18.11.2011

Schlechte Lage - gute Lage

Tarifverhandlungen in Kunststoffindustrie vertagt

Die Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage in der Kunstsoffindustrie liegen weit auseinander. Gewerkschaft IG BCE und Arbeitgeber vertagten die Tarifverhandlungen auf den 23. November.

Wiesbaden (nd-Meyer). In Wiesbaden begannen am Mittwoch Tarifverhandlungen für die kunststoffverarbeitende Industrie. Die Gewerkschaft IG BCE fordert für die etwa 6000 Beschäftigten in rund 40 tarifgebundenen Betrieben 5,5 Prozent mehr Geld und 200 Euro Einmalzahlung nur für Gewerkschaftsmitglieder. Die Arbeitgeber hätten nach Gewerkschaftsangaben ein erstes Angebot von 2,9 Prozent Entgelterhöhung und 160 Euro Einmalzahlung angeboten. Bei der Diskussion um die wirtschaftliche Lage der Branche, die den ersten Verhandlungstermin dominierte, seien beide Seiten »erwartungsgemäß zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen« gekommen, teilte die IG BCE mit. Während der IG BCE-Landesbezirk Hessen-Thüringen seine Forderungen mit einem deutlichen Produktions- und Umsatzplus 2011 und der Aussicht auf eine gute Konjunkturentwicklung begründet, sprächen Arbeitgeber von einer unbefriedigenden oder schlechten Ertragslage bei 45 Prozent der Unternehmen.

Die Gewerkschaftsforderung werde vor allem den wachsenden Risiken für die weitere Konjunkturentwicklung nicht gerecht, so die Arbeitgeber. Überdies bereiten die schwankenden Rohstoffpreise den Unternehmen Sorge.

Im Sommer 2011 haben sich die Aussichten für die Weltwirtschaft deutlich verschlechtert. Die Wirtschaftsinstitute gehen in ihren Herbstgutachten davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr noch um 2,9 Prozent und im kommenden Jahr nur noch um 0,8 Prozent wächst. »Im deutlichen Gegensatz zur Beurteilung der konjunkturellen Lage durch die IG BCE stehen die zunehmenden Meldungen über rückläufige Auftragseingänge«, sagte Thomas Wedekind, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite. Die Gespräche in Wiesbaden sollen am 23. November fortgesetzt werden.