Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Marcus Meier 12.09.2011 / Inland

Eine neue Strategie soll es richten

NRW-Linkspartei schärft antikapitalistisches Profil und will Rot-Grün stärker unter Druck setzen

Antikapitalismus statt Selbstzerfleischung: So will die LINKE in NRW aus der Defensive kommen. Auf dem Landesparteitag in Mühlheim an der Ruhr wurde Oskar Lafontaine gefeiert.

Gleich zu Beginn seiner Rede stärkte Oskar Lafontaine den umstrittenen Bundesvorsitzenden der Linkspartei den Rücken: Wer von außen angegriffen werde, müsse die Solidarität der Partei erfahren. Zwar habe Fidel Castro »viel auf dem Kerbholz«. Doch er habe »eine Insel« von einer brutalen Diktatur befreit, so der Parteitagsgastredner mit Blick auf einen von Gesine Lötzsch und Klaus Ernst unterzeichneten Geburtstagsbrief, der Negativ-Schlagzeilen ausgelöst hatte. Derweil würden wir alle immer noch in einer »feudalen Ordnung« leben, einer »Diktatur der Finanzmärkte« mit ihren völlig aus dem Ruder gelaufenen »Zockerbuden«, kritisierte Lafontaine. Die Bundesregierung fühle sich lediglich den Interessen der Börsen und Ratingagenturen verpflichtet. Die LINKE müsse der »Hybris der Konservativen« ein »kämpferisches Selbstbewusstsein entgegensetzen«. Klare Kante, klarer Kurs: Lafontaine streichelte die Seele der auch in NRW gebeutelten Genossinnen und Genossen. Als der Ex-Parteichef das Rednerpult nach einer Stunde verließ, waren ihm stehende Ovationen sicher.

In den Niederungen der Landespolitik bleibt indes mühsame Konsenssuche angesagt. Das gilt insbesondere für die Gretchenfrage linker Politik an Rhein und Ruhr: Wie soll die Landtagsfraktion sich zum Landeshaushalt verhalten? Die Etats 2010 und 2011 hat die Linksfraktion jeweils durch Stimmenthaltung ermöglicht und dabei – trotz Bauchschmerzen – darauf verzichtet, der rot-grünen Minderheitsregierung ein Bein zu stellen. Das hätte auch mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Neuwahlen geführt – mit klarer rot-grüner Mehrheit und wohl einem Landtag ohne die LINKE.

Nun soll es eine neue Haushalts-strategie richten: Eine linke Enthaltung soll künftig nur dann möglich sein, wenn Rot-Grün einen »substanziellen Teil der Steuermehreinnahmen« für »zusätzliche Investitionen und Ausgaben in gesellschaftlich dringliche Belange« ausgeben wolle, insbesondere ein Sozialticket für den ÖPNV. Die Partei müsse der Fraktion dabei frühzeitig »die grundsätzliche Richtung vorgeben«, die zudem gegenüber der Öffentlichkeit klar kommuniziert werden soll. Das Ziel: gegenüber Rot-Grün einen größeren Druck aufzubauen.

Die LINKE könne nur stärker werden, wenn sie sich »nicht weiter mit sich selbst« beschäftige, »sondern selbstbewusst ihren antikapitalistischen Kurs hält«, heißt es in einem Leitantrag des Landesvorstandes. Er wurde auf dem Landesparteitag fast einstimmig beschlossen.

Heftig diskutiert wurde ein Antrag, der den Schlüssel für die Verteilung der Mitgliedsbeiträge temporär zu Gunsten des Landesverbandes ändert, um dessen Professionalisierung weiter voranzutreiben. Die Kreisverbände erhalten nun lediglich 40 statt 50 Prozent. Das gilt solange, bis der Durchschnittsbeitrag in NRW um einen Euro pro Monat gestiegen sein wird. Derzeit liegt er bei als lausig empfundenen 5,76 Euro.

Der Landesparteitag diskutierte auch den Entwurf für ein Bundesprogramm der Linkspartei: Die Delegierten wollen einen Austritt aus der NATO und einen Verzicht auf jegliche Auslandseinsätze der Bundeswehr. Brisant: Die Programmentwurfspassagen zum Öffentlich geförderten Beschäftigungssektor (ÖBS) wurden vom Parteitag abgelehnt: Der ÖBS sei »gänzlich ungeeignet«, um Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen – und vielmehr Ausdruck »der Hartz-IV-Logik« und damit »der Spaltung der Erwerbslosen«. Dies ist ein Affront gegen ostdeutsche Landesverbände, die den öffentlich geförderten Beschäftigungssektor auf- bzw. ausbauen wollen. So wurden etwa im rot-rot regierten Berlin bis 2009 mehr als 5000 ÖBS-Stellen geschaffen.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

4 Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
  • Ani-metaber, 11. Sep 2011 20:45

    geht’s auch ne Nummer kleiner?

    „Dies ist ein Affront gegen ostdeutsche Landesverbände“

    Darf man auch von anderer Auffassung reden?

    • Permalink

  • OBJZ, 11. Sep 2011 23:18

    Konzentrierung auf soziale Gerechtigkeit - wiederhole: soziale Gerechtigkeit!

    Aus der weiten Ferne gesehen: Die Linke in Deutschland sollte die Interessen der Waehler fuer soziale Gerechtigkeit ihr Zentralthema machen. Die Partei der sozialen Gerechtigkeit. Auch die schon erwaehnte Unterstuetzung des selbstaendigen Handwerks und der beruflich Unabhaengigen. Die Umwelt sind das Zentralthema der Gruenen. Die anderen Parteien stehen fuer ein "starkes" Deutschland als "Partner" der USA. Die akademischen Debatten ueber den "Weg zum Kommunismus" und die "internationale Solidaritaet" sind wegen der umstrittenen Geschichte nicht hilfreich fuer ein sozialistische Partei im Deutschland 2011. Auch linke Parteien in anderen Nationen moegen noch nicht besonders an publizierte Solidaritaet von Deutschland interessiert sein.

    • Permalink

  • Rotspoon, 12. Sep 2011 13:54

    Der ÖBS hat keine Perspektive

    Er hat in Kommunen, Ländern und im Bund - also im so genannten Öffentlichen Dienst - Ausmaße angenommen, die nicht mehr bezahlbar sind. In diesem Sektor werden Beamte lebenslänglich ruhig gestellt - das kann auf die Dauer nicht gut gehen.

    Nun wollen die nordostdeutschen Linken sogar bisher noch nicht angedachte Tätigkeiten erfinden, um weitere Massen in Arbeit zu bringen. Das kann nicht gut gehen.

    Übrigens: Es stände den demokratischen Sozialisten gut zu Gesicht, wenn sie eine generelle Verkürzung der gesetzlichen Arbeitszeit fordern würden. Nach 90 Jahren wird es nämlich wieder mal Zeit. Aber das ist dann wieder eine Nummer zu groß, was ANI?

    • Permalink

  • Rotspoon, 12. Sep 2011 14:05

    Aber wo bitte schön

    hat sich das antikapitalistische Profil versteckt? Soll sich dochmalsehen lassen.

    • Permalink

Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
26.05.2012 | Marcus Meier

Sind Frauen die besseren Politiker?

24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter

Zum Shop

Sie sind gefragt

Velothon 2012

nd stellt eine Mannschaft zusammen
nd-Sonderbeilagen

Beilagenplan 2012

Die Sonder- veröffentlichungen in der Übersicht
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.