Von Klaus Joachim Herrmann
19.07.2011

Der letzte Weg führt ins Ei

Studie der Technologiestiftung gibt Antwort: »Wie neues Wissen in die Wirtschaft kommt«

Auf den »höchsten Umweltstandard« möchte die Berliner Firma ECCOFIN ihre Produkte bringen. Deshalb hat sie sich des wissenschaftlichen Beistandes der Beuth-Hochschule für Technik versichert. Das Unternehmen hat bereits nach dem bewährten Muster des Hühnereis ebenfalls Kalk zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Produkte gemacht. Nun geht es um einen neuen »Klebstoff«, der das Calciumkarbonat – wie beim Ei die Proteine – zusammenhält. Auch dieser soll sich optimal zersetzen. Eccofin strebt schließlich an, dass seine Produkte vollständig biologisch abzubauen sind.

Das Unternehmen, das seit 2007 ressourcenschonende Aschenkrüge und Särge für Feuer- und Erdbestattungen entwickelt und vertreibt, hofft mit den neuen Produkten auf eine »nachhaltige Umsatzsteigerung« und die Möglichkeiten einer »völlig neuen Formgebung«. Eine bereits präsentierte Variante für das Ende des letzten Weges ist übrigens ein stilisiertes und ausgesprochen längliches Ei.

Bei der gestrigen Vorstellung der Studie »Wie neues Wissen in die Wirtschaft kommt«, die von der Technologiestiftung Berlin (TSB) erarbeitet und gemeinsam mit Wirtschaftssenator Harald Wolf (LINKE) präsentiert wurde, ging es eben darum: Was bringt die Kooperation von technologieorientierten Unternehmen und Hochschulen den Partnern? Rund 3500 derartiger Firmen wurden dazu befragt.

Dabei sei das Interesse an Technologie bei Wissenschaft und Wirtschaft durchaus unterschiedlich, stellte Christian Hammel, Leiter des Bereiches Technologie und Innovation bei der TSB, fest. Die Hochschullehrer schätzten vornehmlich, dass sie ihre Lehre und Forschung praxisorientierter gestalten und deren Ergebnisse anwenden können. Die Unternehmen seien sehr an der Gewinnung von Fachkräften und der Erweiterung ihrer Forschungskapazitäten interessiert (Grafik TSB). Laut Senator Wolf gelte vor allem das Motto: »Aus Wissen Arbeit schaffen.«

Rund 80 Prozent der Hochschullehrer arbeiten laut Studie mit Wirtschaftsunternehmen zusammen. Die bevorzugten Partner der Hochschullehrer sind kleine und mittelständische Unternehmen. Bei letzteren sind es rund 50 Prozent, die mit Wissenschaftseinrichtungen kooperieren.

Rund ein Drittel arbeitet ausschließlich mit Hochschulen in der Region zusammen. Dies zeige, folgern die Autoren, dass »die Wissenschaftler in ein intaktes Forschungsnetzwerk mit Unternehmen vor Ort eingebunden sind und viele Unternehmen das regionale, wissenschaftliche Potenzial bereits für sich erschlossen haben«. Wenn allerdings 70 Prozent aller befragten Unternehmen angeben, Kooperationen künftig aus- oder aufbauen zu wollen, kann das auch als aktuelles Defizit verstanden werden.

Die Studie ist in der TSB-Schriftenreihe zu Technologie und Innovation erschienen. Sie kostet 20 Euro, Bestellungen bei Regioverlag: info@regioverlagberlin.de

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