Von Klaus Joachim Herrmann
09.09.2011

Rot-Rot auf der Kippe

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Wer die Hauptstadt regiert, wird am 18. September mit der Wahl des Abgeordnetenhauses entschieden.

Es geht um Rot-Rot. Die Umfragewerte von SPD und LINKE werden regelmäßig addiert. Mal hat das Regierungsbündnis eine Mehrheit, mal nicht – seine Neuauflage steht auf der Kippe. Die Sozialdemokraten werden wohl als stärkste Partei unter den Konkurrenten LINKE und Grüne ihren Partner wählen. Dazu müssen die »Schnittmengen« stimmen – und die Prozente. Sogar die CDU bleibt eine – wenn auch ungeliebte – Option.

Für die LINKE und ihren Spitzenkandidaten Harald Wolf ist Rot-Rot die einzige Möglichkeit. Es gebe noch viel zu tun und zu verteidigen, sagen sie. Das einst sensationelle Regierungsbündnis währt nun zehn recht erfolgreiche Jahre. Lässt sich auch Wechselstimmung nicht so recht ausmachen, so aber doch vielleicht ein leichtes Übermaß an Normalität und Gewöhnung. Doch Wolf bleibt Optimist und modifiziert einen alten Satz des grünen Ex-Senators Wolfgang Wieland: »Die Grünen gewinnen die Umfragen, die LINKE die Wahlen.«

Einige Zeit stand der Kampf um das Rote Rathaus in Berlin im Zeichen eines Duells– das entsprach den Wünschen von SPD und Grünen. Denn Zweikampf polarisiert und mobilisiert. Zuspitzung bringt Klarheit durch Vereinfachung. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf die Akteure. Das wären in diesem Falle der sozialdemokratische Amtsinhaber Klaus Wowereit und die Grünen-Kandidatin Renate Künast geblieben. Doch auf Augenhöhe verharrten die Kontrahenten nicht lange. Die SPD stieg, die Grünen ließen nach.

Direkte Duelle pflegt nur noch der öffentlich-rechtliche TV-Landessender RBB – Wowereit gegen Frank Henkel (CDU), Wowereit gegen Künast. Keins mit Wolf. Das wirkliche Duell findet aber längst um Rot-Rot statt.

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