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Von Oliver Matz
03.09.2011

»Nur ich bin übrig geblieben ...«

Vor 70 Jahren begann die deutsch-faschistische Belagerung von Leningrad

Bild 1
Ein erschütterndes Zeugnis der barbarischen Belagerung Leningrads durch die faschistischen Okkupanten: das Tagebuch der elfjährigen Tanja Sawitschewa. Es endete mit dem Satz: »Jetzt sind fast alle tot. Nur ich bin übrig geblieben. Was soll nun werden?«

872 Tage dauerte die Belagerung von Leningrad, der Wiege der russischen Revolution. 872 Tage, in denen etwa eine Million Bewohner der Stadt verhungerten, erfroren oder den Bomben und Granaten der deutschen Belagerer zum Opfer fielen. Merkwürdigerweise ist die Tragödie dieser Stadt, die in ihren Ausmaßen Hiroshima, Nagasaki, Stalingrad oder den Warschauer Aufstand bei weitem übertraf, zumindest den Menschen im Westen der Republik bis heute kaum bekannt.

Als die 18. deutsche Armee am 8. September 1941 den Vorort Leningrads, die Stadt Schlüsselburg eingenommen hatte, waren sich die Soldaten der Wehrmacht sicher, dass der Fall der Metropole an der Newa nur noch eine Frage von Tagen wäre. Von ihren vorgeschobenen Stellungen können die Spitzen der Truppen bereits die goldenen Kuppeln der Stadt ausmachen. Völlig unerwartet erteilt Adolf Hitler seinen Armeen den Haltebefehl, die Stadt soll durch Einschließung und Hunger dem Erdboden gleich gemacht werden. Motiv für diesen Verzicht auf eine Erstürmung der Stadt ist die Angst vor hohen Verlusten infolge des zu erwartenden Häuserkampfes.

Hitler fordert die völlige Auslöschung

Eine Kapitulation soll durch die Einschließung nicht erreicht werden. Stattdessen sollen die Wasserwerke, Lagerhäuser, Licht- und Kraftquellen zerstört und somit die Stadt ihrer Lebens- und Verteidigungsfähigkeit beraubt werden. Jedes Ausweichen der Zivilbevölkerung ist unter Waffeneinsatz zu verhindern. Adolf Hitler stellt am 29. September 1941 klar: »Sich aus der Lage in der Stadt ergebende Bitten um Übergabe werden abgeschlagen werden, da das Problem des Verbleibens und der Ernährung der Bevölkerung von uns nicht gelöst werden kann und soll. Ein Interesse an der Erhaltung auch nur eines Teils dieser großstädtischen Bevölkerung besteht in diesem Existenzkrieg unsererseits nicht.«

Die 3,2 Millionen Bewohner Leningrads sollen verhungern. Eines der größten deutschen Kriegsverbrechen nimmt seinen Lauf. Stalin hatte darauf verzichtet, große Lebensmittelvorräte in der Stadt anlegen zu lassen und den Großteil der Zivilbevölkerung zu evakuieren. Und das, obwohl sich die Bedrohung der Stadt durch den Vormarsch der deutschen und finnischen Streitkräfte seit Wochen abzeichnete. Wie lange können die Bewohner unter diesen Umständen überleben? Eine Zählung der Lebensmittelvorräte am 12. September 1941 ergibt, dass Getreide und Mehl nur für 35 Tage vorhanden sind. Nährmittel und Teigwaren für 20, Fleisch für 33, Fett für 45, Zucker und Süßigkeiten für 60 Tage.

Hunger und minus 30 Grad

Die täglichen Lebensmittelrationen für die Bewohner werden streng begrenzt und in der Folge immer weiter gekürzt. Im November bestehen sie nur noch aus einer Scheibe Ersatzbrot pro Kopf und Tag – aus Sägemehl, verrotetem Korn, das vom Hafengrund heraufgebaggert wird. Bereits im Oktober sind die ersten Hungertoten zu verzeichnen. Die Polizei findet sie auf den Straßen. Die Todeszahlen vervierfachten sich im Dezember. Der Winter 1941/42 ist sogar nach russischen Maßstäben unerhört kalt. Die Temperaturen fielen auf minus 30 Grad Celsius oder noch tiefer. Im Januar und Februar 1942, erreicht das Sterben seinen Höhepunkt: Fast 100 000 Menschen fallen pro Monat Hunger und Kälte zum Opfer. Die elfjährige Tanja Sawitschewa hält das Sterben exemplarisch für Hunderttausende andere Leningrader in ihrem Tagebuch fest:

»28. Dezember 1941, Schenja (die Schwester) ist heute kurz nach Mitternacht gestorben.

Oma ist am Nachmittag gegen drei Uhr gestorben, wir haben den 25. Januar 1942.

Ljoka um fünf Uhr morgens gestorben, am 17. März 1942.

Onkel Wassja um zwei Uhr nachmittags am 13. April 1942 verstorben.

Onkel Ljoscha haben wir heute um vier Uhr nachmittags für immer verloren. 10. Mai 1942.

13. Mai 1942, Mutti gegen acht Uhr früh gestorben. Jetzt sind fast alle tot. Nur ich bin übrig geblieben. Was soll nun werden?«

Tanja Sawitschewa ist die Tochter eines Bäckers und einer Schneiderin, das Nesthäkchen der Familie. Als die Rote Armee Ende Januar 1944 den Belagerungsring durchbricht, wird Tanja von einigen Sanitätern entdeckt und zusammen mit 140 anderen halbverhungerten Kindern in die Gegend um Gorki evakuiert. Trotz der Bemühungen von Ärzten stirbt sie am 1. Juli 1944 an Entkräftung. Ihr Tagebuch gehört während des Nürnberger Prozesses zu den Beweismitteln der Anklage im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher.

Flucht über den Ladoga-See

Unter Aufbietung aller Kräfte hält die Stadt den Belagerern stand. Im Winter 41/42, geht die Rote Armee zum Gegenangriff über. Es gelingt ihr, eine Versorgungsstraße über den zugefrorenen Ladogasee einzurichten. Diese Straße wird von den Bewohnern der Stadt bis heute als Straße des Lebens bezeichnet. Sie wird erstmals am 10. November 1941 mit Pferdeschlitten befahren. Wenig später werden auch Lastkraftwagen eingesetzt. Im ersten Winter kann dieser Versorgungsweg 152 Tage für Transporte genutzt werden, 514 000 Leningrader und etwa 35 000 verwundete Soldaten können die Stadt über den zugefrorenen See verlassen.

Die Deutschen geraten in den kommenden Monaten und Jahren immer weiter in die Defensive. Bereits im zweiten Kriegswinter kann die Stadt über die nun erprobte Eisstraße erheblich effizienter versorgt werden. Im Januar 1943 gelingt es der Roten Armee bei Schlüsselburg, eine kleine Schneise in den Belagerungsring zu schlagen. Am 27. Januar 1944 unternimmt die russische Armee ihren sechsten Versuch. Die deutschen Linien brechen nun rasch zusammen und die Stadt kann ihre Befreiung feiern. Mit einem gewaltigen Siegessalut aus Geschützen und Feuerwerk begehen die Bewohner das Ende ihrer Leidenszeit.

Im heutigen Petrograd ist die Erinnerung an den Krieg und die Leiden der Bewohner allgegenwärtig. Alljährlich führt die Petersburger Philharmonie am Jahrestag der Befreiung Dimitri Schostakowitschs Siebte Symphonie auf. Der gebürtige Petersburger hatte die ersten beiden Sätze in der belagerten Stadt komponiert und ihr das Werk gewidmet.

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