Von Jürgen Holz
16.08.2011

Pechvogel Björn Otto ist sauer auf den Verband

Leichtathletik: Nach der WM-Nominierung ist der Stabartist trotz einer 5,80-Meter-Höhe nur Ersatzmann

Der Altmeister unter den deutschen Stabhochspringern, der 33-jährige Björn Otto (Dormagen), ist der Pechvogel der Nominierungsrunden des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für die WM im südkoreanischen Daegu (27. August bis 4. September) – und das Opfer des Verbandes. Otto wurde die Tür zur WM zugeschlagen.

Der WM-Fünfte von Osaka 2007, der damals in Japan dicht dran war, 5,91 Meter zu überspringen, womit er Weltmeister geworden wäre, hatte sich mit Blick auf den WM-Start 2011 zu früh gefreut. Nachdem er im Saisonverlauf wenig Glück hatte, die vom DLV geforderten WM-Normen (A-Norm 5,72 m, B-Norm 5,70 m) zu erfüllen, sprang er Anfang August im pfälzischen Landau im Stechen 5,80 m – so hoch, wie schon seit vier Jahren nicht mehr – und setzte sich dabei gegen seinen 22-jährigen Vereinskollegen Karsten Dilla (5,72 m) durch. Mit der Erfüllung der A-Norm machte sich Otto berechtigte Hoffnungen auf den einen noch offenen WM-Startplatz. Malte Mohr (München/5,81 m) und Raphael Holzdeppe (Zweibrücken/ 5,72 m) waren nach den deutschen Meisterschaften im Juli in Kassel bereits fest nominiert worden.

Doch Otto freute sich zu früh. Sein Höhenflug beim Marktplatzspringen in Landau wurde weder beim Weltverband IAAF noch vom DLV anerkannt, weil in Landau der Anlaufsteg nicht mit der vom Weltverband verlangten Lasermessung auf Gefälle geprüft worden ist. Das kam erst heraus, als die IAAF eine Prüfungsanfrage an die Wettkampforganisation des DLV stellte. Die Überprüfungen obliegen einem DLV-Verantwortlichen aus dem Bereich Wettkampforganisation oder einem von ihm beauftragten nationalen technischen Offiziellen.

Doch es wurde wieder einmal im Verband geschlampt – eine solche Messung gab es nicht. Die Opfer sind die Athleten. Wie schon im Fall der Wattenscheiderin Sabine Krantz, die bei den deutschen Gehermeisterschaften in Erfurt über 20 km mit 1:31:08 h Meisterin wurde und damit die WM-A-Norm der IAAF um fast acht Minuten und auch die DLV-B-Norm unterbot. Ihre Zeit erkannte der Weltverband zunächst nicht an, weil der DLV es versäumt hatte, den Nominierungswettkampf fristgerecht bei der IAAF anzumelden. Inzwischen lenkte die IAAF aber ein.

Übrigens: Nach den Erkenntnissen des Marktspringens in Landau kommen nun auch Zweifel auf, ob der deutsche Stabhochsprungrekord von Martina Strutz (Hagenow) mit 4,78 m in Karlsruhe tatsächlich Eingang in die Rekordlisten findet. Denn auch sie hatte diese Höhe auf einem Steg erzielt – ob mit oder ohne Lasermessung ist bis heute im DLV noch nicht geklärt.

Für Björn Otto wurde im letzten Nominierungsakt am Montag als dritter deutscher Stabartist Karsten Dilla berufen. Bundestrainer Jörn Elberding begründete das so: »Dilla war bei den deutschen Meisterschaften, die ein wichtiges Kriterium sind, mit 5,62 m als Dritter vor Otto mit 5,52 m als Vierter besser. Dilla hat auch den besseren Schnitt in den stärksten drei bzw. sechs Wettkämpfen. Er hat die WM-Norm zweimal erreicht, Otto nur einmal, wobei beiden die Normhöhen von Landau aberkannt wurden.«

Das besondere Pech für Björn Otto: Mit seinen 5,80 m von Landau wäre er zweitbester deutscher Stabartist dieser Saison und sein WM-Start unstrittig gewesen – statt nun nur Ersatzmann zu sein.

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