Von Hans-Georg Schleicher
30.07.2011

Hammer und Sichel am Kap

Afrikas älteste Kommunistische Partei wird 90

Walter Sisulu mit Frau Albertina nach seine Haftentlassung 1989
Walter Sisulu mit Frau Albertina nach seine Haftentlassung 1989

Während vor 20 Jahren weltweit kommunistische Parteien von heftigen Krisen erschüttert wurden, stieg Südafrikas KP – nach vier Jahrzehnten Exil und Illegalität – wie Phönix aus der Asche und vervielfachte ihre Mitgliederzahl. Seit 1994 ist die South African Communist Party (SACP) in Allianz mit dem Afrikanischen Nationalkongress ANC und der Gewerkschaft COSATU an der Regierung Südafrikas beteiligt.

Vor 90 Jahren, am 30. Juli 1921 als erste kommunistische Partei in Afrika entstanden, erfuhr sie Unterstützung, aber auch konzeptionelle Einflussnahme und Einmischung durch die Komintern. So blieb auch sie von Fraktionskämpfen nicht verschont. Die Zusammenarbeit der SACP mit dem ANC begann bereits in den 1930er Jahren. Nelson Mandela zufolge war es die KP, die über Jahrzehnte als einzige politische Organisation Schwarze gleichberechtigt behandelte und mit ihnen für politische Rechte zusammenarbeitete.

Vor ihrem Verbot 1950 durch das Apartheid-Regime zählte die Partei mit Hammer und Sichel in einem schwarzen Stern auf rotem Grund über 5000 Mitglieder. Sie hatte Erfolge bei (weißen) Kommunalwahlen und Einfluss in der schwarzen Gewerkschaftsbewegung. 1953 konstituierte sich die Partei in der Illegalität neu, ihre Mitglieder spielten im (weißen) Kongress der Demokraten der 50er Jahre eine wichtige Rolle, schwarze Mitglieder waren im ANC aktiv. Dieser, ursprünglich eine Organisation der schwarzen Mittelschicht, fand über die SACP Zugang zu Arbeitern und Kleinbauern. Beim Verbot des ANC 1960 vermittelte die SACP Erfahrung in der Untergrundarbeit, überlebenswichtig für dessen Reorganisation im Exil. Beide Organisationen kooperierten auch im bewaffneten Kampf. Die Mehrzahl der Angeklagten um Nelson Mandela im Rivonia-Prozess 1963/64 waren Kommunisten. Internationale Kontakte der SACP nutzte der ANC für die Kooperation mit sozialistischen Staaten, auch mit der DDR.

Die SACP hatte eine stabile Exil-Organisation mit einem Zentralkomitee und gab sich bereits 1962 ein strategisches Programm. Zahlreiche ANC-Aktivisten traten ihr bei, ihre Mitglieder galten im Widerstand als Elite – ein Geheimbund entschlossener Revolutionäre. Der Antikommunismus des Apartheid-Regimes mit der Postulierung schwarzer Mehrheitsherrschaft als »rooi gevaar« (rote Gefahr) trug nur zur Popularisierung der SACP bei. Der Kampf der Kommunisten gegen Rassismus und Kapitalismus machte sie unter der schwarzen Mehrheit Südafrikas populär. Die SACP vermied ihrerseits jeden Eindruck einer Vereinnahmung des ANC, konnte aber ohnehin aufgrund eigener krisenhafter Entwicklungen nach den Repressalien des Regimes in den 1960er Jahren keinen Führungsanspruch in der nationalen Bewegung erheben. Dennoch war ihr politisch-ideologischer Einfluss beträchtlich. Taktisch trat sie radikalen Tendenzen entgegen und unterstützte den Wandel des ANC zur multirassischen Organisation.

In Illegalität, Haft und Exil brillierte die SACP mit herausragenden Persönlichkeiten, wie Yusuf Dadoo Moses Mabhida und Moses Kotane. Walter Sisulu war Mentor und enger Berater Mandelas. Joe Slovo spielte eine Schlüsselrolle im bewaffneten Kampf und bei den Verhandlungen zum Übergang zur Demokratie. Er bemühte sich frühzeitig um eine selbstkritische Analyse seiner Partei. Illegalität und bewaffneter Kampf, aber auch internationale Einflüsse hatten auch negative Spuren hinterlassen: Autoritarismus, Stalinismus, mangelnde Toleranz, Überbetonung der Loyalität zur Partei. Bereits vor, vor allem nach der Rückkehr nach Südafrika 1990 distanzierten sich einige prominente ANC-Führer von der SACP, teils aus opportunistischen Erwägungen. Führungskräfte in Regierungsverantwortung entschieden sich im Konflikt zwischen Parteiprinzipien und Realpolitik für letztere, andere waren von Machtkämpfen im ANC betroffen.

Die SACP mit heute über 90 000 Mitgliedern und großer Vergangenheit sucht ihre Rolle in der politischen Landschaft Südafrikas.

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