Steffen Heller
Foto: TBS
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Die öffentliche Wahrnehmung der Linkspartei »als soziale und radikal-demokratische Kraft zu festigen und zu stärken«, das begreift Steffen Heller als »wichtige politische und zugleich persönliche Herausforderung«. Der Unternehmensberater aus Teltow hat Interesse bekundet, neuer Landesgeschäftsführer zu werden. Genossen haben ihn ermuntert, Kreisvorsitzende und eine Landtagsabgeordnete haben ihm zugeraten. Jüngst bei den Regionalkonferenzen stellte er sich als Kandidat vor.
Doch nun überlegt Steffen Heller ernsthaft, ob er seine Bewerbung zurückzieht. Er zweifelt, ob die Kandidatur noch Sinn hat, »wenn es nicht gewollt ist, dass ich es mache«. Zwar erhielt Heller bei den Regionalkonferenzen Beifall und Zuspruch. Aber was wäre, wenn er wirklich beim Parteitag im Februar zum Landesgeschäftsführer gewählt wird? Wie soll die Zusammenarbeit mit Stefan Ludwig als neuem Landesvorsitzenden funktionieren?, fragt sich Heller. Denn Ludwig nannte als seine Wunschkandidatin Andrea Johlige, die Leiterin der Landesgeschäftsstelle.
Jetzt sieht es so aus, als störe Steffen Heller die Einigkeit der Partei, indem er das Personaltableau des designierten Vorsitzenden Stefan Ludwig gefährdet. Doch dieser Eindruck täuscht. Eine Kampfkandidatur war keinesfalls die Absicht des Unternehmensberaters. Er erzählt, er habe sich bereits im April per Handykurznachricht beim jetzigen Landesvorsitzenden Thomas Nord und bei Ludwig gemeldet und Interesse bekundet, Landesgeschäftsführer zu werden. Hellers Ziel: Er wollte diese beiden Männer von seinen Fähigkeiten überzeugen. Er wollte ihre Unterstützung. Er wollte quasi angenommen werden. Aber das hat nicht geklappt. Offiziell eingereicht hat Heller seine Bewerbung im Oktober. Das gleich öffentlich zu machen, hat er aber keine Veranlassung gesehen.
»Besinnen auf unsere Stärken, Partei der Kümmerer sein. Menschen bei ihren Problemen abholen und helfen. Ideen und Vorstellungen transparenter machen.« Mit diesen Ideen begründete Heller seine Kandidatur. Er sprach von der Angst vieler Genossen, den Brandenburgern könne es ergehen wie den Berliner Sozialisten, die nach zehn Jahren Regierungsbeteiligung bei den Wahlen nur noch etwa halb so gut abschnitten wie vorher. »Begrenztheit einer Regierungsbeteiligung offensiver thematisieren. Linkes Regieren besser verkaufen. Eigenes Profil deutlicher machen. Auch sagen, was wir wollten und nicht umsetzen konnten.« Diese Stichworte nennt Heller, diesen Aufgaben wollte sich der 49-jährige stellen - »mit Leidenschaft und Spaß«. Aber als ungewollter Landesgeschäftsführer arbeiten, das würde vermutlich keine Freude bereiten, denkt Heller und überlegt deshalb, ob er es nicht lieber sein lässt. Die endgültige Entscheidung will er in Kürze treffen.
Andrea Johlige sagt souverän, es wäre eigentlich schön, wenn sie nicht die einzige Kandidatin sei. Das sei Demokratie und es wäre doch weniger langweilig, wenn es eine Auswahl gebe. Beim künftigen Landesparteichef besteht eine solche Auswahl nach derzeitigem Stand wohl nicht. Zumindest meldete sich bis jetzt neben Stefan Ludwig kein zweiter Bewerber. Bei den Stellvertretern wird sogar noch eine Frau gesucht, denn Ludwig schwebt vor, wieder vier statt nur zwei Stellvertreter zu haben. Bisher gibt es aber nur drei Bewerber: die Bundestagsabgeordnete Diana Golze, den Landtagsabgeordneten Thomas Domres sowie Harald Petzold, der bereits von 1998 bis 2006 Stellvertreter war.
Die Mediengestalterin Johlige stammt aus Sachsen-Anhalt. Dort hat sie sich früh und lange in der Partei engagiert. Sie saß von 1995 bis 2003 im Vorstand der sachsen-anhaltischen PDS, ab 1999 war sie sogar stellvertretende Landesvorsitzende. Inzwischen lebt die 34-Jährige in Nauen im Havelland. Johlige hat einen kleinen Sohn, so wie Steffen Heller auch.
Heller studierte von 1983 bis 1988 am Institut für Internationale Beziehungen in Moskau. In der Wendephase klopfte er bei der Ost-SPD an und geriet ohne eigenes Zutun an Parteichef Ibrahim Böhme. Als dessen Referent trug er ihm einige Wochen die Aktentasche, traf wichtige Persönlichkeiten. Dann wurde Böhme als ehemaliger Stasi-Informant enttarnt. Damit endete eine aufregende Episode im Leben Hellers. Der damals noch sehr junge Mann hoffte 1990 auf ein Linksbündnis aus SPD und PDS. Doch die Sozialdemokraten lehnten eine Zusammenarbeit seinerzeit kategorisch ab. Heller verließ die SPD. In die LINKE gelangte er über die Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit (WASG). Er ist einer vom Typ ehrlicher Kerl, für die Politik fast ein bisschen zu sehr.
Im vergangenen Jahr warb Heller für eine international einsetzbare Katastrophenhilfe, die ausdrücklich keine militärische Einheit sein sollte. Heller beantragte, dass Brandenburg sich im Bundesrat für eine solche Katastrophenhilfe einsetzt. Doch man bedeutete ihm, dies sei nichts für einen Landesparteitag. Heller zog den Antrag zurück. Heute ärgert er sich darüber. Angesichts der Reduzierung der Bundeswehr wäre die Katastrophenhilfe geeignet, Soldaten eine Perspektive im zivilen Leben zu geben, findet er.
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