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Von Gesa von Leesen 28.10.2011 / Gewerkschaftliches

Zurück ins 19. Jahrhundert

Im Schwarzwald streiken Redakteure, Blattmacher, Grafiker. Seit Mitte September sind die Beschäftigten des Schwarzwälder Boten im unbefristeten Streik. Ihre Forderung an die andere Seite, die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH): Redet mit uns. Aber die will nicht. Ihr gehören die Stuttgarter Zeitung, die Stuttgarter Nachrichten und die Süddeutsche Zeitung. Ihr Mehrheitseigner ist die Medien Union aus Rheinland Pfalz, zu der die Rheinpfalz aus Ludwigsburg und die Freie Presse in Chemnitz gehören. Damit ist die SWMH eine der drei größten Tageszeitungsgruppen der Repu-blik. Mit einer Auflage von 125 000 ist der Schwarzwälder Bote eines der kleineren Blätter. Seit 175 Jahren informiert es seine Leser in der Region, noch nie wurde gestreikt, die Identifikation der Zeitungsmacher mit ihrem Blatt war stets groß.

Damit ist es seit Januar vorbei. Der Verlag hatte erklärt, er gründe nach der Grafik-GmbH nun noch zwei weitere Gesellschaften aus - eine für die Redaktion und eine für die Anzeigenabteilung. Ziel: Gut 400 Beschäftigte sollten künftig ohne Tarifbindung arbeiten. Der Betriebsrat versuchte, mit der Geschäftsführung zu reden. Doch die stellt sich tot. Der Verleger des SchwaBo, Richard Rebmann, ist gleichzeitig Geschäftsführer der SWMH. Rebmann verweigert den Kontakt mit den Streikenden. Als diese vor einem Monat nach Stuttgart reisten, um ihn zu treffen, ließ er die Polizei das Verlagshaus absperren. Auch mit den Gewerkschaften spricht Rebmann nicht. Dabei kann er das, schließlich ist er im Präsidium des Bundes Deutscher Zeitungsverleger und der hat gerade einen neuen Flächentarifvertrag mit ver.di und dem Deutschen Journalistenverband abgeschlossen.

Den Betriebsräten der SWMH-Zeitungen ist klar, dass ihr Geschäftsführer im Schwarzwald offensichtlich ein Exempel statuieren will. Wenn die SchwaBo-Kollegen verlieren, wird vielleicht als nächstes die Stuttgarter Zeitung in tariflose Einzelteile zerlegt oder die Süddeutsche. In München haben die Drucker bereits einen Solistreik hingelegt, in Stuttgart wird darüber noch diskutiert.

Ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske hat die Streikenden im Schwarzwald neulich besucht und befand: Was in Oberndorf passiere, erinnere ihn ans 19. Jahrhundert.

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