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Von Uwe Sattler
05.11.2011

Düstere Euro-Aussichten

Italien wankt - EU und G20 installieren beim Gipfel in Cannes Krisenfeuerwehr

Während Griechenland am Freitag auf die im Parlament anberaumte Vertrauensabstimmung über Ministerpräsident Papandreou wartete, beschloss der G20-Gipfel in Cannes den Ausbau des Internationalen Währungsfonds als Krisenfeuerwehr. Die könnte schon bald gebraucht werden - in Italien.
Der griechische Demokratievorstoß ist gestoppt. Betont zurückhaltend genossen die auf dem G20-Gipfel im französischen Cannes versammelten Spitzenpolitiker aus EU und Euro-Zone am Freitag ihren Sieg. Am Mittag war die offizielle Erklärung aus Athen eingetroffen, die Regierung von Giorgos Papandreou verzichte auf das Referendum über das vor einer Woche mit den Euro-Staaten geschnürte Schuldenpaket. »Eine interessante Erklärung«, ließ Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy süffisant verlauten.

Noch am Vortag hatten vor allem Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel dem griechischen Premier eingeheizt und dessen Land mit dem Rauswurf aus Euro-Zone und EU gedroht, sollte der Schuldendeal bei einem Volksentscheid platzen. Unverblümt hatten die EU-Oberen die Abwahl des »illoyalen« Papandreou betrieben, der vermutlich mit einem erhofften Ja bei der Volksbefragung nur das Plazet für weitere Sparprogramme erhalten wollte. Hinter vorgehaltener Hand, aber deutlich vernehmbar wurden in Brüssel und Cannes Nachfolger für Papandreou gehandelt. Dieser war sich seiner Lage bewusst: »Ich will nicht unbedingt wiedergewählt werden«, erklärte er am späten Donnerstagabend. Offensichtlich war dem Premier klar, dass seine Chancen auf einen Sieg bei der Vertrauensabstimmung im Parlament - sinnigerweise Freitag Mitternacht angesetzt - minimal waren. Die Stimmenmehrheit von Papandreous sozialdemokratischer PASOK war in den vergangenen Tagen auf 152 Stimmen geschrumpft, bei insgesamt 300 Parlamentssitzen. Zwei PASOK-Abgeordnete haben bereits angekündigt, gegen den Ministerpräsidenten zu stimmen. Endgültig in die Enge getrieben wurde Papandreou vom Führer der griechischen konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras. Nachdem der Premier die Referendumsabsage als Bedingung zur Bildung einer Übergangsregierung erfüllte, lehnte Samaras die entsprechenden Gespräche ab und forderte gestern den sofortigen Rücktritt Papandreous.

Für US-Präsident Barack Obama, der zum G20-Gipfel angereist war, hat sich die EU - und insbesondere »Angelas Führung« - mit solcherart Problemmanagement bewährt. Dass die Krise damit überwunden ist, glaubte in Cannes aber niemand. Zumal die Ergebnisse des Treffens der »Großen« der Weltwirtschaft dürftig ausfielen. Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ist weiter auf die lange Bank geschoben, auch wenn Sarkozy als amtierender G20-Präsident das Thema noch einmal anschieben will. Ohne konkrete Festlegungen sollen Staatsschulden reduziert, die Kaufkraft der Bevölkerung gestärkt und Handelsungleichgewichte abgebaut werden. Klarer war man sich bei der künftigen Rolle des Internationalen Währungsfonds IWF. Dieser soll zu einer Art Finanzfeuerwehr ausgebaut werden, die Krisenstaaten kurzfristig mit Krediten aushelfen kann. Damit müssen sich die G20 beeilen, denn mit Italien ist das nächste Euro-Land gefährlich ins Taumeln geraten. Wegen seiner hohen Gesamtschuldenlast von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung sowie geringem Wirtschaftswachstums ist die Sparpolitik Roms künftig unter IWF-Aufsicht gestellt. Sarkozy sicherte Italien schon einmal EU-Unterstützung bei der Lösung seiner Haushaltsschwierigkeiten zu. Allerdings nicht, ohne mit Blick auf Athen den Zeigefinger zu heben: »Es gibt Regeln, die eingehalten werden müssen.«

Für die internationalen Hilfsorganisationen sind das alles jedoch Luxusprobleme. Die Staats- und Regierungschefs der G20 hätten so getan, als ob es keine Ernährungskrise gäbe, erklärte ein Sprecher von Oxfam am Freitag.

