München (dpa/ND). Bayerns Schulsystem steht vor einer großen Neuerung: der Inklusion behinderter Kinder an den Regelschulen. Seit dem 1. August ist das sogenannte Inklusionsgesetz in Kraft, das behinderten Kindern den Zugang zu allen Schulen ermöglichen soll. Doch die Finanzierung ist ungewiss, die Kommunen fürchten Kosten in Milliardenhöhe. Daher droht die Umsetzung des Gesetzes zur Hängepartie zu werden. Die Städte und Gemeinden wollen nicht auf den Kosten sitzen bleiben. »Der Freistaat muss hier in seine Verantwortung genommen werden«, fordert der Bildungsreferent des Bayerischen Gemeindetags, Gerhard Dix. Der Freistaat habe das Gesetz gemacht, also müsse er auch das Geld bereitstellen. Bürgermeister drohen bereits mit Klagen. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) spricht von einem »Spannungsfeld«.
Unklar ist bislang, was die Umsetzung der Inklusion genau kostet. Nach Berechnung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) fällt allein für bauliche Maßnahmen wie die Ausstattung der Schulen mit Rampen und Aufzügen ein Betrag in Milliardenhöhe an. Das Kultusministerium nennt diese Summe dagegen »grotesk«. Die Kosten seien längst nicht so hoch, betont ein Sprecher, ohne eine konkrete Zahl zu nennen.
Das Ergebnis: Die Kommunen können sich nur unzureichend auf die neuen Schüler und baulichen Veränderungen einstellen. »Wir wissen überhaupt nicht, wo die Reise hingeht«, kritisiert Dix. Dabei seien längst nicht alle Schulen auf Kinder mit Behinderung vorbereitet. »Bayern besteht nicht nur aus Schulneubauten. Gerade in den kleineren Gemeinden haben wir eine große Anzahl von Altbeständen, die bei weitem nicht alle barrierefrei sind«, sagt Dix. Bereits zum kommenden Schuljahr werden nach Angaben des Kultusministeriums 41 Schulen in Bayern inklusiven Unterricht für behinderte und nicht-behinderte Schüler anbieten.
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