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Von Henri Rudolph, Delhi 15.07.2011 / Ausland

Mumbai: »Koordinierter Terrorakt«

Am Tag nach den Anschlägen in Indien gibt es noch keine Hinweise auf die Täter

Nachdem Sprengstoffanschläge in der indischen Millionenstadt Mumbai (früher Bombay) am Mittwoch offiziellen Angaben zufolge 17 Menschenleben ausgelöscht hatten, fahndet die Polizei nach den Attentätern, ohne bisher auf eine heiße Spur gestoßen zu sein.

Indiens Innenminister Palaniappan Chidambaram war nach einer Sondersitzung des Kabinetts sofort nach Mumbai geflogen, um sich am Donnerstag an Ort und Stelle mit den Sicherheitsorganen und den Behörden des Unionsstaates Maharashtra zu beraten und Schwerverletzte in den Krankenhäusern zu besuchen. Die Zahl der Verletzten wurde am Donnerstagmorgen auf 131 beziffert. Chidambaram lehnte es ab, vor der Presse über Drahtzieher und Hintermänner der drei Anschläge, die binnen einer halben Stunde verübt worden waren, zu spekulieren. Er verwies darauf, dass die Untersuchungen in vollem Gange sind, schloss allerdings nicht aus, dass mit dem »koordinierten Terrorakt« die indisch-pakistanischen Gespräche, die in jüngster Zeit relativ reibungslos verlaufen, torpediert werden sollten. »Wir leben in der unruhigsten Nachbarschaft, und Pakistan und Afghanistan sind die Epizentren des Terrorismus«, sagte er, ohne diese Bemerkungen weiter zu erläutern. Der Minister wiederholte den Appell des Regierungschefs Manmohan Singh vom Vortag, Ruhe zu bewahren und sich nicht durch solche Verbrechen gegeneinander aufhetzen zu lassen.

Unterdessen kommen in den Medien die sogenannten Antiterrorspezialisten zu Wort. Ihre Spekulationen gehen in verschiedene Richtungen. Die einen wollen aus Mumbaier Polizeikreisen erfahren haben, dass die Sprengstoffanschläge die Handschrift der wenig bekannten Organisation Indian Mudschahedin tragen, die mit der militanten pakistanischen Lashkar-e-Taiba kollaborieren soll. Beweise dafür scheint es bislang jedoch nicht zu geben. Deshalb auch hielt sich der Innenminister bedeckt. Andere Meinungen deuten in Richtung Jammu und Kaschmir, das zweigeteilt bekanntlich einen Zankapfel zwischen Indien und Pakistan darstellt. Im indischen Teil kämpfen muslimische Rebellen seit über 20 Jahren für einen Anschluss an Pakistan oder für die Unabhängigkeit. Am 13. Juli wird dort alljährlich ein »Märtyrertag« begangen. Die Anschläge in Mumbai könnten damit in Verbindung stehen.

Eine dritte Gruppe sieht mögliche Verbindungen zur berüchtigten, weit verzweigten Unterwelt Mumbais. In den letzten Wochen gelangen der Polizei einige spektakuläre Festnahmen von Verbrechern. Dass zwei der Sprengsätze in unmittelbarer Nähe von Werkstätten und Märkten der Diamanten- und Schmuckbranche explodierten, nährt diese Annahme.

Es handelt sich um den siebten Terroranschlag seit 1993 in Mumbai. Im Jahre 2006 kamen durch eine Serie von Bombenexplosionen in Nahverkehrszügen der Millionenstadt 186 Menschen ums Leben. Am 26. November 2008 tötete ein auf dem Seeweg aus Pakistan gekommenes Terrorkommando 166 Menschen in mehreren Hotels, auf dem Victoria-Bahnhof, in einem Krankenhaus und auf der Straße. Dadurch sanken die Beziehungen zwischen den Nachbarstaaten auf den Tiefpunkt.

Indiens Innenministerium glaubt, inzwischen deutlich besser gegen Terrorakte gerüstet zu sein. Doch Ajai Sahni, Direktor des Instituts für Konfliktmanagement in Delhi, bezweifelt das. Auch wenn die Zentralregierung und die Regierungen der Unionsstaaten darin wetteifern, alle möglichen Sondereinheiten zur Terrorbekämpfung aufzustellen, gebe es keine wirkliche Anstrengung, das Terrornetzwerk geheimdienstlich zu infiltrieren, erklärte Sahni der Zeitung »The Hindu«. So befinden sich die Sicherheitsleute stets im Nachtrab.

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