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Maria Elena Salar (l.) und Dilcia García
Foto: Harald Neuber
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ND: Kuba befindet sich mitten in einem wirtschaftlichen Reformprozess, der mehr Effizienz und Selbstversorgung gewährleisten soll. Dennoch muss Ihr Land nach wie vor 80 Prozent der Nahrungsmittel importieren. Weshalb vermindert sich die Abhängigkeit von den Einfuhren nicht?
Maria Elena Salar: Weil die Verteilung von fruchtbarem Boden an Kleinbauern mit dem Dekret 259 erst Mitte 2008 verfügt wurde und ein solcher Prozess länger braucht, um einen gesamtwirtschaftlichen Effekt zu erzielen. Viele der neuen Bauern verfügen noch nicht über die notwendigen Materialen und wir haben in Kuba ein enormes Problem mit der eingeschleppten Schadpflanze Marabú. Oft muss das Ackerland erst gesäubert werden. Das Wichtigste ist die Zielvorgabe: Produktion für den Binnenmarkt und der Abbau der Importe. Das hängt auch damit zusammen, dass die Bezugsmarken abgeschafft werden sollen. Das kann natürlich nicht von heute auf morgen geschehen. Aber es wird in dem Maße geschehen, wie der Binnenmarkt die Bedürfnisse der Bevölkerung decken kann.
Dilcia García: Die Idee ist, künftig nicht mehr Lebensmittel oder die produzierende Wirtschaft staatlich zu subventionieren, sondern die bedürftigen Menschen. Das ist der große Unterschied zum langjährigen System der Bezugsmarken, das eine allgemeine und flächendeckende Subventionierung vieler Güter bedeutete. In dessen Genuss kamen alle Kubanerinnen und Kubaner, unabhängig von ihrer sozialen Lage.Nun geht es darum, dieses System zu diversifizieren. Der Aufbau einer eigenen Nahrungsmittelproduktion ist dabei zentral. Und es ist eine strategische Frage der Wirtschaftspolitik.
Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AIN sind 77 Prozent des Ackerlandes bereits an Produzenten vergeben. Müsste sich nicht schon ein Effekt zeigen?
Salar: Wie gesagt, die Produktion braucht mehrere Jahre, um anzulaufen. Zumal der Vergabeprozess noch läuft und viele Produzenten das neue Handwerk erst lernen müssen. Wir sind in dieser Hinsicht in einer Umbruchphase: Erst wenn die Produktion von Nahrungsmitteln im Land stabil ansteigt, können die Importe gesenkt werden.
Welche Rolle spielt der Mangel an Produktionsmitteln und Arbeitsgerät?
Salar: Das ist natürlich ein großen Problem, das auch mit der US-Blockade gegen Kuba zusammenhängt.
García: In Kuba setzen wir auch wegen dieser externen Probleme auf den Ausbau der lokalen Märkte. Das heißt, es soll an Ort und Stelle für das unmittelbare Umfeld produziert werden. Produktion, Verarbeitung und Konsum finden nach dieser Idee in unmittelbarer Nähe statt. Dieses Konzept hat sich in den Städten bewährt, wo die Produktion in Gärten angekurbelt wurde. Und nun wird diese lokale Produktion auf die stadtnahen Bereiche ausgeweitet, quasi die grünen Gürtel um die Städte. Der Vorteil dessen ist ja auch, dass keine Ressourcen durch unnützen Transport von Waren verbraucht werden.
Kuba hat sich in den vergangenen Jahren stärker in die regionalen Märkte Lateinamerikas und der Karibik integriert, vor allem in das Staatenbündnis ALBA. Wie wirkt sich diese neue Kooperation aus?
Salar: Das ist in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft eine entscheidende Hilfe. Vor allem – was die Kooperation mit Venezuela betrifft – bei der Versorgung mit Treibstoff. Das betrifft übrigens nicht nur Kuba, sondern auch die Dominikanische Republik und andere Länder, die über keine oder unzureichende eigene Erdölvorkommen verfügen. Der neue solidarische Handel ist für die gesamte Region eine große Chance. Aber natürlich versuchen die USA, diese Integration permanent zu stören.
