Von Haidy Damm
15.11.2011

Angst vor Pflegebedürftigkeit

Volkssolidarität fordert neue Bilder des Alterns

Wie lebe ich im Alter? Nach den Ergebnissen einer Studie der Volkssolidarität, die Montag in Berlin vorgestellt wurde, gibt es darüber bei vielen Menschen unklare Vorstellungen.

Welche Erwartungen stellt die Gesellschaft an Ältere und welche individuellen Vorstellungen machen sich Menschen vom Älterwerden? Die beiden Fragen standen im Zentrum der vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg (SFZ) erstellten Studie »Älter werden und alt sein - Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger«. Befragt wurden Menschen in den neuen Bundesländern und Nordrhein-Westfalen.

»Die Auffassungen der Bürger werden in hohem Maße davon bestimmt, was und wie die Medien über Altern und Alter berichten«, erklärte Gunnar Winkler, Präsident der Volkssolidarität bei der Vorstellung der Studie. Und bei den Medien stehe das Thema Pflege im Alter ganz oben, deshalb sei es auch nicht erstaunlich, dass drohende Pflegebedürftigkeit bei den meisten Befragten an der Spitze individueller und gesellschaftlicher Ängste stehe.

63 Prozent aller ab 18-Jährigen in den neuen Bundesländern und Berlin-Ost ebenso wie 67 Prozent in Nordrhein-Westfalen befürchten vor allem, im Alter pflegebedürftig zu werden. Weitere Erwartungen an Ältere sind demnach, dass sie länger arbeiten und wenig Forderungen an die Gesellschaft stellen, sondern »zufrieden zu sein mit dem Alterseinkommen und dem Leben insgesamt«, erklärte Winkler. Die Volkssolidarität wende sich gegen diese einseitigen Altersbilder und fordere ein Umdenken, da »künftig immer mehr ältere Bürger aktiv am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilnehmen werden«.

Wie diese Teilnahme aussehen kann, darüber gab es bei den Befragten sehr unklare Vorstellungen. Rund 40 Prozent der befragten Über-50-Jährigen hatten wenig bzw. keine Vorstellung, wie sie ihren Lebensabend verbringen werden. Hier unterscheiden sich die Antworten stark innerhalb der Einkommensgruppen. Während bei den höher Verdienenden das eigene Hobby und Reisen auf dem Programm stehen, haben besonders Menschen aus den unteren Lohngruppen wenig Vorstellungen. Hier sei die Gesellschaft gefordert, ein Bild vom Alter jenseits der Pflegebedürftigkeit zu entwickeln, so Winkler.

Die Volkssolidarität wird diese und weitere Ergebnisse der Studie auf ihrer Seniorenpolitischen Tagung »Sozial gesichert und aktiv im Alter« in Berlin diskutieren.

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