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»Yasuní-Initiative ist auf gutem Weg«

ND-Interview mit dem ecuadorianischen Botschafter in Deutschland

Das ecuadorianische Klimaschutzprojekt Yasuní-ITT war jüngst am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen Thema eines hochrangig besetzten Treffens.
Helge Buttkereit befragte Ecuadors Botschafter in Deutschland,
Jorge Jurado, für ND zum derzeitigen Stand des Projektes und zur deutschen Rolle.
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Die Ölförderung im Yasuní-Nationalpark ist noch längst keine beschlossene Sache, die Diskussion läuft.

ND: Die Yasuní-Initiative sieht vor. dass die internationale Gemeinschaft Geld in einen UN-Treuhandfonds zahlt, um Ecuador der Notwendigkeit zu entheben, das im Yasuní-Nationalpark liegende Ölvorkommen auszubeuten. Wie ist der derzeitige Stand?
Jurado: Die Yasuní-Initiative ist nach dem Treffen am Rande der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York auf einem guten Weg. Dort haben sich auf Einladung von Generalsekretär Ban Ki-Moon und Präsident Rafael Correa verschiedene Regierungsvertreter, Repräsentanten der Industrie und Privatleute getroffen und mittlerweile sind 50 Millionen Euro zusammengekommen. Ich glaube, es ist noch stärkere Arbeit nötig, aber wir werden das Projekt am Leben erhalten.

Das heißt also, nach derzeitigem Stand wird das Öl im Yasuní-Nationalpark ab 2012 nicht gefördert?
Präsident Correa hat sich nicht in dieser Richtung geäußert. Vielmehr hat er geäußert, dass er weiter für die Initiative arbeiten möchte und dass auch wir dafür arbeiten sollen.

Sie haben kürzlich auch selbst mit dem Präsidenten gesprochen?
Ich habe ganz kurz mit ihm gesprochen und ihm ein sehr interessantes Papier übergeben. Darin geht es um erste Forschungsergebnisse einer Wissenschaftlerin, die eine Verbindung zwischen Gesundheitsproblemen und der schwindenden Biodiversität auf globaler Ebene hergestellt hat. Präsident Correa war sehr interessiert daran.

Rafael Correa wurde zuletzt auch in dem Sinne zitiert, dass er persönlich das Öl lieber fördern würde. Wie schätzen Sie das ein?
Das ist dasselbe, was er schon vor zwei Jahren gesagt hat. Präsident Correa hat immer mit offenen Karten gespielt. Von Anfang an hat er gesagt: Wir haben hier zwei Wege. Wir gehen den einen Weg. Sollte diese Initiative aus irgendeinem Grund nicht funktionieren, bleibt uns nichts anderes übrig, als das Öl zu fördern. Mit den besten technologischen Möglichkeiten, damit die Einwirkung auf die Umwelt so gering wie möglich ist.

Die Bedeutung Deutschlands für die Initiative ist immer wieder betont worden. Die Bundesrepublik war ursprünglich einer der wichtigsten Unterstützer. Nach dem Regierungswechsel 2009 hat sich das geändert. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel hat sich gegen den Mechanismus ausgesprochen und blockiert derzeit die deutsche Beteiligung an den Zahlungen. Wie bewerten Sie die Rolle Deutschlands?
Meine Meinung als Botschafter ist es, dass Deutschland immer noch eine sehr große Bedeutung hat. Wir dürfen nicht vergessen, dass es 2008 einen einvernehmlichen Beschluss des Bundestags für die Yasuní-Initiative gab, der bis jetzt allerdings leider noch nicht verwirklicht wurde.

Zudem ist das Anliegen einer besseren, saubereren Welt in der Geschichte der Bundesrepublik von sozialen Bewegungen, Bürgerinitiativen und von der Bevölkerung vertreten worden. Die Regierung selbst tut eine ganze Menge in Bezug auf den Umweltschutz. Vor zwei Jahren hat die Bundeskanzlerin auch etwas zum Schutz der Biodiversität gesagt und die Regierung wollte eine halbe Milliarde Euro für den Fonds ab 2013 bereitstellen. Man muss verstehen, dass es eine gegensätzliche Auffassung gibt, die von einem bestimmten Ministerium kommt. Aber ich glaube, dass wir das in Gesprächen klären können.

Wie sehen Sie die Möglichkeit der Intervention durch die sozialen Bewegungen?
Im Allgemeinen ist der Einfluss der Bürger groß. Eigentlich müssen die Regierungen dem folgen, was die Bevölkerung meint und sich wünscht. Wenn sehr viele hinter dem Yasuní-Projekt stehen, dann ist das sehr gut. Ich hoffe, dass die Bewegung stark genug ist, um Widerstand zu leisten, und von der Bundesregierung in dieser Sache auch als Gesprächspartner einbezogen wird.

In anderen Ländern haben sich auch Regionen an dem Treuhandfonds beteiligt. Sie haben sich an die Bundesländer gewandt. Inwieweit gibt es von dort Rückenwind?
Es gibt kein Bundesland, das eine direkte finanzielle Unterstützung leistet, das ist eine Sache der Bundesregierung. Aber wir führen politische Gespräche mit verschiedenen Bundesländern, die auch interessiert sind, das Thema politisch weiter zu bringen. Beispielsweise hat sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann positiv zum Projekt geäußert.

Wir müssen weiter informieren, um das Interesse zu wecken, nicht nur auf Regierungsebene, sondern auf den verschiedenen Ebenen, also der Industrie oder der organisierten Gesellschaft, damit die Menschen die Initiative verstehen.

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3 Kommentare zu diesem Artikel

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  • OBJZ, 11. Okt 2011 07:34

    Yasuni-Initiative ist "gut gemeint" aber keine Universalloesung fuer Entwicklung.

