Manchmal können Versicherungen auf den Finanzmärkten zu allgemeiner Verunsicherung beitragen. So ist es bei den »Credit Default Swaps«. Die CDS bieten Kreditgebern und Anleihebesitzern einen gewissen Versicherungsschutz bei einem Zahlungsausfall ihres Schuldners. Gleichzeitig sind diese Finanzprodukte völlig anders konstruiert wie eine echte Versicherung: Sie werden gewöhnlich nicht von Versicherungsunternehmen vergeben, sondern von Banken, sie unterliegen nicht der Überwachung durch die Finanzaufsicht. Und es handelt sich um Derivate, also um handelbare Wertpapiere mit schwankendem Preis, die nicht einmal über Börsen, sondern direkt zwischen den Marktteilnehmern gehandelt werden, weshalb das Geschehen völlig intransparent ist.
Das Problem mit den CDS: Die Papiere, etwa zur Absicherung griechischer Staatsanleihen, kann auch der kaufen, der gar keine griechischen Anleihen besitzt. Spekulanten deckten sich Anfang 2010 im großen Umfang mit CDS ein, was deren Preis massiv in die Höhe trieb. Dem Markt signalisierte, dass das Ausfallrisiko griechischer Anleihen deutlich steige. Dies wurde eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Die Regierung in Athen musste Gläubigern immer höhere Zinsen bei der Ausgabe neuer Anleihen bieten, was aus dem griechischen Staatshaushalt irgendwann nicht mehr zu finanzieren war und EU sowie IWF einspringen mussten. Inhaber von CDS auf fünfjährige Staatsanleihen Athens dagegen können sich über einen Kursanstieg freuen wie weltweit bei kaum einem anderen Finanzprodukt: Mitte 2009 kostete ein Swap, der eine fünfjährige Griechenland-Anleihe im Umfang von einer Million Euro absicherte, 10 000 Euro. Zuletzt kostete er 590 000 Euro.
Darüber hinaus ist ungewiss, ob das Sicherheitsversprechen der Swaps auch eingelöst werden kann. Nach Angaben des Clearinghauses DTCC sind griechischen Anleihen und Kredite im Umfang von 75,5 Milliarden Dollar via CDS abgesichert. Bei einer offiziellen Pleite Athens müssten die »Versicherer« diese Summe auf einen Schlag auszahlen, was das eine oder andere Geldhaus womöglich in Schieflage bringen könnte. Laut DTCC ist die auszuzahlende Summe deutlich geringer, da manche Banken sowohl CDS gekauft als auch Schutz über CDS angeboten hätten. Hart könnte es aber, wie es heißt, vor allem einzelne US-Großbanken treffen.
Wegen der völligen Intransparenz des Marktes ist freilich unklar, was genau passieren würde. Diese Ungewissheit dürfte mit ein Grund sein, warum die EU Griechenland bisher nicht offiziell pleite gehen lässt und es bei einem »freiwilligen« Gläubigerverzicht von mittlerweile 50 Prozent belässt.
Viel zu spät will die EU jetzt die Spekulation mit CDS eindämmen. Ab Herbst 2012 sollen nur noch diejenigen Marktteilnehmer die Kreditderivate erwerben dürfen, die auch Staatsanleihen besitzen.
Credit Default Swaps (Kreditausfallderivaten, CDS) sind Wertpapiere, die Kreditgebern und Anleihebesitzern das Risiko abnehmen sollen, dass ihre Schuldner zahlungsunfähig werden. Der Anleihebesitzer entrichtet eine jährliche Prämie an den CDS-Versicherer. Dieser hingegen muss bei einem genau definierten »Kreditereignis« an den Anleihebesitzer eine in der Höhe ebenfalls vertraglich festgelegte Zahlung leisten. nd
Wissen sie noch, was sie tun? Der Aktionismus der EU und der europäischen Regierungen gegen die Finanz- und Eurokrise unter Führung von Deutschland und Frankreich strahlt hektische Betriebsamkeit aus. Resultat sind Sparanstrengungen, die zu Sozialabbau führen und die die Lage in den EU-Staaten verschlimmern werden. Indessen wollen in Deutschland soziale Bewegungen und linke Gruppen eine »Choreografie der Proteste« gegen die europäische Krisenpolitik festlegen. Siehe auch: Dossier Griechenland.
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Wo haben Sie die Dialektik versteckt, Kurt Stenger?
Übrigens, es ist nicht irgendeine "Ungewißheit", die die EU daran hindert, Griechenland Pleite gehen zu lassen - es ist ganz allein die Sorge, die privaten europäischen Großbanken könnten mit Pleite gehen
Die Dialektik des Gläubigerverzichtswäre auch mal einen Artikel wert.
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