Wenn es nach dem Senat in Hamburg geht, werden vom Schuljahr 2013 an nach und nach alle Grundschulen zu sogenannten GBS-Schulen, d.h. sie bieten auch am Nachmittag eine Betreuung an, die bislang in der Regel von Horten übernommen wurde. Ziel des bereits vom Vorgängersenat ausgearbeiteten Konzeptes ist es, möglichst allen Familien die Möglichkeit zu geben, ihre Kinder am Nachmittag betreuen zu lassen. Die bisherige Aufteilung Schule - Hort soll dann der Vergangenheit angehören. Die Nachmittagsbetreuung soll nicht mehr in externen Räumen, sondern in der Schule stattfinden. Die Schulen entscheiden dabei selbst, ob sie sich für ein offenes oder verbindliches Ganztagesmodell entscheiden.
Die Pläne klingen ambitioniert, dennoch regt sich Protest. Das »Bündnis für Hortreform« warnt vor einer unzureichenden Finanzierung des Reformvorhabens, die u.a. dazu führe, dass sich der Personalschlüssel verschlechtere und die Kinder den gesamten Tag im Klassenraum verbringen müssten, da das Geld für die notwendigen Umbauten für einen Ganztagesbetrieb fehle. Bei der Umsetzung der Reform nimmt der Senat die verschiedenen Bildungsträger in die Pflicht. Sie sollen »auf Augenhöhe« miteinander verhandeln und in Kooperation die Nachmittagsbetreuung anbieten.
Bei der nun angelaufenen Umsetzung des Reformvorhabens zeigt sich jedoch bereits jetzt, dass von einem Dialog aller Beteiligten »auf Augenhöhe« wenig zu spüren ist. Auf bestehende Kooperationen wird nämlich, wie ein Beispiel aus Eimsbüttel zeigt, wenig Rücksicht genommen. Dort blicken die Grundschule Tornquiststraße und die Kita Emilienstraße auf eine langjährige gute Kooperation zurück. Bereits seit über 15 Jahren übernimmt die Kita Emilienstraße, neben einem privaten Tagesmütterzusammenschluss, die Hortbetreuung für die Grundschulkinder. Von 276 Schülern werden aktuell 133 von der Kita im Hortbereich betreut. Aufgrund der guten räumlichen Situation existiert bereits eine Hortgruppe in der Schule. Diese gute Kooperation ist durch die aktuelle Politik der Schulbehörde bedroht. »Uns wurden ohne vorherige Rücksprache die Räumlichkeiten an der Schule gekündigt«, so Regina Bokelmann vom Leitungsteam der Kita Emilienstraße. Für die Kita stellt dieses Vorgehen ein großes Problem dar, denn sie ist bis zur Einführung 2013 weiterhin zuständig für die Hortbetreuung von rund 130 Kindern. »Wir fanden es sehr ärgerlich, dass wir vor der Kündigung nicht angesprochen, sondern quasi vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Man hätte auch gemeinsam gucken können, wie man das Vorhaben umsetzt«, fasst Regina Bokelmann ihren Unmut zusammen. Einen Dialog »auf Augenhöhe« stellt man sich in der Tat anders vor.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
Sind Frauen die besseren Politiker?
Preis: 75,00 €
Preis: 60,00 €
Werbung:
Werbung: