25.07.2011

Heute vertrieben und gehasst; damals gebraucht und beliebt

Wie der Putschist Ben Ali selber geputscht wurde

Im Januar 2011 haben die Proteste des tunesischen Volkes auf das ganze Land übergriffen. Ob in Tunis, Bizerte, Gabès, Kasserine oder auf Djerba - die Bürger forderten den sofortigen Rücktritt von Präsident Zine el-Abidine Ben Ali samt Frau Leila Trabelsi und Clan aus allen wichtigen Ämtern in Politik und Wirtschaft.
Ben Ali hat sich selber im Rahmen eines Putsches an die Macht gebracht und den ersten Präsidenten der Republik, Habib Bourguiba, auf diesem Wege abgesetzt. Nach rund 24 Jahren musste Ben Ali am eigenen Leib eine erzwungene Machtablösung akzeptieren. In den 80er-Jahren galt Ben Ali als beliebter Politiker, dem eine Machtausübung im Interesse aller Tunesier nachgesagt wurde. Doch relativ schnell erkannte die Gesellschaft, dass nicht Freiheit des Einzelnen im Vordergrund des von Ben Ali dominierten Tunesiens stand, sondern in erster Linie der alleinige Gehorsam eines jeden einzelnen Bürgers gegenüber dem aus Sousse stammenden Herrschers.

Dem in Frankreich und den USA ausgebildeten Offizier war es gelungen, dass seit der Amtsübernahme des Postens des Staatspräsidenten ein Personenkult aufgebaut wurde, der auf Ben Ali fixiert war. Ob auf Straßen, in öffentlichen Räumen, Behörden, Cafés oder Unternehmen - Ben Ali war vielerorts allgegenwärtig. Man hatte den Eindruck, als beobachte er sämtliche Ecken im Lande gleichzeitig. Sein Tag der Amtseinführung , der 07. November, wurde darüberhinaus zum Nationalfeiertag einer auf ihre Werte betrogenen Republik.

Die Angst innerhalb der Gesellschaft wurde stärker und stärker. Man überlegte gut, wem gegenüber man Kritik am Regime äußerte. Seit 1987 regierte Ben Ali das Land mit einem autoritärem Führungsstil, wo antagonistische Meinungen nicht geduldet waren. Ähnlich wie in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war es in Tunesien unmöglich bzw. nicht ratsam, im öffentlichen sowie im privaten Raum Kritik gegenüber der Führung des Landes zu äußern. Wer dies jedoch tat - in vielen Fällen waren es Islamisten, Bürgerrechtler, Journalisten und gemäßigte Oppositionelle - dem drohten Haft, Folter und Repressalien jeglicher Art. Zusätzlich war bekannt, dass der Präsident mit kriminellen Banden, dem Trabelsi-Clan seiner Frau Leila, personell und geschäftlich verstrickt war.


Am 14. Januar 2011 und ungeachtet der Versuche Ben Alis, demokratische Reformen nun zulassen zu wollen, musste der Präsident mit Ehefrau letztendlich ins Exil nach Saudi-Arabien fliehen. Dort erlitt der meist gehasste Mann Tunesiens einen schlimmen Schlaganfall, worunter er bisweilen zu leiden hat. Mittlerweile ist der ehemalige Präsident und seine Frau zu mehreren Haftstrafen in Abwesenheit verurteilt worden.Was geblieben ist bleibt die Ungewissheit, wie es in Tunesien mit dem Politischen System à la Ben Ali weitergehen soll. Ganz dem Motto: Das Beste hoffen, jedoch mit dem Schlimmsten rechnen.

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