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Katja Herzberg
29.10.2011
Personalie

Aufgeopfert

Giles Fraser gab zum Schutz der »Occupy«-Demonstranten in London sein Amt als Domherr auf

Dass ein Domherr seinen Rücktritt per Twitter-Nachricht der Öffentlichkeit mitteilt, ist schon ungewöhnlich. Dass er sein Amt aber überhaupt deshalb aufgibt, weil er Demonstranten, die auf dem Platz vor seiner Kathedrale kampieren, vor der Leitung seiner Kirche schützen will, macht Giles Fraser nun weltweit berühmt.

Denn der bisherige Vorsteher der anglikanischen St. Paul's Kathedrale in London setzt sich für die Protestierenden der »Occupy«-Bewegung in der britischen Hauptstadt ein, die seit Mitte Oktober ihre Zelte im Finanzviertel aufgeschlagen haben. Fraser hatte die zumeist jungen Demonstranten von »Occupy LSX (London Stock Exchange)« willkommen geheißen, nachdem sie direkt an der Londoner Börse nicht kampieren durften. Am Donnerstag gab der 47-jährige Fraser seinen Posten in der Kathedrale jedoch nach zwei Jahren auf. »Mit Bedauern und Trauer habe ich meinen Rücktritt eingereicht«, schrieb der Theologe der Twitter-Gemeinde. Der Priester, der unter anderem für die Bildungsarbeit im Sitz der Diözese London der Anglikanischen Kirche zuständig war, begründete diesen Schritt mit der Sorge, die Kirche werde rechtliche Schritte gegen die Organisatoren des »Occupy«-Camps einleiten, um es letztlich gewaltsam zu räumen.

Der Streit zwischen Kirche und Campern dauert bereits zwei Wochen an. Am vergangenen Freitag wurde die Kathedrale für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Sicherheit der Besucher sei nicht mehr gewährleistet gewesen. Dadurch gingen der Kirche Tausende Euro Eintrittsgelder verloren. Gestern sollte der Touristenmagnet wieder öffnen, nachdem einige Zelte umgestellt wurden. Die Stadtverwaltung kündigte den Gang vor die Gerichte an.

Fraser, der eine Ausbildung in Newcastle und Oxford genoss sowie über Friedrich Nietzsche promovierte, trägt nun wieder seine Lieblingskleidung: Jeans und T-Shirts. Zudem hat er jetzt wohl wieder mehr Zeit, Kolumnen für den »Guardian« oder die »Church Times« zu schreiben und für sein Engagement für die Anerkennung von Homosexuellen in der Kirche. Einziger Wermutstropfen: Er und seine Familie müssen aus der komfortablen Barockvilla ausziehen.

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