Die Gewerkschaftsverbände ITF und UNI haben Klage gegen den Logistikkonzern DHL wegen Verstößen gegen den »UN Global Compact« eingereicht. So weit, so unwirksam.
Denn die Vereinbarung von 1999 ist rein freiwillig, Sanktionsmöglichkeiten sind bewusst ausgespart. Eine Beschwerde hat also für den Global Player DHL, der die Vereinbarung 2006 unterzeichnet hat, keine Auswirkungen. Aus der Liste der Unterstützer werden bzw. können Unternehmen nur gestrichen werden, wenn sie ihren jährlichen Bericht zweimal nacheinander nicht abgeben. Ein Bericht, dessen Angaben nicht überprüft werden. Da Verstöße ohne Konsequenzen bleiben, ist die Vereinbarung an sich also kein Mittel, um Rechte von Beschäftigten durchzusetzen, sondern ist Teil der Konzern-Werbestrategie.
Welchen Sinn hat also die Beschwerde? Beteiligte Nichtregierungsorganisationen weisen an dieser Stelle gerne auf den Druck der Öffentlichkeit hin. Negative Schlagzeilen können einen Imageschaden nach sich ziehen.
Die Klage ist Teil der internationalen Konzernkampagne »Respect for DHL-Workers«. Die Kampagne vernetzt seit 2009 weltweit die Beschäftigten des Logistikunternehmens. Ziel ist die Unterzeichnung eines Internationalen Rahmenabkommens, das den 470 000 Beschäftigten überall gleiche Mindeststandards sichert sowie eine gewerkschaftliche Vertretung. Um das zu erreichen, brauchen die Beschäftigten und ihre Gewerkschaften tatsächlich den Druck der Öffentlichkeit. Als Teil einer PR-Strategie macht die Beschwerde also Sinn.
Internationale Konzernkampagnen sind oft mühselige Kleinarbeit. Zu unterschiedlich sind die Bedingungen an den einzelnen Konzernstandorten: an manchen redet das Unternehmen nicht mit der Gewerkschaft, an anderen gibt es keine Betriebsratstruktur vor Ort oder Gewerkschaften sind sogar verboten. Dann gibt es wieder die Arbeitnehmervertretungen, die eine gesicherte Position im Unternehmen haben und ihre »gute« Gesprächskultur mit dem Management nicht gefährden wollen. Um gemeinsam Druck aufzubauen, braucht es aber nicht nur öffentlichkeitswirksame Aktionen, sondern besonders die Solidarität der Beschäftigten untereinander.
Haidy Damm
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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