08.08.2011

Londoner Stadtteil »wie im Krieg«

Polizei erschoss 29-Jährigen / Welle der Gewalt überrollte Tottenham

Die Londoner Polizei hat einen 29-jährigen Mann erschossen. Eine Welle der Gewalt überrollte daraufhin in der Nacht zum Sonntag einen ganzen Londoner Stadtteil.

London (dpa/ND). Randalierer setzten in Londons Stadtteil Tottenham Häuser, Geschäfte und Supermärkte in Brand, zündeten Polizeiautos und einen Doppeldecker-Bus an und plünderten Läden. Von einigen Häusern blieben nur die Grundmauern, von Fahrzeugen nur Stahlgerippe übrig.

Die Gewalttäter warfen Brandsätze, Steine sowie Flaschen auf Polizisten. Erst am Sonntagmorgen war die Lage in dem Nordlondoner Stadtteill wieder unter Kontrolle. »Wir sahen uns einer Gewalt gegenüber, wie wir sie in diesem Ausmaß nicht erwarten konnten«, sagte Adrian Hanstock von Scotland Yard. Die Downing Street sowie Innenministerin Theresa May verurteilten die Gewalt als »völlig unakzeptabel«.

Vorausgegangen war eine Demonstration von Einheimischen, die Antworten auf Fragen nach dem Tod des Vaters dreier Kinder vermissten. Die Familie des Getöteten und deren Umfeld glaubt nicht an die Version der Polizei, er habe aus einem Taxi heraus das Feuer eröffnet. Eine polizeiinterne Untersuchung ist im Gange. Der Polizeischütze gehörte der Sondereinheit »Trident« von Scotland Yard zur Bekämpfung von Bandenkriminalität an.

Nach Angaben von Scotland Yard wurden nach den Ausschreitungen 42 Verdächtige festgenommen. »Einige Kriminelle haben eine friedliche Demonstration gekapert«, sagte Hanstock. 26 Polizisten und drei Zivilisten wurden verletzt. Zwei Polizisten mussten auch am Sonntag im Krankenhaus bleiben. Die Polizei habe Kräfte zusammengezogen, um eine Fortsetzung der Gewalt zu unterbinden.

Der Sachschaden geht in die Millionen. Die Feuerwehr, die mehr als 250 Notrufe erhalten hatte, konnte sich nicht rechtzeitig ihren Weg durch die Menschenmenge bahnen. Nach Berichten von Augenzeugen spielten sich dramatische Szenen ab. Familien mit kleinen Kindern mussten aus ihren Wohnungen in brennenden Häusern fliehen. »Es war wie im Krieg«, sagte ein Anwohner dem Sender Sky News.

Teile des Londoner Stadtteils Tottenham gelten seit Jahrzehnten als problematisch. Viele Kulturen, in ihren Heimatländern häufig verfeindet, treffen dort aufeinander. Bereits 1985 hatte es einen Aufstand gegeben, nachdem ein Polizist erschossen worden war.

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