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Von Katja Herzberg 06.08.2011 / Inland

Ran an die Kohletagebaue

Umweltaktivisten verbringen ihren Sommer in Klimacamps in der Lausitz und im Ruhrgebiet

Die Klimabewegung sieht nach dem Atomausstieg die Gefahr einer Renaissance der fossilen Energien. Mit zwei Klimacamps in den großen deutschen Kohlerevieren protestieren Aktivisten in den nächsten Wochen.

Die massiven Protesten gegen die Castortransporte im vergangenen Herbst und gegen Atomkraft im allgemeinen in Folge der Atomkatastrophe in Fukushima machten die Aktionen der Anti-Kohlebewegung der letzten Jahre schnell vergessen. Nach dem Beschluss des Atomausstiegs suchen die Aktivisten der Klimabewegung nun mit mehreren Camps neue Anhänger und mehr Öffentlichkeit. Und sehen ihre Forderungen nach einer ökologischen, sozialverträglichen und demokratischen Energiewende als aktueller denn je.

»Die Anti-Kohle-Bewegung steht nach dem Ende der Atomkraft vor neuen Aufgaben«, sagt Stefanie Groll. Sie ist Sprecherin des Klimacamps in der Lausitz, das an diesem Wochenende beginnt. In der 1700-Seelen-Ortschaft Jänschwalde wollen die Aktivisten direkt zwischen dem Braunkohletagebau und dem Kraftwerk eine Woche lang kampieren. Mit zahlreichen Programmpunkten versuchen die Organisatoren von gegenstrom berlin, Attac, Robin Wood, Linksjugend ['solid], der Grünen Jugend und weiteren Gruppen auf die Schäden, die der Kohleabbau verursacht, und Risiken der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid (CCS) aufmerksam zu machen. Dabei suchen die Klimaaktivisten auch den Anschluss an die Bürgerinitiativen der Umgebung und die Anti-AKW-Bewegung. So sollen »regionale Kristallisationspunkte mit überregionaler Bedeutung« geschaffen werden, heißt es in der Mobilisierungszeitung. Zusammen sollen die »Energiekämpfe« gegen die Großkonzerne Vattenfall und RWE gewonnen werden, die den Aufschluss neuer Tagebaue und den Bau neuer Kraftwerke fordern.

Die Idee der Camps ist nicht neu. Nach dem britischen Vorbild von Drax im Jahr 2006 fand in Deutschland bereits 2008 das erste Klimacamp in Hamburg statt, um gegen den Kraftwerksneubau in Moorburg zu demonstrieren. Die beiden temporären Zeltdörfer im Rheinland aus dem vergangenen Jahr konnten nicht mehr die selbe Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Daraus hat die Klimagerechtigkeitsbewegung Konsequenzen gezogen. Die Camps in der Lausitz und am rheinischen Braunkohletagebau Hambach sollen zwar ihre Funktionen beibehalten, also Raum für Diskussion und Austausch bieten sowie ökologische Alternativen für das Alltagsleben aufzeigen, wie Solarduschen und vegane Kost. Auch Protestaktionen sollen vom Camp ausgehen. Inhaltlich aber will die Klimabewegung weiter gehen. So fußt die Ablehnung neuer Tagebaue nicht mehr nur in der damit verbundenen Umweltzerstörung, der Erderwärmung durch den massiven CO2-Ausstoß, sondern bezieht auch die undemokratischen Verfahren ein, die zur »Vertreibung« von Anwohnern und der Zerstörung ihrer Heimat durch die Abbaggerung jahrhundertealter Dörfer führt.

Im Vordergrund steht deshalb nicht nur die Forderung nach Klimagerechtigkeit gegenüber dem globalen Süden und damit denjenigen, die als erste von der Erderwärmung und dem ansteigenden Meeresspiegel betroffen sein werden. Die deutsche Politik wird auch aufgefordert, keine »CO2-Endlager« durch die CCS-Technologie zu genehmigen, um damit neue Kohlekraftwerke zu legitimieren.

Für den Erfolg der Camps wird entscheidend sein, ob es gelingt, viele Klimaaktivisten in die Provinz zu ziehen und die Betroffenen vor Ort von den klimapolitischen Zielen zu überzeugen. Die Demonstration in Cottbus unter dem Motto »Unsere Energie ist nicht eure Kohle« am Ende der Camp-Woche in Jänschwalde wird dafür ein erster Gradmesser. Sollte die Unterstützung aus der Bevölkerung ausbleiben, haben die sich als neue soziale Bewegung verstehenden Umweltaktivisten bei einer Radtour von der Lausitz ins Ruhrgebiet hin zum internationalen Klimacamp bei Köln, das am 26. August beginnt, Zeit ihr Vorgehen zu reflektieren. Denn wenn die »Werkstatt für Aktionen und Alternativen« im September ihr dauerhaftes Klimacamp im Kreis Düren eröffnet, kann die Klimabewegung jede Menge Unterstützung gebrauchen.

www.klimacamp2011.de

www.lausitzcamp.info

www.waa.blogsport.de

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • Kukuch, 06. Aug 2011 18:04

    Welche Rolle spielt denn derWasserdampf bei der Erwärmung?

    Die Aktivitäten in allen Ehren, aber haben die Umweltaktivisten auch mal gründlich nachgedacht, welche Rolle der Wasserdampf für die Klimaveränderung spielt?
    Und: Was wird denn unter dem Begriff CO2 eigentlich verstanden, das ist doch der gemeinsame Nenner für mehrere Emissionen. Wer hat diesen gemeinsamen Nenner mal festgelegt? Warum wurde nicht auch die Rolle des Wasserdampfes hervorgehoben? Wasserdampf verursachen doch auch die Kernkraftwerke. Könnte das die Ursache für die Vernachlässigung des Wasserdampfes sein?
    Ich würde nicht meine Hand ins Feuer legen, daß das CO2 der Hauptverursacher der Erwärmung unseres Erdballes ist.
    Dr. Kurt Kutzschbauch

    • Permalink

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