Auch eine Legende hat es nicht immer einfach. Viermal war der Äthiopier Haile Gebrselassie Weltmeister , zweimal Olympiasieger, er hält den Weltrekord auf den klassischen 42,195 Kilometern: 2:03:59 Stunden. Stets hat er ein Lächeln auf den Lippen, sogar beim Laufen. Als ihn der Renndirektor des Berlin-Marathons, Mark Milde, gestern Vormittag auf die Bühne der Pressekonferenz gebeten hatte, verriet der 38-jährige Wunderläufer aus Addis Abeba, dass in seiner Karriere dennoch ein entscheidender Glanzpunkt fehlt. Er verriet es mit einem Lächeln: »Die Leute zu Hause fragen mich: Du bist Olympiasieger? Worin? Wenn ich dann ›10 000 Meter‹ sage, winken sie ab! 10 000 Meter! In Äthiopien zählt seit Abebe Bikila nur der Marathon!«
1960 und 1964 lief der unvergessene Bikila barfuß zu Olympiagold. Haile Gebrselassie will dem unerreichtbaren Idol der äthiopischen Langstreckenläufer nachfolgen, er will noch einmal Anlauf nehmen auf Olympiagold, nachdem er 2010 nach dem New York-Marathon eigentlich schon seinen Rücktritt verkündet hatte. Der Berlin-Marathon am Sonntag ist sein Comeback. »Es geht hier nicht um den Sieg, es geht um die Zeit!«, sagt Gebrselassie, der in Berlin nach seinen vier Siegen (2006 bis 2009) längst zum Publikumsliebling geworden ist. »Ich muss einfach schnell laufen, denn nur drei aus Äthiopien werden in Äthiopien dabei sein.« Wie stark Gebrselassie ist, weiß niemand. Sein Manager Jos Hermens sagt, Haile sei »fantastisch drauf«: »Er kann noch lange Zeiten von 2:04 oder 2:05 Stunden laufen.«
Sechs Tempomacher hat Renndirektor Mark Milde engagiert, sie sollen über 30 Kilometer nicht nur für Weltrekordler Gebrselassie, sondern auch für seinen Konkurrenten Patrick Makau aus Kenia hochhalten. Der 26-Jährige gilt als einer der Läufer, die den Weltrekord brechen können. Und Berlin gilt als eine der schnellsten Marathonstrecken weltweit. »Ich werde mein Bestes geben«, sagt Makau. Er sei froh, gegen Gebrselassie anzutreten. »Von einem erfahrenen Athleten wie ihm kann ich noch viel lernen.«
Womöglich kann Patrick Makau dem Weltrekordler in Berlin sogar eine Niederlage bereiten, denn im Finish gilt Makau als einer der Besten. »Auf den letzten 100, 150 Metern bin ich wirklich nicht so schlecht«, sagt er.
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