Von Ralf Streck
10.11.2011

Zweifel an den Hebelmodellen

Investoren verlangen vom EFSF höhere Zinsen

Italien ist mittlerweile bei einer kritischen Zinshöhe für seine Staatsanleihen angelangt. Auch der EFSF bekommt allmählich Probleme, seine Papiere an den Investor zu bringen.

In der vergangenen Woche musste der Euro-Rettungsschirm EFSF eine Anleiheauktion verschieben. EFSF-Sprecher Christof Roche begründete dies mit verschlechterten Marktbedingungen. Nun wurde Anfang der Woche die Auktion nachgeholt. Dabei konnte der Rettungsfonds zehnjährige Anleihen in einer Gesamthöhe von drei Milliarden Euro platzieren, die zur Finanzierung der nächsten Kredittranche für Irland dienen. Dabei musste der EFSF allerdings mit 3,6 Prozent fast doppelt so hohe Zinsen bieten wie Deutschland derzeit für Bundesanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit. Dabei erhält der Fonds noch immer von allen Ratingagenturen die Bestnote.

Noch dramatischer aus Sicht des EFSF ist, dass die Angebote für die Papiere das angepeilte Volumen nur knapp übertrafen, wie der Informationsdienst IFR aus dem Umfeld der mit dem Verkauf beauftragten Banken erfuhr. Ganz anders war es im Januar, als sich die Investoren aus aller Welt um die ersten EFSF-Anleihen noch rissen. Die Nachfrage übertraf das Volumen etwa um das Neunfache. Schon bei der letzten Auktion im Juni ging sie zurück, und der EFSF musste noch einen Risikoaufschlag von 50 Basispunkten bieten.

Nun muss gefragt werden, ob die Hebel, mit denen die noch im EFSF vorhandene Summe nach den Beschlüssen des letzten EU-Gipfels auf eine Billion Euro erhöht werden sollen, funktionieren können. Zieren sich die Anleger schon bei EFSF-Anleihen, ist zweifelhaft, ob sie Geld in Staatsanleihen der Risikoländer stecken, für die der EFSF nur zum kleinen Teil geradestehen soll. Auch das zweite Modell, über das die Finanzminister ebenfalls in Brüssel gerade berieten, bringt dafür keine Lösung. Dabei soll über eine Zweckgesellschaft frisches Geld vor allem von Staatsfonds aus Schwellenländern eingeworben werden. Diese sollen die Europäische Zentralbank (EZB) dabei ablösen, Anleihen von Euro-Krisenstaaten aufzukaufen.

Derweil zeigt sich an Italien, dass selbst massive Anleihekäufe durch die EZB nicht verhindern, dass die Zinsen explodieren. Am Mittwoch hat die Rendite für zehnjährige Anleihen die Schwelle von sieben Prozent überschritten, bei der Griechenland, Portugal und Irland unter den Rettungsschirm schlüpfen mussten. Als Begründung hieß es von Analysten, dass die Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi bisher nur sehr vage sei. Italien könnte mit Staatsschulden von zwei Billionen Euro derart hohe Zinsen auf Dauer nicht verkraften.

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