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Von Martina Jammers
16.08.2011

Mahlstrom- und Strudelbilder

Hamburg: William Turner erkundet die Welt der vier Elemente

William Turner: Fischerboote bringen ein manövrierunfä
William Turner: Fischerboote bringen ein manövrierunfähiges Schiff in den Hafen von Ruysdael

Am linken Bildrand steht eine Mutter mit breitrandigem Hut und zwei fein kostümierten Mädchen. Ein Junge mit langem Stab – einer Angel? – tollt auf die flache Brandung zu, in der sich weitere Menschen tummeln. Zwei Hunde eilen ihm voran. Im weit entfernten Hintergrund ist die Mole des kleinen südenglischen Küstenstädtchens Margate (Grafschaft Kent) zu sehen, von der sich ein Dampfschiff entfernt.

Der Neumond spiegelt sich in der See. Das Hauptsujet des Bildes aber ist die Reflexion der untergehenden Sonne, die William Turner in glühenden Farben wiedergibt. Die nuanciert vorgetragene Gold-Rot-Skala des Dunstschleiers um den Sonnenball wird wirkungsvoll unterstrichen durch kühle Blautöne, vor denen sich die Sichel des Mondes abhebt. Das 1840 ausgestellte Gemälde ist das Resultat von Turners eingehender Auseinandersetzung mit dem Himmel und den Wetterphänomenen. Er führt uns hier die zyklische Bewegung der Gestirne vor Augen. Der Bildtitel gibt einen kindlichen Dialog wieder: »Ich habe mein Boot verloren, du sollst deinen Reifen nicht haben.«

Schon seinen Zeitgenossen galt Turner als Maler der Elemente. In seinen Landschaftsbildern kombinierte er Erde, Wasser, Luft und Feuer auf neuartige Weise und erforschte intensiv ihre Beziehung zueinander. Seine Vision der Elemente als Einheit von Kräften, die durch Energie miteinander fusionieren, war eng verknüpft mit den zeitgenössischen Forschungen in den Naturwissenschaften. Sein umwälzender Einsatz bildnerischer Mittel lässt sich derzeit in Hamburg wunderbar studieren.

Der englische Kunstkritiker und Freund Turners John Ruskin (1819-1900) bezeichnete den Maler in seiner Publikation »Modern Painters« – verfasst als Verteidigungsschrift des Malers – als den »einen einzigen Meister« der Himmelsdarstellung. Er allein habe dem »vernachlässigten oberen Himmel Aufmerksamkeit geschenkt«.

Das unsichtbare Element »Luft« verbanden die Maler seit der Frührenaissance mit der Herausforderung, die tiefenräumliche Erstreckung einer Landschaft zu gestalten. So versuchten sie mittels der Luftperspektive, die Einheit des Bildes aus der atmosphärischen Anmutung zu gewährleisten. Man stellte alle Erscheinungen, die sich in der Ferne des Bildes befanden, heller und blauer dar, zeigte den Mittelgrund grün und den Vordergrund in Erdfarben. Distanz wurde durch Unschärfe charakterisiert.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts indes empfanden die englischen Maler die Luftperspektive mit ihrer starren Farbschematik als unzureichend. Sie erkannten die Abhängigkeit gegenständlicher Erscheinungen in der Landschaft von Licht, Wolkenbewegung und Wetterumständen. In ihrer Farbwahl und ihrem Pinselduktus vermittelte sich der Eindruck des Transitorischen und Momenthaften. Zentraler Ausdruck dieser Einsicht in die Variabilität der Natur war die von John Ruskin »Wolkendienst« genannte Bewegung. Ruskin bemerkte die vibrierende Transparenz in Turners Werken und war der Meinung, bei ihnen nie auf, vielmehr durch den Himmel zu schauen.

Stundenlang soll Turner nach eigener Darstellung als kleiner Junge auf dem Rücken gelegen und in den Himmel geschaut haben, um dann zu Hause Wolken zu malen. Sein Mitarbeiter John Pye berichtete, wie Turner in Hampstead Heath die Wolkenbewegungen sowie den Wechsel von Licht und Schatten beobachtete. Aufmerksam registrierte Turner die Vielfalt der Wolkenformen, was sich in zahlreichen Studien, darunter viele aus den Jahren um 1817-19, niederschlägt. In dieser Zeit entstand das »Skies Scetchbook« mit 65 Aquarellskizzen. »Die Elemente sind bei Turner, ähnlich wie in den großen Historiengemälden und biblischen Darstellungen, die Akteure und bestimmen das Bildgeschehen«, erläutert Ortrud Westheider, die Chefin des Bucerius Kunstforums.

Packend sind Turners Darstellungen, die um das Element »Wasser« kreisen. Das Thema der unbezähmbaren Kraft des Wassers, die menschliche Bauwerke wie Leuchttürme angreift, beschäftigte Turner ein Leben lang. Schon die Studie »Sturzwelle« aus der Zeit um 1809/10 widmet sich der Naturgewalt ohne den gegenständlichen Vorwand des Themas »Schiffbruch«: Das aufschäumende Wasser bildet einen Strudel, der Himmel und Meer gleichermaßen erfasst. Er wirkt wie eine Explosion im homogenen Farbraum, in dem sich eine Oben und Unten negierende Raumumwälzung abzuzeichnen beginnt. Sie lässt sich als Vorgriff auf die Mahlstrom- und Strudelbilder der 1840er Jahre verstehen.

Wie eine Steilvorgabe wirkte für den Maler am 16. Oktober 1834 der Brand des Londoner House of Parliament. In jenem nun in Hamburg ausgestelltem Aquarell »Der Brand des Parlaments« zielte Turner auf eine Essenz des Ereignisses. Das Aquarell zeigt eine nächtliche Szene, in welcher das Wasser den Schein reflektiert. Sie ist dermaßen allgemeingültig, dass sie auch eine andere Feuerkatastrophe darstellen könnte, wie sie Turner im Aquarell »Der Brand von Rom« um dieselbe Zeit gestaltete. Turners Assoziationen der Londoner Katastrophe mit dem Brand von Rom gehören zu den verschiedentlich in seinem Werk auftretenden historischen Analogien, mit denen er immer wieder gegen Dekadenz und Verfall Stellung bezog.

Turners Werk der 1830er und 1840er Jahre ist reich an Katastrophenbildern. Eines davon beschäftigt sich mit der biblischen Urflut, nämlich das Gemälde »Licht und Farbe (Goethes Theorie)«. Es ist der »Morgen nach der Sintflut, Moses schreibt das Buch Genesis«. Hier thematisiert Turner nicht die Elemente in ihrer zerstörerischen Kraft, sondern als Chaos ungestalteter Anfangsenergie. Aus der Dunkelheit löst sich ein Lichtwirbel, der Feuer, Wasser, Licht und Erde als Einheit erscheinen lässt. Im Zentrum erscheint Moses als neuer Gesetzgeber. Das Spektakel der Elemente setzt einen kulturellen Neubeginn frei.

William Turner – Maler der Elemente, bis 11. September, Bucerius Kunstforum, Hamburg. Katalog.

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