militaerisch interveniert. Der Iran ist dem angeblich uebermilitarisierten Saudi-Arabien dreifach ueberlegen. Getarnt sind die Panzer moeglicherweise effektiv gegen die Schnellboote der Pasdaran. Kein Wunder das Israel dem Deal zugestimmt hat.

    • Permalink

  • Rotspoon, 17. Jul 2011 00:53

    Ja, wer ist denn hier gemeint - Israel oder der Iran:

    "Mit jedem Panzer, den wir nach Saudi-Arabien liefern, unterstützen wir jene Kräfte in der Region, die eine massive Aufrüstung und möglicherweise sogar eine militärische Nutzung der Nukleartechnik fordern."
    Die Wunderwaffe "Universelle Menschenrechte" könnte der Westen der aktuellen Lage nach so wohl gegen Israel und die Saudis als auch gegen den Iran einsetzen. Jetzt müssen deutsche Panzer auch noch die hiesige Stimmung gegen den Iran anheizen, obwohl dieses Land in der jüngeren Geschichte nie einen Aggressionskrieg geführt hat, selbst aber Opfer blutiger Aggressionen war

    • Permalink

  • Rotspoon, 17. Jul 2011 01:00

    So so, "Saudi-Arabien" fürchtet

    Es ist wohl mehr das Saudische Königshaus - diese klitzekleine Minderheit im Lande - die etwas fürchtet und ihre Schutzmacht natürlich.
    In "Ordnung" ist es da nicht, daß dieser Iran "dreimalso stark" ist.

    • Permalink

  • drhwenk, 20. Jul 2011 13:09

    Wettrüsten gegen die Menschenrechte fand auch unter Schröder/Fischer statt

    Esgehört zu den Perfiditäten von Gummibestimmunbgen wei "muss besonder berücksichtgt weerden", das dei rechten Auisleger si egelic real mit Realbesipel , Rüstungsexpotrten festklpfen. Das´hat sich ein Kanzler Schröder nicht nehmen lasse
    Und Aussenmismite rFischw r unterstütze das - schliesslich ist es dohc pasiert (ralsiert worden). (Was kann wohl mit "unterstüzen "realpolitisch" gemeint sein?).


    Sagen sie mir nur ein Beispiel?


    Da kan mann mal wieder sehen, wie mit notwendig überstrapaziertem Gedächtnis immer wieder Mehwert an Code für den Staatsterorrorismus eingfahren wird...

    Aber ihr wissenschaftlciehr Mitarbeiter sucht ihen das sicherlich "gerne" raus...


    Wie wäre es mit Stichwort "Kurdistan" als erstes von zweihundert oder so....

    • Permalink

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