Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Manfred Wieczorek 03.08.2011 / Wirtschaft

Mindestlohn für Fußballer

Spielergewerkschaft will Tarifvertrag abschließen

Am Wochenende beginnt die neue Saison der Bundesliga. Weil nur wenige Fußballer zu den Großverdienern gehören, will die Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) einen Tarifvertrag einführen.

»Wir werden noch in diesem Jahr auf die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zugehen«, sagt VDV-Justiziar Frank Rybak. Bis 2013 sei ein Vertrag für die Spieler der 1. und 2. Bundesliga umsetzbar – wenn die 36 Vereine mitziehen.

Tariflich geregelt werden sollen Punkte wie Kündigungsrecht, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaub, Mindestlöhne, Regelungen für Strafzahlungen bei Spielervergehen oder auch eine Höchstgrenze bei Pflichtspielen. So sind die Strafzahlungen für Spieler, die zu spät aus dem Urlaub ins Trainingslager kommen oft willkürlich. Nach Ansicht des VDV hält die bisherige Praxis, Geld der Spieler im Falle eines Fehlverhaltens einzubehalten, vor keinem Gericht stand.

Doch wie erklärt man denen, die auf dem Stehplatz buchstäblich hinter ihrer Mannschaft stehen und womöglich nicht tariflich entlohnt werden, einen Mindestlohn von 2750 Euro brutto? Dieser existiert bereits in den Statuten der Liga und könnte nun auch zwischen der VDV und dem Ligaverband für die Kicker der Bundesliga festgeschrieben werden.

Doch wäre dies für Spieler der Dritten Liga oder die Spielerinnen der Frauenbundesliga nicht viel dringlicher? »In der Regionalliga gibt es noch viele Spieler, die auf Minijobbasis angestellt sind. Es sind Spieler, die sechs Mal in der Woche trainieren und oft lange Anfahrtswege in Kauf nehmen«, sagt VDV-Geschäftsführer Ulf Bara-nowsky. »Auch die meisten Spielerinnen der Frauenbundesliga können nicht vom Fußball leben. Denn hier kommen zu manchen Spielen nicht einmal 100 Zuschauer und die Strukturen dort entsprechen in keiner Weise denen des professionellen Männerfußballs«, erklärt Baranowsky. Deshalb seien tarifliche Regelungen hier »durchaus ein Fernziel«. Aber man müsse zwischen Lizenz- und Vertragsspielern unterscheiden. Vertragsspieler gibt es grundsätzlich in den Ligen unterhalb der Profiligen, in denen in der Regel die Lizenzspieler kicken. Aber bisher ist nur der Ligaverband als Verband der Bundesligisten tariffähig. Unterhalb dessen müsse mit jedem einzelnen Klub ein Tarifvertrag geschlossen werden.

Auch die Forderung nach einem Mindestlohn im Profibereich sei keine Luxuslösung, so Baranowsky. »Sie dient dem Schutz von jungen Spielern aus dem Nachwuchs und von anderen Kontinenten.« Jeder Bundesligaverein muss vier im Verein und weitere vier zumindest in heimischen Ligen ausgebildete Spieler im Kader haben. »Wir möchten keine Alibi-Spieler, die nur dazu dienen, bestimmte Auflagen zu erfüllen. Und wir wollen auch nicht, dass zum Beispiel afrikanische Spieler mit Verträgen abgespeist werden, die ihrem Können nicht gerecht werden«, sagt Ulf Baranowsky zum Alltag jenseits der Kameras und Schlagzeilen.

Auch Christoph Dabrowski, Spieler beim Zweitligisten VfL Bochum und Mitglied im VDV-Spielerrat, spricht sich für einen Mindestlohn aus. »Es sind nicht viele, die den ganz großen Karrieresprung schaffen. Damit ein junger Spieler eine Chance hat, muss er sich ganz auf den Fußball konzentrieren können. Deshalb ist ein Mindestlohn, von dem er leben kann, sinnvoll.«

Die Vereine selbst halten sich indes bedeckt und werben – wie etwa Aufsteiger FC Augsburg oder Kiez-Club St. Pauli – um Verständnis dafür, dass sie sich zum jetzigen Stand der Dinge noch nicht äußern.

Dass die Spieler, wie in anderen Ländern geschehen, für die Durchsetzung eines Tarifvertrags streiken werden, glaubt VDV-Geschäftsführer Baranowsky zwar gegenwärtig nicht, er sagt aber auch: »Unsere Satzung sieht den Einsatz aller gewerkschaftlichen Mittel vor.«

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

1 Kommentar zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
  • Rotspoon, 03. Aug 2011 20:06

    Hier wird das Risiko deutlich

    das entsteht, wenn man das Spielen zum Job wird

    • Permalink

Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
26.05.2012 | Marcus Meier

Sind Frauen die besseren Politiker?

24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
Vernetzung

»nd in der Schule«

Medienkompetenz und politische Bildung
nd-Newsletter

Täglich gut informiert.

Jetzt hier kostenlos abonnieren!
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.