Von Hans-Ulrich Keller
30.07.2011

Perseïden lassen es stündlich 100 Mal zischen

NACHTS IM AUGUST: Viele Schnuppen – Planeten etwas bedeckt – Milchstraße beeindruckt – Sonne tritt immer kürzer

Der August bringt wieder ein leuchtendes Himmelsschauspiel. Vom 10. bis 14. des Monats flammen die Sternschnuppen des Perseïdenstromes auf. Er zählt zu den aktivsten Strömen. Die meisten Meteore sind in den Nächten vom 11. auf den 12. und vom 12. auf den 13. zu sehen. Die beste Beobachtungszeit liegt zwischen 23 Uhr und 4 Uhr morgens. Pro Stunde sind über hundert Meteore zu erwarten. In den Morgenstunden des 13. August 2009 wurden in einer Stunde 180 Perseïden registriert. Bei den Perseïden handelt es sich um recht schnelle Sternschnuppen mit im Mittel sechzig Kilometern pro Sekunde.

Leider stört in diesem Jahr helles Mondlicht die Beobachtung der Perseïden. Denn am 13. wird um 20.57 Uhr die Vollmondphase erreicht. Neumond tritt am 29. um 5.04 Uhr ein. Einen Tag später kommt der Mond mit 360 860 Kilometern Entfernung zum zweiten Mal in diesem Monat in Erdnähe, nachdem er schon am 2. August seinen erdnächsten Bahnpunkt passiert hat. Mit 405 160 Kilometern Distanz hält er sich am 18. in Erdferne auf.

Einziger ohne Fernrohr sichtbarer Planet am frühen Abendhimmel ist Saturn im Sternbild Jungfrau. Allerdings verkürzen sich seine Sichtbarkeitszeiten drastisch. Geht der Ringplanet Anfang August noch um 23.20 Uhr unter, so sinkt er zu Monatsende schon kurz vor 21.30 Uhr unter den Horizont.

Am späten Abend erscheint der hell leuchtende Jupiter am Osthimmel. Der Riesenplanet hält sich im Sternbild Widder auf. Zu Monatsbeginn geht Jupiter erst kurz vor Mitternacht auf, Ende August jedoch schon um zehn Uhr abends. Jupiter dominiert mit seinem Glanz den Nachthimmel und bleibt hellstes Gestirn.

Der Merkur überholt Mitte August die Erde auf der Innenbahn. Der sonnennächste Planet bleibt ebenso unsichtbar wie Venus. Mars kann am nordöstlichen Morgenhimmel aufgefunden werden. Der sonnenfernste Planet Neptun kommt in der Nacht vom 22. auf den 23. in Opposition zur Sonne. Er ist somit die gesamte Nacht über am Firmament vertreten. Wegen seiner großen Entfernung von der Sonne – er ist dreißigmal weiter von ihr weg als die Erde – ist er so lichtschwach, dass er nur im Fernglas oder Teleskop gesehen werden kann.

Auf Neptuns Existenz wurde man indirekt aufmerksam. Aufgrund von Bahnstörungen des Planeten Uranus vermutete man als Ursache einen noch unbekannten Planeten. Der Engländer John C. Adams und der Franzose Urbain J. J. Leverrier berechneten daraufhin die Position dieses hypothetischen Himmelskörpers. Leverrier sandte seine Kalkulationen nach Berlin. Noch am Tag der Ankunft der Pariser Depesche wurde der vermutete Planet in der Nacht vom 23. auf den 24. September 1846 im Sternbild Wassermann von Johann G. Galle und seinem Assistenten Heinrich d'Arrest auf der Berliner Sternwarte entdeckt – ein Triumph der theoretischen Astronomie.

Der neu gefundene Planet wurde Neptun getauft. Für eine Sonnenumrundung benötigt er 165 Jahre. Im Sommer dieses Jahres befindet er sich fast genau an der gleichen Stelle im Sternbild Wassermann wie zu seiner Entdeckung. Der Planet des Meeresgottes hat inzwischen eine volle Sonnenumkreisung zurückgelegt. Mit vierfachem Erddurchmesser zählt er zu den Riesenplaneten, die allesamt von dichten Atmosphären aus Wasserstoff, Helium, Methan und Ammoniak eingehüllt sind. Der Neptunglobus rotiert recht schnell. Ein Neptuntag dauert nur sechzehn Stunden.

Wer den Sternenhimmel weitab irdischen Lichtsmogs in einer dunklen, besonders klaren Nacht betrachten kann, der wird vom zart schimmernden Lichtband der sommerlichen Milchstraße beeindruckt sein. Gegen 23 Uhr spannt sie sich in hohem Bogen übers Firmament. Im Nordosten steigt das Milchstraßenband empor, von Perseus und Kapella im Fuhrmann ausgehend, zieht es sich durch Kassiopeia, Kepheus und Schwan fast bis zum Zenit, spaltet sich und geht zum Südwesthorizont hinab.

Hoch im Süden erblickt man das Sommerdreieck mit Wega, Deneb und Atair. Weit im Westen funkelt der orange Arktur im Bootes. Am Osthimmel sind das Pegasusquadrat und die Sternenkette der Andromeda erschienen. Als typische Herbstbilder kündigen sie die kommende Jahreszeit an.

Die Tage werden deutlich kürzer. In Hamburg nimmt die Tageslänge im August um eine Stunde und 55 Minuten ab, in Köln um eine Stunde und 44 Minuten, in München um eine Stunde und 33 Minuten. Die Mittagshöhe der Sonne verringert sich um fast zehn Grad.

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