Von Antje Stiebitz
11.10.2011

Großinvestoren vertreiben Menschen

Oxfam fordert Vorrang der bestehenden Landrechte

Die Hilfsorganisation Oxfam warnt in ihrem kürzlich neu erschienenen Bericht vor einem weltweit ansteigenden Ausverkauf von Land durch Großinvestoren. Die Menschen, denen das Land vormals als Lebensgrundlage diente, werden häufig einfach vertrieben.

Augustin Allen bekam 1997 im Distrikt Mubende, Uganda, 31 Morgen Land zugesprochen, da sein Vater im Zweiten Weltkrieg für die Briten kämpfte. Er baute Bananen, Kaffee, Bohnen und Mais an. Das meiste davon verkaufte er an Händler, konnte seine neun Kinder ernähren und das Schulgeld für sie zahlen. Im Dezember 2009, berichtete er gegenüber Oxfam, seien Regierungsminister gekommen und hätten den Menschen mitgeteilt, dass sie im Februar ihre Häuser verlassen müssen. Sie sagten uns, dass wir Eindringlinge seien, führte der der 52-jährige aus, und während der Vertreibungen haben sie unsere Pflanzungen zerstört und unser Haus in Flammen gesetzt und zertrümmert. Andere Betroffene sprechen, laut Oxfam, von Schlägen.

Vertrieben zu Gunsten der Holzwirtschaft

Ähnliche Fälle existieren aus dem ugandischen Distrikt Kiboga. Oxfam schätzt, dass zwischen 2006 und 2010 aus beiden Distrikten rund 22.500 Menschen vertrieben worden sind. Und zwar zu Gunsten der in Großbritannien registrierten New Forest Company (NFC). Ein Unternehmen, das in Uganda, sowie anderen ostafrikanischen Ländern Holzwirtschaft betreibt. Viele der Vertriebenen, so Oxfam, sagten aus, dass auch Mitarbeiter der NFC an den Vertreibungen beteiligt waren. Dies würde die Firma allerdings bestreiten.

Die Organisation Oxfam geht nach ihrem, allerdings noch vorläufigem Untersuchungsbericht davon aus, dass seit 2001 weltweit bis zu 227 Millionen Hektar Land aufgekauft oder gepachtet wurden, der größte Teil davon in den letzten zwei Jahren. Das entspricht etwa der Fläche Westeuropas. In den meisten Fällen, erklärt die Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale, handele es sich um Landgrabbing. Das bedeute, dass die Investoren die Rechte und Bedürfnisse der Menschen ignorierten, die davon lebten das Land zu bearbeiten. »Sie verlieren ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlagen, ohne zuvor angehört oder entschädigt zu werden und ohne die Verträge anfechten zu können.« Zu derartigem Geschehen hat Oxfam in dem Bericht Beispiele aus Uganda, Indonesien, Honduras, Guatemala und dem Südsudan zusammengetragen.

Regierungen schützen die Unternehmen

Das steigende Interesse an Land könnte für die Kleinbauern und Viehhalter von Vorteil sein, argumentiert Oxfam, würden ihre Rechte gewahrt. Doch da diese ihre Ansprüche gegenüber den lokalen Eliten und finanzstarken Investoren nicht verteidigen können, verlieren sie ihre Lebensgrundlage. Die nationalen Regierungen, die eigentlich die Pflicht hätten die lokal Ansässigen zu schützen, stellten sich stattdessen hinter die großen Unternehmen, da ihre Investitionen Gewinne versprechen.

Oxfam fordert, dass Regierungen und Unternehmen künftig die betroffenen Kleinbauern, nomadischen Viehzüchter und Indigenen angemessen informieren und anhören. »Bestehenden Landrechten sollte Vorrang vor Investoren-Interessen eingeräumt werden«, verlangt Marita Wiggerthale. »Und zwar nicht nur, wenn legale Landtitel oder formale Besitzverhältnisse bestehen, sondern auch dort, wo Gewohnheitsrechte bestehen und Land traditionell seit Generationen bewirtschaftet wird.« Mit Blick auf den im Oktober stattfindenden UN-Welternährungsausschuss in Rom macht sie darauf aufmerksam, dass auch auf internationaler Ebene endlich gehandelt werden muss. Dort sollen Leitlinien zu Landnutzungsrechten verabschiedet werden.

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