Von Christin Odoj
07.10.2011

Zwischen »Ethik und Monetik«

Klinikkonzern Vivantes bleibt Landesbesitz / Einsparungen bei Personalkosten

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Im Vivantes Klinikum Friedrichshain werden jährlich 81 000 Patienten behandelt.

Wettbewerbsfähigkeit. Kein Wort fiel auf der am Donnerstag veranstalteten Pressekonferenz des landeseigenen Krankenhausunternehmens Vivantes öfter. Nach Verhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di und dem Land Berlin sollen bis zum Jahr 2020 zahlreiche finanzielle Zusicherungen den Klinikkonzern auf dem hart umkämpften Gesundheitsmarkt konkurrenzfähig erhalten.

Insbesondere durch die Aufnahme neuer Kredite, die das Land Berlin als Gesellschafter absichert, sollen in den kommenden fünf Jahren Investitionen in Höhe von 200 Millionen Euro getätigt werden. Darüber hinaus hat das Land Berlin dem Klinikunternehmen zugesichert, bis einschließlich 2020 keine Gewinnausschüttung an den Senat abführen zu müssen. So bleiben in diesem Zeitraum, laut der gemeinsam abgegebenen Erklärung, rund 90 Millionen Euro in der Hand der Klinik. Zusätzlich zahlt das Land Berlin im laufenden Jahr einen Zuschuss zum Eigenkapital, der sich noch einmal auf fünf Millionen Euro beläuft. Außerdem verspricht der Senat, auf absehbare Zeit keine Teilbereiche der Klinik zu veräußern.

Derartige Zugeständnisse an Vivantes sieht Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) vor allem als Vertrauensbeweis an den Klassenprimus im öffentlichen Krankenhauswesen. Während die Charité mit Millionensummen verschuldet ist, haben die Vivantes-Kliniken im Jahr 2010 einen Gewinn von 6,3 Millionen Euro verzeichnet. »Vivantes hat große Anstrengungen unternommen, um dem Land nicht zur Last zu fallen. Das ist lobenswert und diese Leistung erkennen wir entsprechend an«, erklärte Nußbaum.

Einen großen Anteil an den schwarzen Zahlen trägt die Belegschaft, die seit dem zehnjährigen Bestehen des Klinikkonzerns rund 250 Millionen Euro an Gehaltskürzungen, zum Beispiel beim Weihnachtsgeld, hingenommen hat. Auch in Zukunft wird ein erheblicher Teil der Einsparungen über die Personalkosten laufen. Zwar wird es laut Vivantes-Geschäftsführer Joachim Bovelet keine betriebsbedingten Kündigungen geben, aber etwaigen Tariferhöhungen setzt man bereits in der gemeinsamen Erklärung die Umwandlung in Arbeitszeitverkürzungen entgegen. Für den Betriebsratsvorsitzenden Giovanni Ammirabile stellt das Papier daher nur einen Kompromiss zwischen »Ethik und Monetik« dar.

Mit den eingesparten Geldern sollen zunächst die Erneuerung der Psychiatrie in Hellersdorf für 28 Millionen Euro sowie die komplette Stationssanierung des Urban-Klinikums in Kreuzberg finanziert werden. Am Standort Friedrichhain wird für 45 Millionen Euro ein neuer Bettentrakt entstehen.

Außerdem ist man laut Geschäftsführung sehr daran interessiert, den Ausbau der Komfortstationen im gehobenen Kliniksegment voranzutreiben.