    Entwicklung der Wirtschaften in Lateinamerika ist unvermeidbar, denn die halbe Millarden Menschen streben nach verbesserten Lebensbedingungen. Moderne medizinische Fuersorge und Bildung koennen nur mit Billionen bezahlt werden, welche durch wirtschafliche Entwicklung in Lateinamerika entstehen muessen. Diese Entwicklung sollte soweit wie moeglich mit Weiterbestand der bestehenden Umwelt enstehen, und mit der "Einbezug" - nicht unbedingt "Integration" der noch selbst-isolierten Indigenen und Stammesgemeinden in das nationale Leben jeder Nation. Die "Eimischung" von Seiten der alten Kolonialmaechten unter der Tarnung "Indigenenrechte" und "Umweltschutz" - hat in vor allen das Ziel die innerpolitischen Konflikte als Hebel fuer die Destabilisierung von "zu-unabhaengigen" Regierungen. Ein Beispiel gerade im September, der Marsch der Tipnisn Bolivien gegen den Bau einer Strasse durch ihre Gemeindegebiete: Gezuendet von der U.S. Botschaft und angefeuert von NATO-NROS - und weltweit in den Medien verbreitet durch die Medien der USA, Britanien, Frankreich, Deutschland. Zur gleichen Zeit haben Caiapo-Indianer in Brasilien eine entstehende Fernstrasse im Amazonasraum besetzt (Manaus-Cuiaba Fernstrasse nahe Novo Progresso/Para) - den Bauarbeitern die Schluessel fuer die Baumaschienen weggenommen: Diese Indianer FORDERN DEN BAU EINER ZWEIGSTRASSE von der Fernstrasse a ZU IHRER GEMEINDE! Darueber wurde aber nichts von den "internatonalen Medien" (USA, Britanien, Frankreich, Deutschland) weltweit berichtet! Diese Caiapo-Indianer sorgen sich weil ohne diese Zweigstrasse zur ihrer Gemeinde - die Entfernung zum naechsten Krankenhaus 400 km verbleibt!
    Von Indianer im Amazonas kommen auch Forderungen nach mehr Rettungsschnellbooten und Diesel fuer die Evakuierung von ihren Kranken. Oefters muessen kranke Indianer ueber hunderte Kilometer mit Rettungshelikoptern in ein enstprechendes Krankenhaus evakuiert werden. Keiner moechte im Urwald verenden!

    • Permalink

  • Caliban, 11. Okt 2011 18:53

    80 Prozent der Ecuadorianer sind für den Plan A...

    ... also dafür, das Öl im Boden zu lassen, sagt Frau Espinosa.

    www.neues-deutschland.de/artikel/206853.plan-b-in-ecuador.html

    Eigentlich müssen die Regierungen dem folgen, was die Bevölkerung meint und sich wünscht. Wenn sehr viele hinter dem Yasuní-Projekt stehen, dann ist das sehr gut. Ich hoffe, dass die Bewegung stark genug ist, um Widerstand zu leisten, und von Präsident Correa in dieser Sache auch als Gesprächspartner einbezogen wird.

    • Permalink

  • OBJZ, 11. Okt 2011 20:37

    Re: 80 Prozent der Ecuadorianer sind für den Plan A...

    Der selbe "Journalist" erklaert seine Mission in Lateinamerika als : "Viel staerker muessten aber noch Widersprueche innerhalb der Linken thematisiert werden. Ohne echte Debatte kein anderes Amerika!" (amerika21.de) --- Also das Problem in "Amerika" sind die Widersprueche innerhalb der Linken!NichtUSA und ihre NATO-"Partner", besonders Britanien und Deutschland und ihre tausenden von de facto Agenten in Lateinamerika (NROs, "Journalisten, gekaufte Presse, Missionare)sondern die "Linken" - hier erkannt in der Frage des selben "Journalisten" an einen anderen Ecuadorianer welcher der Friedrich-Ebert-Stiftung nahesteht und Bundesverdientskreuzraeger ist: Albert Acosta: Frage des "Journalisten": "Was ist den zunehmend autoritaeren Tendenzen in Venezuela, Ecuador, entgegenzusetzen?" Bundesverdientskreutraeger soll nun eine Anwort lieferen welche die "autoritaeten" Tendenz bestaetigt und einen Gegenstoss empfehlen, aber obwohl ein Gegner des "linken" (gemaessigt!) Praesidenten Correa, weicht der erfahrende Bundesverdienstkreuztraeger aus: "Diese Prozesse koennen nicht mit einem Kamm gescheert werden!" In Englisch nennt man die Methode dieses "Journaliten: "Fishing for the right answer" - "nach der richtigen Antwort angeln". Leider sind 90% aller Berichte von Lateinamerika (durch deutsche und britische Journalisten) sehr sorgfaeltig "geschneidert" worden. Bei BBC merkt man das kaum - nur ein ewiges Droepfeln von negativ gezielter Meinungserzeugung. Die "Deutsche Welle International" ist da noch zu offensichtlich: Vor einigen Tagen wurde vom Staatsanwalt eine vorlaeufige Veraenderung des Flussbettes des Xinguflusses beim Belo Monte Staudammprojekt verhindert: Im Auftrag der Einheimischen welche die Aquariumzierfischhaendler in Europa beliefern. Die DW brachte das sofort in den weltweiten TV Nachrichten (gleich hinder Lybien!) als "Baustopp" fuer Belo Monte - mit Sicht vom "Urwald" - aber das sind die Schattenbaeume ueber Kaukauplantagen: Dort ist das groesste Anbaugebiet

    • Permalink

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