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Von Christian Bunke 05.10.2011 / Wirtschaft

Funkenflug gegen Gewerkschaften

Elektriker auf britischen Großbaustellen organisieren sich zunehmend autonom

Wenn Funken fliegen, dann gibt es bald Feuer. Sparks, Funken, so werden in der britischen Bauindustrie die Elektriker genannt. Bei Arbeitskämpfen auf Baustellen waren die Sparks immer vorne mit dabei. Jetzt haben sich Widerstandskomitees gegründet, die auch den etablierten Gewerkschaften auf die Füße treten sollen.

Es herrscht wieder Aufregung in der britischen Baubranche. Die acht größten Bauunternehmen wollen aus dem nationalen Tarifsystem aussteigen. Hier werden unter anderem Arbeitszeiten und Löhne geregelt. Unter dem Vorwand der Wirtschaftskrise fordern die Unternehmer nun einschneidende Veränderungen. So sollen die Löhne drastisch gekürzt werden: Elektriker könnten mit dem neuen System rund 7000 Pfund (rund 8000 Euro) jährlich verlieren, eine Gehaltskürzung von 35 Prozent.

Auch das Streikrecht ist in Gefahr. Die Gewerkschaften sollen bis Anfang Dezember eine »Nichtstreikerklärung« unterschreiben. Offen fordern die Bauunternehmer, alle Beschäftigten zu entlassen, die sich bis dahin nicht dem neuen Regime unterworfen haben.

In Manchester trafen sich am Wochenende rund 100 Elektriker, um ein weiteres Widerstandskomitee zu gründen. In den vergangenen Wochen haben sich diese Komitees von London ausgehend in ganz Großbritannien ausgebreitet. Rund 1200 Mitglieder gibt es bisher. Jede Woche kommt es in London zu Protesten und direkten Aktionen an Baustellen. Auch auf Großbaustellen in Lindsey und Saltend kam es zu spontanen Arbeitsniederlegungen.

Die hier ohne Mitwirkung offizieller Gewerkschaftsstrukturen entstehende Bewegung ist eine Genugtuung für Gründungsmitglied Steve Acheson. Steve ist einer von Tausenden, die aufgrund gewerkschaftlicher Aktivitäten auf einer schwarzen Liste der Bauindustrie stehen. Seit Jahren findet er keine Arbeit, hat faktisch Berufsverbot. »Der jetzige Angriff auf unsere Löhne und Arbeitsbedingungen kann nicht ohne die schwarze Liste erklärt werden«, meint Acheson. »Seit Jahren haben die Arbeitgeber uns auf den Baustellen gespalten und alles unternommen, um effektive Organisation unmöglich zu machen. Viele Bauarbeiter werden nur noch als Leiharbeiter geholt. Auf großen Baustellen sind unterschiedlichste Leiharbeitsfirmen aktiv, oft kommen auf 20 Arbeiter eine Firma.«

Die Gewerkschaft UNITE beobachtet die Initiativen mit Argwohn, wirft ihnen Spalterei vor. Fragt man die Sparks, dann geht es ihnen nicht darum, eine neue Gewerkschaft zu gründen. Sie fordern aber innergewerkschaftliche Demokratie ein. Auf den meisten Baustellen sind die Vertrauensleute nicht gewählt, sondern mit Einverständnis der Bauunternehmen eingesetzt. Als die sogenannten schwarze Liste in der Bauindustrie aufflog, kam auch die Mitwirkung vieler gewerkschaftlicher Hauptamtlicher und Vertrauensleute an dieser Berufsverbotstaktik ans Licht. Das Vertrauen zwischen Apparat und Basis ist seit langem erschüttert.

Hinzu kommt die Zögerlichkeit, mit der die Gewerkschaft UNITE dem Angriff der Unternehmen entgegengetreten ist. UNITE, so wurde auf dem Treffen in Manchester berichtet, will erst im Januar eine Urabstimmung für einen Streik einleiten. Dann soll aber eventuell nur ein Bauunternehmen ausgewählt und bestreikt werden. Die Sparks fordern einen Streik in der gesamten Industrie. Sie verweisen darauf, dass bereits ab Dezember Leute entlassen werden sollen.

»Wir müssen nun den Job machen, den die Gewerkschaft eigentlich machen sollte«, so Acheson weiter. »Wir werden in den nächsten Wochen zu allen Baustellen gehen, über die Lage informieren, Proteste organisieren und eine Streikbewegung vorbereiten.«

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • gdilger, 05. Okt 2011 17:19

    gekaufte Gewerkschaften

    15 Jahre Lohnstillstand und Ausdehnung der Leiharbeit plus befristeter Arbeitsverhältnisse ist ohne "Mitwirken" der DGB-Gewerkschaften in der BRD nicht erklärbar.

    • Permalink

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