Schuldenkrise, Vertrauenskrisen der Politik, soziale Proteste in europäischen Metropolen. Das Geschäft auf der Buchmesse blieb nicht unberührt.. »Mut statt Wut« wünscht sich Claus Leggewie. Der Politikprofessor versteht die Empörung der Leute. »Die Menschen wollen besser und würdiger leben.« .
Leggewie befürchtet, dass sich der allgegenwärtige Protest in eine populistische Abrechnung mit »denen da oben« und in Fremdenhass entladen könnte. Der Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen , der auch die Bundesregierung berät, will »wütenden Protest für eine nachhaltige Demokratie zivilisieren« und formulierte darob »Zehn Thesen zur Ermutigung« - für für einen politischen Neuanfang, der »Leidenschaft mit Augenmaß und Empathie« verbindet. »Yes, we must!« lautet die Botschaft von Leggewie, der sein Buch im Lesezelt vorstellte.
Aus dem Land, das als erstes eiskalt von der Finanzkrise erwischt worden ist, berichtete Andri Snær Magnason. Der 1973 geborene Lyriker, der mit dem Verkauf seiner Gedichtbände in einer Supermarktkette Rekordauflagen erzielte, ist in Island einer der populärsten Aktivisten gegen den Ausverkauf des Landes. Mit ihm diskutierte am Stand des »Vorwärts« Verlages Andrea Nahles. Die SPD-Generalsekretärin, die nach eigenem Bekunden, weder an Elfen noch an Trolle glaubt, bekundete Sympathie mit der protestierenden Jugend in Spanien und Griechenland und rief dazu auf, mit ihnen solidarisch zu sein. Die griechische Misere hätten ein unverantwortlicher Finanzmarkt und unfähige politische Strukturen verschuldet. »Die Griechen brauchen mehr als schlaue Sparvorschläge aus Deutschland«, sagte Nahles.
Wolfgang Ockenfels, Professor an der Theologischen Fakultät der Universität Trier, forderte eine Rückbesinnung auf die soziale Marktwirtschaft, die im Zeitalter der Globalisierung nicht mehr nur nationalstaatlich organisiert sein könne. »Wir brauchen eine soziale Weltwirtschaft«, sagte der Dominikaner. Hierbei mitzutun sieht als eine vornehmliche Herausforderung für die Katholische Kirche, die selbst seit Anbeginn ein Global Player sei.
Radikale linke Gesellschaftskritik hat auf der Messe kein großes Podium, wurde bislang weder auf das Blaue Sofa von ZDF noch in das viel besuchte Lesezelt geladen. Sie ist aber zu finden, für jene, die sie suchen: an den Ständen von PapyRossa, Laika, Tiamat, Graswurzel und Trotzdem, Karin Kramer, Edition AV, Alibri.
? Claus Leggewie: Mut statt Wut. Edition Körberstiftung. 202 S., br., 14 Euro.
? Andri Snær Magnason: Traumland. Was bleibt, wenn alles verkauft ist? Orange Press. Aus d. Isl. Stefanie Fahner. 288 S., br. 20 Euro
? Wolfgang Ockenfels: Was kommt nach dem Kapitalismus? Sankt Ulrich Verlag, 167 S., geb., 16,95 Euro
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
Sind Frauen die besseren Politiker?
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