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Von Reimar Paul
01.11.2011

»Wir freuen uns über jeden«

Nur mäßige Beteiligung bei bundesweitem Castor-Aktionstag

Knapp einen Monat vor dem 13. Castortransport ins Wendland hat die Anti-AKW-Bewegung mit Mobilisierungsproblemen zu kämpfen. Die Beteiligung an einem bundesweiten »Warmlaufen für den Castor« am Samstag war bestenfalls mäßig.

Zwar erklärte die Anti-Atom-Organisation »Ausgestrahlt« im Anschluss, rund 6000 Menschen seien in 57 Orten auf den Beinen gewesen. Doch diese Zahl erscheint zu hoch gegriffen.

Im Wendland beteiligten sich knapp 200 Aktive an einem Spaziergang zur Castorstrecke, begleitet von einer Hundertschaft Polizisten. Nur 300 Menschen folgten dem Aufruf zur Demo am fränkischen AKW Grafenrheinfeld - dort hatten im Frühjahr noch mehr als 10 000 Demonstranten die Abschaltung des Meilers gefordert. 100 Umweltschützer enterten in Lüneburg das Dach des Bahnhofsgebäudes.

Doch vielerorts versammelten sich nur einige Dutzend Aktive. So reisten einige sächsische Atomkraftgegner mit Modellen eines Mini-Castors mit dem Zug von Leipzig nach Dresden. Sie protestierten auch gegen die Pläne der Landesregierung, radioaktive Brennelemente nach Russland zu exportierten.

Manche Initiativen räumen durchaus ein, dass die Anti-Atom-Bewegung zurzeit Schwierigkeiten mit der Mobilisierung hat. Bei der Demo in Grafenrheinfeld habe man mit deutlich mehr Teilnehmern gerechnet, sagt etwa Babs Günther vom Bündnis »Energiewende Unterfranken«. »Wir freuen uns aber über jeden, der heute bereit ist, seinen Widerstand gegen die Atomenergie zu zeigen.«

Nicht ganz so direkt drückt sich »Ausgestrahlt«-Sprecher Jochen Stay aus. »Nach einem für uns Atomkraftgegner ereignisreichen ersten Halbjahr formiert sich der Protest jetzt neu«, sagt er.

Dabei sind sich die meisten Aktivisten in der energiepolitischen Analyse durchaus einig: Der beschlossene Atomausstieg ist nicht ausreichend, das Abschalten von acht der 17 AKW allenfalls ein Teilerfolg. Anti-AKW-Veteran Peter Dickel von der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad erkennt an, dass die schnelle Reaktion der Bundesregierung auf das Unglück in Fukushima ein »kluger Schachzug war«. »Nicht wenige denken, der Ausstieg ist nun vollzogen«, sagte Dickel.

Für die Proteste Ende November rechnen die Organisatoren gleichwohl wieder mit Zulauf. Die ungelöste Endlagerfrage und das Tohuwabohu um erhöhte Messwerte am Gorlebener Zwischenlager werden wieder viele tausend Demonstranten ins Wendland treiben, sind die örtlichen Widerstandsgruppen überzeugt. Teilnehmerzahlen wie zum Auftakt im vergangenen Jahr seien dabei wahrscheinlich nicht zu erreichen, heißt es bei der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. 2010 sei wegen der Debatte über die Verlängerung der Laufzeiten schließlich »ein Ausnahmejahr« gewesen. Dennoch rechnet man an den Protesttagen mit ähnlich vielen Aktivisten.

Das niedersächsische Umweltministerium bestätigte am Montag, dass der nächste Castortransport Ende November ins Zwischenlager Gorleben rollen soll. Ein Bündnis von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen und Anti-Atom-Organisationen plant für den 26. November in Dannenberg eine große Demonstration. In den folgenden Tagen sind Straßen- und Schienenblockaden angekündigt.

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