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Von Jürgen Amendt
09.11.2011

Blinder Aktionismus

Schleppender Ausbau der Kinderbetreuung

Ab dem 1. August 2013 soll es für Ein- und Zweijährige einen Rechtsanspruch auf Betreuung in einer öffentlichen Einrichtung geben. Doch der Ausbau kommt nur schleppend voran. Den Kommunen fehlt Geld und Personal und die Politik hat den tatsächlichen Bedarf unterschätzt. Mit einem sogenannten Betreuungsgeld soll nun die häusliche Erziehungsarbeit aufgewertet werden.

Es war ein ehrgeiziges Ziel, das CDU und SPD während ihrer gemeinsamen Regierungszeit setzten. Für den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ab dem 1. August 2013 sollte die Zahl der Betreuungsplätze kräftig erhöht werden. Auf 35 Prozent bezifferte die Politik 2008 bei der Verabschiedung des Kinderförderungsgetzes (KiFöG) den Bedarf an Krippenplätzen im Bundesdurchschnitt. Im Frühjahr dieses Jahres musste das Bundesfamilienministerium die Quote auf 39 Prozent nach oben korrigieren. Grund: Durch die zeitlichen Beschränkungen beim Erziehungsgeld steigt die Nachfrage nach Betreuung bei den über Einjährigen. Im Bundesdurchschnitt lag im Frühjahr die Quote bei lediglich 23 Prozent, in manchen Ländern wie in Nordrhein-Westfalen gar nur bei 14 Prozent. Im Plansoll liegt der Osten: Dort lagen 2010 die Versorgungsquoten zwischen 42,1 Prozent (Berlin) und 56 Prozent (Sachsen-Anhalt).

Die Zahl der Kinder unter drei Jahren in Kindertagesbetreuung ist zum 1. März 2011 gegenüber 2010 um rund 45 000 auf 517 000 Kinder gestiegen. Zwischen 2009 und 2010 betrug der Anstieg noch 55 000. Es fehlen also 233 000 Plätze, um die Vorgabe von 750 000 Plätzen einzuhalten. Ob dieses Ziel erreicht wird, ist zu bezweifeln. »Die Ausbaudynamik müsste im Westen fast verdoppelt werden, um den Rechtsanspruch tatsächlich befriedigen zu können«, betont der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus. Hinzu kommt, dass der tatsächliche Bedarf möglicherweise noch höher liegt. Beim »Krippengipfel« 2007 hatten Bund, Länder und Kommunen das schon vorausgesehen und den Bedarf auf rund eine Million Betreuungsplätze beziffert.

Die Länder gehen nach wie vor davon aus, zum Stichtag genügend Plätze anbieten zu können - und zwar flächendeckend. »Das ist eine Selbsttäuschung, sagt der Kita-Experte der GEW, Norbert Hocke. »Das Problem ist nicht die Frage, ob 35 oder 39 Prozent genügen; das sind von der Politik gesetzte Durchschnittswerte. In Ballungsräumen werden, so Hocke, zum Teil für 50 bis 60 Prozent der Ein- bis Dreijährigen Krippenplätze benötigt. Es räche sich, dass es in den Kommunen keine systematische Bedarfsermittlung gebe.

Offenbar geht man aber in konservativ regierten Bundesländern wie Bayern davon aus, dass die Betreuung der Kleinsten auch nach dem 1. August 2013 vielfach weiterhin im familiären Umfeld organisiert wird. »In vielen bayerischen Kommunen, vor allem im ländlichen Raum, ist der Bedarf bereits gedeckt«, erklärt das bayerischen Familienministerium auf Nachfrage. Nachholbedarf bestehe in den größeren Städten wie München und Nürnberg.

Als zusätzliches Problem erweist sich der Personalmangel in den Kitas. Laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts sind bundesweit 25 000 Erzieherstellen unbesetzt. Und auch bei den Tagesmüttern, die die Versorgungslücke stopfen könnten, sieht es schlecht aus. Stefan Sell von der Fachhochschule Koblenz schätzt, dass derzeit 32 000 Personen für die Tagespflege fehlen, um den Rechtsanspruch garantieren zu können.

Von einem koordinierten Vorgehen der Länder gegen den Personalmangel in der frühkindlichen Bildung kann nicht die Rede sein. In Bremen geht das Sozialressort davon aus, dass es gelingen wird, Teilzeitkräfte für Vollzeitstellen zu gewinnen. In Rheinland-Pfalz sollen Berufsaussteiger wieder zurückgeholt werden. Gleiches plant Baden-Württemberg. Zusätzlich will die neue grün-rote Landesregierung in Stuttgart Personen aus anderen Berufsgruppen nach entsprechender Weiterbildung als sogenannte Zweitkraft in den Kitas einsetzen. In Bayern wiederum hofft die Staatsregierung auf die Vorbildkraft eines Projektes in der Landeshauptstadt München. Dort werden Grundschullehrerinnen und -lehrer für eine Tätigkeit in der Kindertagesbetreuung fortgebildet. Zusätzlich arbeitet das Sozialministerium an einem Konzept zur Nachschulung von Heilerziehungspflegern und wirbt mit einer Imagekampagne (»Herzwerker«) um den männlichen Nachwuchs im Erzieherberuf.

Norbert Hocke sieht in solchen Maßnahmen blinden Aktionismus. »Wir haben jahrelang auf den Personalmangel hingewiesen, haben Einstellungskorridore und einen Ausbau der Hochschulplätze gefordert, um qualifizierte Kräfte für den Erzieherberuf zu gewinnen, doch die Politik hat immer nur abgewunken.«

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