Von Andreas Fritsche
18.11.2011

Ein kleiner Großflughafen

Aktionsbündnis fordert Beschränkungen für neuen Hauptstadt-Airport

Die Volksinitiative für ein Nachtflugverbot am neuen Hauptstadtflughafen hat gestern im Brandenburger Landtag angekündigt, in die nächste Stufe für einen Bürgerentscheid gehen zu wollen. Sprecher Matthias Schubert erklärte, der Flughafen sei am »bewusst falschen« Standort geplant und gebaut worden.

Potsdam/Lichtenrade. Manchmal sitzt Monika Busch in ihrem Garten in Berlin-Lichtenrade und wartet, ob mal drei Minuten lang kein Flugzeug zu hören ist. Es hat noch nie geklappt, erzählt die 64-Jährige. Wenn der Großflughafen Schönefeld 2012 eröffnet wird, dann werde sie es im Garten nicht mehr aushalten, erwartet Monika Busch. Mit ihrem Mann und ihrem jüngsten Sohn bewohnt Busch das 1985 gekaufte und schrittweise sanierte Haus.

Oft legte die Familie selbst Hand an, weil das Geld nicht reichte, um einen Handwerker zu bestellen. Nur selten flogen die Buschs in den Urlaub. Sie sparten die Reisekosten für das Grundstück. Und jetzt? Monika Busch engagiert sich im Info-Büro gegen Fluglärm. Der Verein gehört zum Aktionsbündnis für ein lebenswertes Berlin-Brandenburg (ABB).

Bislang zwölf Bürgerinitiativen der Region haben sich im Aktionsbündnis zusammengeschlossen. Das gemeinsame Ziel der Anwohner aus Großbeeren, Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf sowie aus Rangsdorf, Schöneiche, Zeuthen und Berlin: Sie möchten Fluglärm vermeiden. Nur ein mittelgroßer Verkehrsflughafen dürfe der neue Airport in Schönefeld werden, verlangt ABB-Sprecher Matthias Schubert. Berliner und Brandenburger sollen von Schönefeld aus in den Urlaub fliegen und Besucher der Hauptstadt sollen hier ankommen und abreisen. Die Zahl der Fluggäste, die bloß umsteigen, aber solle maximal zehn Prozent betragen. Nachruhe von 22 bis 6 Uhr, keine dritte Startbahn und kein internationales Drehkreuz, das seien die Hauptforderungen des ABB, erklärte Schubert.

Würden die Forderungen erfüllt, so hätte der Airport eine Jahreskapazität von 27 Millionen Passagieren. Ohne die Beschränkungen würde der Flughafen erst bei 45 Millionen Passagieren an seine Grenzen stoßen.

»Wir führen im Aktionsbündnis überhaupt keine Flugroutendiskussion« beteuerte Sprecherin Franziska Borkenhagen. Ausdruck dessen ist die Abkehr vom Bündnis gegen neue Flugrouten und die Hinwendung zum Bürgerverein Brandenburg-Berlin (BVBB). Im großen BVBB kämpfen schon lange vor allem jene Anlieger, die in Orten wie Schulzendorf oder Blankenfelde-Mahlow leben, also besonders dicht am künftigen Großflughafen. Die Kleinmachnower Bürgerinitiative lasse die Mitgliedschaft im Bündnis gegen neue Flugrouten bereits ruhen, erklärte Schubert. Demnächst werde man wohl austreten, kündigte er an.

Gestern kündigte die Volksinitiative für ein Nachtflugverbot im Brandenburger Landtag an, nun in die nächste Stufe für einen Bürgerentscheid gehen zu wollen. Im Infrastrukturausschuss des Parlaments erklärte Sprecher Matthias Schubert, der Hauptstadtflughafen sei am »bewusst falschen« Standort geplant und gebaut worden. Der Planfeststellungsbeschluss beruhe auf »unrichtigen« Tatsachen. Sehr viel mehr Menschen würden so um ihren Nachtschlaf gebracht, hieß es.

Zusätzlich zum Nachtflugverbot plädierte Schubert für einen Flughafen-Neubau bei Sperenberg oder Jüterbog. Er forderte das Parlament auf, die Anliegen der Volksinitiative zu unterstützen. Der Landtag könne jetzt beispielsweise Nachverhandlungen der Landesregierung mit Berlin empfehlen. Wenn das gemeinsame Landesplanungsrecht nicht verändert werde, wolle man 80 000 weitere Unterschriften sammeln, um einen Volksentscheid anzustrengen. Die Vorbereitungen liefen bereits. Das Parlament habe es selbst in der Hand, hieß es.

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