4 Kommentare

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  • OBJZ / 06. Nov 2011 05:52

    China: Europas erschoepftes Wohlfartsystem, Traegheit, Faulheit, auser Kontrolle!

    "Europas Problem: Nur angestaute Probleme des erschoepften Wohlfartstaates. Ich glaube die Arbeitsgesetze sind veraltet. Die Arbeitsgesetze ermutigen Traegheit und Faulheit im Gegensatz zu harter Arbeit. Das Anreizsystem ist vollkommen auser Kontrolle!" - die Meinung des Vorstandes von Chinas Souveraener (nationaler) Investmentfund ($ 400+ Millarden), Jin Liqun in einem 45 Minuten Interview in Al Jazeera. Als der Journalist meint, dass hoerte man besonders nicht gern in Deutschland, laechelt er etwas aber antwortet indirekt. Der Fund koennte doch nicht das Ersparte der Chinesen fuer politisch motivierte Hilfsaktionen investieren. Er fordert die Beschlussbeteiligung aller Nationen fuer Loesungen der Weltwirtschaftsprobleme. Chinas nationale Ueberseeanlagen wuerden nur aus rein kaufmaennischen Kalkulationen und ohne politische Hintergruende stattfinden... Der Journalist meint, dass hoert sich an wie von gewissen Rechten in USA, darauf erwidert der Vorstand nichts und laechelt...--------------------- (Das alternde, rohstoffarme Europa wird sich von den "Anderen" noch so manches anhoeren muessen...)

  • Rotspoon / 06. Nov 2011 10:34

    Es könnte sein, daß Du in Teilen irrst, OBJZ

    Europa ist wohl eher ein erschöpftes Herrschaftssystem. Die Hoffnung liegt aber in der Lösug der Widersprüche

  • OBJZ / 06. Nov 2011 22:23

    Re: Es könnte sein, daß Du in Teilen irrst, OBJZ

    Rotspoon: Die Meinung ueber Europa's Wohlfahrtsystem, ueberholte Arbeitsgesetze, Faulheit, Traegheit - ist von dem Vorsitzenden von Chinas nationaler Souveraener Investmentfund (Kapital: $400+ Millarden), Jin Liqun, und von einem Interview-Video von 45 Minuten in Al Jazeera (Katar) in Englisch. Also nicht von objz! Also nur einen Einblick wie die "Macher" in China das Problem Europas einschaetzen. Dabei muss man immer in Betracht ziehen, dass alle die "Macher" in China, in der Politik, den Universitaeten, der Wirtschaft fast alle erstklassige, langjaehrige Bildung von den fuehrenden Universitaeten in USA und Britanien absolviert haben- also keine weltfremde Hinterwaeldler. Ohne einen Doktortitel (Pd. D.) von Harvard, MIT, Stanford, London School of Economics - kann heute niemand in China einen wirklich wichtigen Posten einnehmen. --- Deine Meinung ueber das Uebel des Herrscher-Systems ist richtig - die korrupten EU Politiker, das ranzige Erbe vergangener Jahrhunderte: Aristokraten, Koenige, der Pabst. Und hinter ihnen - die "Macher" in New York welche die Regierung nicht nur in Washington steuern, sondern auch Regierungen in Europa "kontrollieren"...

  • Rotspoon / 06. Nov 2011 22:40

    Es grenzt an ein Wunder

    daß es China so weit gebracht hat, obwohl die wichtigen Leute bei/in Harvard, MIT, Stanford, London School of Economics studiert haben.

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