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Von Ulrike Henning 18.08.2011 / Wirtschaft

Pflege auf Wachstumskurs

Private Einrichtungen übernehmen immer größere Marktanteile

Die Pflege in Deutschland gilt als Wachstumsmarkt, dessen Volumen bis 2030 auf gut 47 Milliarden Euro steigen wird. 2009 lagen die Gesamtausgaben noch bei 30 Milliarden Euro.

Der private Arbeitgeberverband Pflege und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) Essen präsentierten am Mittwoch in Berlin das »Faktenbuch Pflege«. Darin werden Zahlen zu Marktanteilen von privaten und nicht-privaten Anbietern, zu Investitionshöhen und Fachkraftquoten zusammengefasst.

Schon 40 Prozent der Pflegeheime und 62 Prozent der ambulanten Dienste befinden sich in privater Trägerschaft, die übrigen sind freigemeinnützig, also von Caritas, Diakonie oder ähnlichen Organisationen geführt. Nur ein kleiner Anteil von zwei Prozent ist noch in öffentlicher Hand. Die privaten Pflegeeinrichtungen haben zwischen 1999 und 2009 125 000 der insgesamt 160 000 neuen Arbeitsplätze in der Branche geschaffen. Bis 2020, so Boris Augurzky vom RWI, würden noch einmal 170 000 Beschäftigte gebraucht, darunter mindesten 75 000 Fachkräfte, vermutlich eher mehr. Bis 2020 sollen weitere 35 Milliarden Euro investiert werden, dann befinden sich voraussichtlich zwei Drittel aller Pflegeplätze in privaten Einrichtungen.

Vermutlich entstehen in Zukunft eher kleinere Pflegeheime mit 90 bis 120 Betten, zumal viele Kommunen noch gar keine haben. Der Arbeitgeberverband wünscht sich Gesetzesänderungen und neue Regeln, um das Arbeitskräfteproblem zu lösen, darunter die schnellere Anerkennung der Berufsabschlüsse von ausländischen Fachkräften oder eine einfachere Qualifizierung von Hilfskräften im Arbeitsprozess.

Sogar eine sonst im Arbeitgeberlager nicht gern gesehene Möglichkeit kommt zu neuen Ehren, die Umlagefinanzierung für die Ausbildung. Alle Pflegeeinrichtungen jeglicher Trägerschaft müssen sich an den Ausbildungskosten beteiligen, damit nicht, wie häufig in der Wirtschaft, nur wenige Betriebe ausbilden und andere die qualifizierten Mitarbeiter anstellen. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gibt es die Umlagefinanzierung für die Pflege schon, im Saarland steht sie kurz vor der Realisierung, und schon wächst die Zahl der Ausbildungsverträge für diesen Bereich um 20 Prozent.

Angesichts guter Wachstumsprognosen und des verstärkten Engagements des Arbeitgeberverbandes Pflege stellt sich die Frage nach den Gewinnen. Das sei eine bunte Landschaft, heißt es ausweichend. Einige Zahlen dafür liegen jedoch vor, etwa im aktuellen »Pflegeheim Rating Report«, ebenfalls aus dem Hause RWI, zu den Autoren gehörte auch hier Boris Augurzky. Darin wurden 538 Jahresabschlüsse von über 1700 Pflegeheimen untersucht. Deren ökonomische Lage, so das Fazit, sei zwar besser als die von Reha- oder Akut-Kliniken, aber 14 Prozent der Heime mussten mit einer erhöhten Insolvenzgefahr rechnen, 69 Prozent lagen im grünen Bereich, der Rest dazwischen. Demnach schnitten Ketten besser ab als Einzelheime, die mit niedrigen Preisen standen besser da als die mit hohen. Immerhin nur knapp ein Prozent der Pflegeheime fürchteten 2009 die akute Zahlungsunfähigkeit. Einen weiteren, ähnlichen Einblick geben TED-Abfragen auf der Branchen-Messe Altenheim-EXPO, die im Juli in Berlin stattfand. Danach befanden sich 12 Prozent der erfassten Pflegeeinrichtungen in den roten Zahlen, 53 Prozent rangen um den Bilanzausgleich, nur 35 Prozent erzielten sichere Gewinne.

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