Sie war ein Monstrum der besonderen Art, »zu einer anderen Zeit für eine andere Welt« entwickelt, wie es Thomas D'Agostino, Leiter der Nationalen Behörde für nukleare Sicherheit in Washington, jetzt formulierte. Ein Symbol des Kalten Krieges, 4,5 Tonnen schwer, von der Größe eines Kleinbusses, gefüllt mit 135 Kilogramm hochangereichertem Uran für eine Sprengkraft von neun Megatonnen und damit 600 Mal stärker als die Hiroshima-Bombe, so die Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler (Federation of American Scientists). Erstmals gebaut wurde die B 53 im Jahr 1962, auf dem Höhepunkt der Kuba-Krise, als sich die USA und die UdSSR am Rande eines heißen Krieges bewegten. In den 1980er Jahren wurde sie noch einmal aufwendig modernisiert und schließlich erst 1997 endgültig aus den US-amerikanischen Atomarsenalen ausgemustert.
Nun wurde ihr letztes Exemplar in der riesigen, 6500 Hektar großen Anlage Pantex in Amarillo (Bundesstaat Texas) zerlegt, wie D'Agostino mitteilte - womit »die Welt ein sichererer Ort« geworden sei. Vize-Energieminister Daniel Poneman (sein Ressort ist auch für die Kernwaffen der Supermacht zuständig) sprach von einem Meilenstein in den Bemühungen von Präsident Barack Obama für die nukleare Abrüstung. Hans Kirstensen von der Federation of American Scientists sieht zwar auch das »Ende einer Ära«, weil solche Monsterwaffen nicht mehr in die militärischen Konzepte der Gegenwart und Zukunft passen.
So wurde die B 53 in ihren Aufgaben als nuklearer Bunkerbrecher längst abgelöst durch die B 83 und B 61-11. Heutige Bomben seien kleiner und präziser. Deshalb sieht Kirstensen auch keinen Grund für Selbstlob. Schließlich seien in den US-Anlagen in den vergangenen sieben Monaten lediglich zehn aktive Atomsprengköpfe zerstört worden - und das, obwohl die USA bei geschätzten 8500 Kernwaffen (Jahrbuch 2011 des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI) wie auch Russland (11 500) weiter über absurde Overkill-Kapazitäten verfügen.
Das Pentagon drängt sogar darauf, die Ausgaben für Atomwaffen zu erhöhen. Der Kongress soll für die nächsten zehn Jahre 213 Milliarden US-Dollar für ihre und die Modernisierung der Trägersysteme bewilligen. Schwerpunkte sind neben dem Bau einer neuen Generation von Atomwaffen die Anschaffung neuer Drohnen, U-Boote und Interkontinentalraketen. Präsident Barack Obama »mag nette Dinge zugunsten der nuklearen Abrüstung gesagt haben«, sagt David Krieger, Direktor der »Nuclear Age Peace Foundation«, doch lasse er eben zugleich die Arsenale modernisieren. Das sei auch eine Einladung an andere Staaten zur nuklearen Aufrüstung.
30 Jahre sind seit der Großdemonstration im Bonner Hofgarten gegen die von der NATO geplanten Stationierung von »Pershing II«-Mittelstreckenraketen vergangen, 25 seit dem Atomgipfel von Michael Gorbatschow und Ronald Reagan in Reykjavik, der dann wegen der Washingtoner Sternenkriegspläne doch nicht den erhofften Durchbruch für eine kernwaffenfreie Welt brachte. Und die die Friedensbewegung muss weiter fehlende Fortschritte bei der nuklearen Abrüstung beklagen. Es sei kaum zu glauben, so Xanthe Hall, Abrüstungsexpertin der »Ärzte gegen den Atomkrieg« (IPPNW), »aber wir waren vor 25 Jahren wahrscheinlich näher an einer atomwaffenfreien Welt als heute. Damals war das Thema präsenter und über die Abschaffung aller Atomwaffen wurde tatsächlich verhandelt. Heute reden die Regierungen nicht mehr über eine atomwaffenfreie Welt, sondern nur darüber, wie sie andere Länder daran hindern können, Atomwaffen zu erwerben«, kritisiert die Sprecherin des Trägerkreises »»Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen«, dem 50 Organisationen und Gruppen angehören. Er fordert umgehend Verhandlungen über einen Vertrag zur Ächtung aller Atomwaffen, ähnlich der Bio- und Chemiewaffenkonvention.
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