García: Kuba trägt zu dieser Entwicklung bei, indem Fachleute in vielen verschiedenen Bereichen ausgebildet werden. Es sind ja nicht nur unsere Ärzte, die im Ausland Hilfe leisten. In Kuba werden tausende Mediziner und Fachleute anderer Bereiche ausgebildet, damit sie später in ihren Ländern beim Aufbau der Wirtschaft helfen. Kurz: Es geht nicht nur um einen solidarischen Handel, sondern auch um gegenseitige Hilfestellung beim Aufbau nachhaltiger Wirtschaftsstrukturen.
Der Satz ist entliehen von Max Frisch "Homo Faber": Er beschrieb die Gegend nahe Palenque im Sueden Mexikos - ueppige Tropen. Die "Schrebergaerten" haette man in Kuba schon seit Jahrzehnten intensiv unterstuetzen muessen - aber das war gegen den "Barackenkommunismus" der "Theorien". Als man schon in Moskau in der Mitte der 1970ziger als marxistischer Turist den Verfall ahnte, da sprach Fidel noch ueber die "Reinheit der Sowjets". Die Chinesen, mit mehr Erfahrung waren schon auf dem "neuen Marsch" zu Deng Xio Pengs: "Es macht nichts welche Farbe die Katze ist - Hauptsache sie faengt Maeuse!" Die neue Agrarpolitik haette schon vor einer Generation eine Unabhaengigkeit der Lebensmittelimporte vermindern koennen, welche vorwiegend aus logistischen Gruenden von USA zu kommen scheinen: Die U.S. Agrarlobby in Washington steht gegen noch drastischere politische Massnahmen gegen Kuba! In den Tropen treiben Zaunpfaehle Aeste, und Baeume wachsen viel schneller als im kalten Europa - deshalb ist zum Beispiel die deutsche Hysterie gegen "Abholzung" in Brasilien - ein selbsterzeugter Wutanfall: Beim Ueberfliegen von einst abgeholzten Flaechen wird auch entdeckt das der Wald wieder entsteht! Es gibt auch faule Ausreden warum das lange dauert - aber um die kartoffelhafte Yucca (Manioc) - zu pflanzen - das Grundnahrungsmittel in der Karibik - bis zum 20sten Jahrhundert - braucht man nur eine Hacke. Frei-lebende Huehner finden massenhaften Insekten und Wildsamen. Und alles waechst 365 Tage im Jahr! Die Ochsen welche heute in Kuba zum pfluegen verwendet werden - brauchen ueberhaupt nichts - sie ziehen den Pflug am Tag, in der Nacht haben sie "frei" und grassen die ganze Nacht - sie brauchen 12 Stunden, mehr als Pferde. Am Ende ist auch Ochsenfleisch nahrhaft. Die Dominikanische Repulik exportiert Lebensmittel an Venezuela - im Tausch fuer billiges Oel. Auch U.S. Puerto Rico bekommt verbilligtes Oel von Venezuela: Lateinamerika steht weiter zusammen, moeglichst ohne USA.
Berichtigung: Das Woerterbuch belehrt: Spucke und Spuk sind zwei verschiedene Woerter: Also Max Frisch schrieb: "Es keimt wohin man spuckt". Dieses Buch "Homo Faber" (Lateinisch: Mann der Tat) beschreibt auch die Eindruecke von Max Frisch in Havanna/Kuba 1952. Er war ueberwaeltigt von der Exotik der Karibik und der Lebensfreude der Kubaner - und in einen einmaligen Kapitel vergleicht er sie im Gegensatz mit den U.S. Amerikanern - natuerlich nicht vollkommen sachlich wie er selbst gesteht.
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