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Menschenkette am 13. August?

Antje Henning über eine Aktion des Berliner Netzwerks für Grünzüge

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Die 41-jährige Juristin ist Initiatorin des Berliner Netzwerks für Grünzüge, das im August 2010 gegründet wurde.

ND: Am 13. August wollen Sie in Berlin eine Menschenkette für Grünzüge bilden. Was steckt dahinter?
Henning: Wir möchten darauf hinweisen, dass der ehemalige Mauerstreifen und andere zusammenhängende Freiflächen im Stadtgebiet immer weiter verbaut werden. Die Vermarktung und Bebauung müssen gestoppt und die Flächen geschützt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die bestehenden Parks und Grünflächen wollen wir miteinander verbinden, indem zum Beispiel alte Bahngleise und Pfade einbezogen werden. So könnte ein grüner Faden durch Berlin entstehen.

Der 50. Jahrestag des Mauerbaus ist mit Veranstaltungen überfrachtet. Warum dieser Tag?
Natürlich gibt es da viele Termine, doch die meisten sind Gedenkveranstaltungen mit Politikern. Wir wollen mit unserer Aktion Menschen aus allen Bezirken zusammenbringen, beiderseits der ehemaligen Mauer. Es soll ein Tag der gelebten Vereinigung sein. Uns geht es ja um die Durchlässigkeit in der Stadt, ohne Mauern und Grenzen. Grünflächen können verbinden, das wollen wir zeigen und uns für einen durchgehenden Grünzug einsetzen.

Der Senat hat schon 2006 ein Konzept zum Mauergrünzug vorgelegt. Wozu das Netzwerk?
Unsere Idee gilt für ganz Berlin, nicht nur den ehemaligen Mauerstreifen, obwohl der ein guter Ausgangspunkt für unser Projekt ist. Wir verstehen uns als Plattform, auf der sich interessierte Bürger, aber auch schon bestehende Initiativen vernetzen können. Durch die Beschäftigung mit dem Mauerstreifen ist zudem klar geworden, dass auch der Senat noch Schwierigkeiten hat, seine Pläne umzusetzen. Das liegt vor allem an der Finanzierungsfrage.

Um das Vorhaben zu realisieren, müsste das Land einige Flächen aufkaufen, doch die Kassen sind leer. Was schlagen Sie vor?
Erst mal müssen Prioritäten gesetzt werden – und die sollten beim Erhalt der Freiflächen liegen. Es gibt sehr wohl Ausgaben für »Grünflächen in Berlin«, die gehen aber stark in Richtung Gestaltung. Wir wollen außerdem einen Spendenaufruf starten, um mit dem Geld Freiflächen zu kaufen. Und wir suchen noch Sponsoren für einzelne Objekte, wie zum Beispiel die alte Eisenbahnbrücke Liesenbrücke, die Humboldthain und Nordbahnhof verbinden könnte.

Wie lang soll die Kette werden, wie viele Menschen erwarten Sie?
Der Grünzug entlang des Mauerstreifens, um den es uns erst mal geht, hat eine Länge von etwa zehn Kilometern. Natürlich hoffen wir, dass wir diese Strecke durchgängig bespielen können. Unterstützung gibt es schon von vielen Seiten, etwa durch die anliegenden Quartiermanagements. Denn ökologische Themen sind immer auch soziale Themen. Doch wie viele Menschen kommen werden, ist sehr schwer zu schätzen. Außerdem sind wir durch die NPD-Kundgebung beeinträchtigt, die zu unserem Ärger am ehemaligen Grenzübergang Bornholmer Straße zugelassen wurde, obwohl unsere Aktion viel früher angemeldet wurde.

Wie wollen Sie nach dem 13. August weiter vorgehen?
Das hängt davon ab, wie die Aktion läuft und wie die Menschen auf unsere Idee reagieren. Die Menschenkette soll eine Initialzündung sein, die hoffentlich zu gemeinsamem Engagement für öffentliche Freiflächen in der Stadt führt – auch über den ehemaligen Mauerstreifen hinaus. Dafür werden wir uns auch in den Bezirksverordnetenversammlungen einsetzen und Druck machen.

Fragen: Jenny Becker

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • 50 Jahre Mauerbau

    "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten". Entgegen dieser Erklärung Walter Ulbrichts haben Betriebskampfgruppen und DDR-Polizisten am 13. August 1961 den Ostteil Berlins vom Westteil abgeriegelt. Bereits seit Wochen war die politische Lage an der Nahtstelle zwischen Ost und West explosiv, drohte der Kalte Krieg zu einem Heißen Krieg zu eskalieren. Aus der provisorischen Grenzanlage wurde bald eine zunehmend gesicherte Mauer. Für die einen stellte sie einen antifaschistischen Schutzwall dar, andere empfanden die DDR nach dem Mauerbau als ein Gefängnis.

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