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Von Paul Liszt 29.10.2011 / Berlin / Brandenburg

Runen-Mode unerwünscht

Rund 100 Menschen protestierten gegen die Eröffnung eines »Thor-Steinar«-Ladens in Weißensee

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Über Nacht mit neuem Schild

Am Freitagmorgen eröffnete in der Berliner Allee im Stadtteil Weißensee mit dem »Tønsberg«, ein weiteres Geschäft, in dem Artikel der in der rechten Szene beliebten Modemarke »Thor Steinar« verkauft werden. Die Betreiberfirma Skytech unterhält einen zweiten Laden in Friedrichshain. An einer kurzfristig angesetzten Protestkundgebung auf dem nahe gelegenen Antonplatz beteiligten sich etwa 100 Menschen. Aufgerufen hatte das Bündnis »Kein Kiez für Nazis«, das aus einer Kampagne gegen die auch in Weißensee aktive, inzwischen verbotene Neonazigruppierung »Freie Nationalisten Berlin-Mitte« hervorgegangen war. Unterstützung bekam dieser Zusammenschluss der Gruppen »Northeast Antifascists« und »Antifaschistische Initiative Nordost« auch von der LINKEN und den Grünen.

Die Marke »Thor Steinar«, war in der Vergangenheit immer wieder Ziel von antifaschistischem Protest geworden. Beobachter werfen den Verantwortlichen vor, mit ihren Produkten bewusst zur Verbreitung neonazistischer Inhalte und Symbole in der Öffentlichkeit beizutragen. Auf den Kleidungsstücken der Marke sind neben zweideutigen Botschaften wie »Ski Heil«, häufig besonders bei Neonazis beliebte Runensymbole zu sehen, die teilweise direkten Bezug auf den Nationalsozialismus nehmen. Diese Kritik scheint noch nicht bei allen Menschen angekommen zu sein: Ein älterer Passant lehnte ein Flugblatt ab - die Antifaschistischen würden sich »anmaßen zu entscheiden, was Leute anziehen.« Nazis will er in der Gegend noch nicht gesehen haben. Dass diese Wahrnehmung nicht der Wirklichkeit entspricht, zeigte eine auf der Kundgebung verlesene Chronik. In ihr haben Antifaschisten eine Reihe von rechten Übergriffen rund um den Antonplatz aufgelistet. In diesem Zusammenhang sei die Eröffnung des Ladens gerade in Weißensee »eine schlechte Nachricht«, sagte Stefan Liebig von der LINKEN, der den Wahlkreis seit 2009 im Bundestag vertritt.

Antifaschistische Gruppen waren auf die konspirativ vorbereitete Geschäftseröffnung am Mittwoch aufmerksam geworden, nachdem sie beobachtet hatten, wie ein Kleintransporter entladen wurde, der schon in der Vergangenheit in Verbindung mit der rechten Modemarke aufgetaucht war. Am Donnerstagnachmittag wurde schließlich die Leuchtreklame an der Fassade montiert. Bis 2005 existierte bereits unweit vom jetzigen Standort, in der Gustav-Adolf Straße, ein rechter Szeneladen, in dem die aus dem Rockerspektrum stammenden Betreiber auch »Thor Steinar« verkauft hatten. Der »Tønsberg« werde in Zukunft vermehrt rechte Klientel anziehen, und die Zahl der Übergriffe werde weiter steigen, befürchtet ein Vertreter der Friedrichshainer »Initiative gegen Rechts«.

Diese organisiert seit dessen Eröffnung vor zwei Jahren Proteste gegen den Friedrichshainer »Thor-Steinar«-Shop in der Petersburger Straße. Dort hatten die Betreiber trotz Kündigung durch den Vermieter vor einigen Wochen die Duldung des Geschäfts bis 2015 gerichtlich erstritten. Ob es in Weißensee zu einem Rechtsstreit kommen wird, ist ungewiss: Der Vermieter des »Tønsberg« zeigte auf entsprechende Anfragen hin bisher kein Interesse, seine neuen rechten Mieter wieder vor die Tür zu setzen. »Der Thor Steiner Laden und seine Betreiber« würden es in Weißensee dennoch »schwer haben«, kündigt Martin Sonneburg vom Bündnis »Kein Kiez für Nazis« an. Neben Info-Veranstaltungen sei eine große Demo in Planung.

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