Visionen für Berlin gibt es einige. IHK-Chef Eric Schweitzer kreierte jetzt die von der »Smart City«, der »intelligenten Stadt«, in der energieeffiziente Gebäude bedarfsgerecht und automatisiert gesteuert werden, Elektrofahrzeuge herumkurven und dezentrale Konzepte für erneuerbare Energien wirkungsvoll in das Netz integriert werden. »Berlins Kompetenzen in der Energietechnik sind der ideale Nährboden, auf dem sich ein Vorbild für die Stadt von morgen entwickeln kann«, sagte Schweitzer gestern im Vorfeld der fünften Berliner Wirtschaftskonferenz am 23. November zum Thema Energietechnik.
Gelegenheit auch für den scheidenden Wirtschaftssenator Harald Wolf (LINKE), auf die hohen Potenziale dieser Branche in der Hauptstadt hinzuweisen und damit zugleich ein wenig Bilanz seiner Politik zu ziehen. 5000 Unternehmen mit rund 40 000 Beschäftigten seien in der Region im Bereich Energietechnik angesiedelt. Bei den Umsätzen liege der Deutschlandanteil der Region mit 3,7 Prozent deutlich vor dem Hamburgs mit drei Prozent. Das Wachstum der Branche sei in Berlin etwa doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Alle wichtigen Konzerne der Kraftwerkstechnik seien hier angesiedelt, von MAN bis Rolls-Royce. Jedes zweite in Deutschland produzierte Solarmodul stamme aus der Region. Zudem gebe es zwölf Forschungseinrichtungen im Bereich Turbomaschinen und Kraftwerkstechnik. »Die Hauptstadtregion hat sich zu einem international wettbewerbsfähigen Standort für Energietechnik und -services entwickelt, eng verknüpft mit einer exzellenten Forschungslandschaft«, so Wolf. Das Bündeln von Ressourcen und Kompetenzen sei der Weg, um die beachtliche Position Berliner Unternehmen weiter auszubauen.
Der Chef der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB), Christian Amsinck, erinnerte an die 2004 gemeinsam von Wirtschaft und Politik initiierte »Wachstumsinitiative Berlin«, mit der es gelungen sei, Wachstumsfelder zu identifizieren und der Wirtschaftsschwäche Berlins zu Leibe zu rücken. Er erwarte, dass dies vom neuen Senat fortgesetzt wird. Die Energietechnik sei einer der größten Wachstumsmärkte. Als große Herausforderung nannte er die energetische Gebäudesanierung. Angesichts eines hohen Bedarfs bei öffentlichen Gebäuden, aber geringen finanziellen Möglichkeiten der öffentlichen Hand forderte er den Einsatz privaten Kapitals. Um die Ziele bei der CO2-Reduzierung in Berlin bis 2020 zu erreichen, sind laut Michael Geißler von der Berliner Energieagentur 7000 Gebäue zu sanieren. Auch er geht davon aus, dass dies ohne privates Kapitals nicht möglich ist.
Eine intelligente Stadt brauche intelligente Strukturen, sagte Schweitzer. Beim gescheiterten Klimaschutzgesetz habe es die nicht gegeben. Das Klimaschutzgesetz sei in der Umwelt-, das Energiekonzept in der Wirtschaftsverwaltung erarbeitet worden. »Das war nicht ressortübergreifend organisiert.« Wolf wies das zurück. Das Gesetz sei zwischen beiden Verwaltungen intensiv abgestimmt worden. »Gescheitert ist es, weil das Problem der Auswirkungen auf die Mieter nicht gelöst wurde« und weil der Bund seine Förderung zurückgefahren habe.
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