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Von Martin Kröger
19.07.2011

Ver.di: Mehr als 700 Stellen fehlen in Finanzämtern

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di schlägt Alarm. Denn den Berliner Finanzämtern fehlten nach Gewerkschaftsangaben zu Beginn dieses Jahres mehr als 700 Stellen, was in etwa der gemeinsamen Personalstärke der Finanzämter in Prenzlauer Berg, Wilmersdorf und Zehlendorf entspricht. Grundlage für den Fehlbedarf sind Berechnungen der Senatsverwaltung für Finanzen, die nach bundeseinheitlichen Standards vorgenommen werden: Demnach benötigen die Finanzämter in Berlin 6720 Stellen, im Landeshaushalt vorgesehen sind jedoch nur 6008 Stellen.

Ver.di kritisiert jetzt, dass dem Land Berlin durch die Nichtbesetzung jährlich ein dreistelliger Millionenbetrag an Steuern entgehe. »Berlin kann es sich nicht leisten, auf Steuereinnahmen zu verzichten«, meint Klaus-Dieter Gössel, der Vorsitzende der ver.di-Fachkommission Steuerverwaltung. Zudem führe die Unterbesetzung neben den Einnahmeausfällen auch zu höheren Krankenständen. »Auf Dauer können 89 Prozent der Beschäftigten eben nicht 100 Prozent der Arbeit schaffen«, erklärt Gössel.

Nach Angaben des Gesamtpersonalratsvorsitzenden der Finanzämter, Klaus Wilzer, gegenüber ND greifen die Finanzämter derzeit auf ein sogenanntes Risikomanagement zurück. Das heißt, ein Rechner prüft die Steuererklärungen auf Auffälligkeiten, die dann gegebenenfalls als Prüfhinweise ausgegeben und dann von den Mitarbeitern abgearbeitet werden müssen. »Wir betreiben nur noch Mangelverwaltung. Eine qualitativ hochwertige Arbeit kann nicht mehr geleistet werden«, sagt Wilzer. Viele Mitarbeiter würden ihre Arbeit als »entwertet« sehen. Für zusätzlichen Frust sorgt, dass Berlin Schlusslicht bei der Beamtenbesoldung ist.

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